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Vom Bergmann zum Bürgermeister

Andreas Liebscher hatte lange gar nichts mit Politik am Hut, jetzt stellt er sich zum zweiten Mal zur Wahl in Hermsdorf/E. "Aber das muss man sich leisten können."

Andreas Liebscher ist seit sieben Jahren Bürgermeister von Hermsdorf/Erzgebirge und will das Amt weiter ausüben.
Andreas Liebscher ist seit sieben Jahren Bürgermeister von Hermsdorf/Erzgebirge und will das Amt weiter ausüben. © Egbert Kamprath

In einem Alter, in dem andere an ihren Ruhestand denken, bereitet sich Andreas Liebscher, der ehrenamtliche Bürgermeister von Hermsdorf im Erzgebirge, auf eine neue Amtszeit vor. Am 30. Mai ist wieder Wahl. Für den 63-Jährigen gilt dabei anders als für seine hauptamtlichen Kollegen keine Altersgrenze.

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Dabei hat er lange Jahre seines Lebens mit Politik nicht viel zu tun gehabt. Er ist in Rehefeld geboren und hat in Altenberg bei Zinnerz Bergmann gelernt. Im Betrieb war er dann Brigadier der Grubenhandwerker, heute würde man sagen Vorarbeiter. Bei Zinnerz blieb er bis zum Ende des Unternehmens nach der Wende. „Ich habe den Betrieb mit zugeschlossen“, sagt er trocken.

Die Familie hatte schon immer Zimmer vermietet

Die Jahre danach hat er auf dem Bau gearbeitet. Er hat den Entwässerungsstollen mit gebaut, der die Grubenwässer aus Altenberg ins Bielatal leitet. Das war noch eine bergmännische Arbeit. Anschließend hat er Natursteinsanierung betrieben, in Schlössern und Burgen in Sachsen und Umgebung gearbeitet, bis er aus gesundheitlichen Gründen eine andere Arbeit gesucht hat.

Liebscher hat das Elternhaus seiner Frau übernommen. Daneben baute er ein Gästehaus mit zwei Vier-Sterne-Ferienwohnungen, die er seitdem vermietet. Dieser Erwerbszweig hat Tradition in der Familie. Schon vorher hatten seine Frau und er ein Ferienzimmer. „Die Eltern und die Großeltern haben auch immer an Feriengäste vermietet“, erzählt er.

Im zweiten Anlauf Bürgermeister geworden

Dadurch kam der Bergmann und Handwerker zur Politik. Er hat sich mit der Vermarktung seiner Wohnungen und der Gemeinde insgesamt beschäftigt. „Dabei sind mir einige Punkte aufgefallen in der Gemeinde, mit denen wir Vermieter nicht einverstanden waren“, erinnert er sich. Zusammen mit anderen Vermietern hat er sich entschlossen, zum Gemeinderat zu kandidieren. Aus dem Stand wurde der Fremdenverkehrsverein bei der Wahl 2009 mit vier Gemeinderäten die zweitstärkste Gruppe. Dadurch angespornt stellte sich Liebscher 2010 auch zum ersten Mal zur Bürgermeisterwahl. Damals unterlag er aber mit 21,6 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Hans-Peter Zönnchen von der Unabhängigen Bürgerbewegung. Aber Liebscher wurde zum zweiten Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt.

Als Zönnchen dann vier Jahre später sein Amt aufgab, stellte sich Liebscher erneut zur Wahl. Dieses Mal hatte sich kein Gegenkandidat aufstellen lassen und Liebscher bekam 76 Prozent der Stimmen. Nun geht seine erste Amtsperiode zu Ende. „Es war schon sehr viel Neuland, gerade für einen Quereinsteiger wie mich“, sagt er. Und er stellte fest: „Man muss im Hintergrund ein Einkommen haben, damit man sich dieses Ehrenamt leisten kann.“ Er hat hat durch seine Vermietung, die es ihm auch erlaubt, Termine flexibel einzuteilen.

Die Verwaltung ist eine andere Welt

Liebscher fing an, sich Kontakte zu schaffen. Er Lernte die Mitarbeiter in den höheren Behörden kennen, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet, knüpfte politische Kontakte. „Man muss sich eine Lobby aufbauen“, sagt er. Außerdem arbeitete er sich in die Verwaltung ein. „Ich hatte als Brigadier ja auch Büroaufgaben. Aber die öffentliche Verwaltung ist eine andere Welt“, lernte er. Vier, fünf Jahre hat es gedauert, bis er sich eingefuchst hatte. „Das war wie eine Lehrzeit“, sagt er. Deswegen denkt er jetzt auch nicht ans Aufhören. Er will jetzt Dinge umsetzen, die ins Laufen gekommen sind.

Erst Probleme mit dem Abwasser, jetzt mit Trinkwasser

Solche Vorhaben dauern in der Regel einige Jahre. Nach seinem Amtsantritt musste Liebscher um eine Abwasserlösung für den Ortsteil Seyde kämpfen. Dort sind nur abflusslose Gruben erlaubt, weil Seyde im Trinkwasserschutzgebiet liegt. „Schließlich haben wir erreicht, dass diese nicht schlechter gestellt werden als ein Anschluss an einen öffentlichen Kanal. Das hat drei Jahre gedauert“, sagt er.

Wasser ist auch aktuell das große Thema in Hermsdorf. Das komplette Gemeindegebiet hat sich bisher aus eigenen Brunnen versorgt. Das ging lange gut, aber jetzt nicht mehr, seit mehrere trockene Jahre hintereinander folgten. Um eine öffentliche Wasserversorgung für Hermsdorf zu schaffen, wären nach einer aktuellen Schätzung 15 Millionen Euro erforderlich. „Das geht nur mit Förderung vom Land“, sagt Liebscher. Er sieht dafür die Politik in Dresden in der Pflicht. Schließlich liegt die Gemeinde im Trinkwasserschutzgebiet, muss dadurch Nachteile in Kauf nehmen. Da könnte sie auch eine Gegenleistung erwarten.

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Weiter will er zusammen mit dem Gemeinderat in den nächsten Jahren den Kindergarten in Hermsdorf sanieren und die alte Schule in Seyde zu einem Dorfgemeinschaftshaus umbauen. Und ihm liegt daran, dass die Selbständigkeit der Gemeinde erhalten bleibt. „Das hat einen großen Vorteil: Wir entscheiden selbst über unser Geld“, sagt Liebscher.

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