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Dipps ist den Hackern knapp entkommen

Äußerlich merkt man nichts mehr vom Hackerangriff, der die Stadt im März erwischte. Junge Eltern sind aber nicht die Einzigen, die noch Folgen davon spüren.

Wie eine Trutzburg sehen die Mauern des Dippser Rathauses aus. Aber heutzutage greifen keine Ritter mehr an, sondern Hacker, die völlig unbemerkt über die Datenleitungen ins Haus kommen.
Wie eine Trutzburg sehen die Mauern des Dippser Rathauses aus. Aber heutzutage greifen keine Ritter mehr an, sondern Hacker, die völlig unbemerkt über die Datenleitungen ins Haus kommen. © Egbert Kamprath

Die App der Stadt funktioniert wieder, auch das Ratsinfosystem wird wieder mit Informationen gefüllt. Die Informationstechnik im Dippser Rathaus kommt nach dem Hackerangriff wieder in Gang. Überstanden ist das Problem aber noch nicht, wie Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) im Gespräch mit saechsische.de informierte. „Bis alles wieder problemlos läuft, wird dieses Jahr mit Sicherheit noch ins Land gehen“, sagt sie.

Dipps ist eines von Tausenden Opfern des Angriffs

Anfang März hat die Verwaltung gemerkt, dass sie Opfer eines Hackerangriffs geworden ist. Damals haben vermutlich chinesische Hacker eine Schwachstelle im Exchange-Server von Microsoft ausgenutzt, der für die Abwicklung des Mailverkehrs dient. Tausende von Firmen waren von derartigen Angriffen betroffen. Die Stadtverwaltung hat sofort alle Rechner vom Netz genommen, zeitweise war auch die Telefonanlage lahmgelegt.

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Dreistufiges Sicherheitssystem eingeführt

Die Oberbürgermeisterin machte aus der Not eine Tugend und entschied sich, ein komplett neues System aufzubauen. Das ist aber nicht von heute auf morgen zu bewältigen. Die Stadtverwaltung Dippoldiswalde ist keine besonders große Einheit. Die Aufgaben der Kommune sind aber vielfältig. Die Finanzabteilung benötigt andere Software als das Einwohnermeldeamt oder die Bauverwaltung.

Dann haben Fachleute von den Rechnern im Rathaus alle Daten gelöscht und neu aufgespielt. Jetzt hat Dippoldiswalde ein dreischichtiges Sicherheitssystem nach außen. Wer durch eine Schicht durchkommt, hat immer noch zwei vor sich. „Wir hoffen, dass es eine Zukunftslösung ist“, sagt Körner.

Neues Fachverfahren eingeführt, neue Probleme gehabt

Schrittweise wurden die Abteilungen wieder in das städtische Computernetz einbezogen. „Immer wenn wir ein neues Fachverfahren zugeschaltet haben, sind wieder neue Probleme aufgetaucht“, beschreibt Körner. Zuerst wurde die Finanzsoftware neu installiert, damit die Stadt ihre Rechnungen bezahlen, den Mitarbeitern ihr Gehalt auszahlen konnte.

Bei der ganzen Aktion kam Corona der Verwaltung entgegen. Das Rathaus war ohnehin geschlossen. So konnte die Verwaltung Mitte April auch einmal drei Tage komplett vom Netz gehen, damit die Informatiker ungestört arbeiten konnten. In normalen Zeiten wäre das nicht vorstellbar gewesen.

Die ersten Passwörter waren schon geändert

Schaden hat Dipps trotzdem erlitten. Es war auch knapp, dass es nicht schlimmer wurde. „Wir hatten Glück, dass wir es noch rechtzeitig gemerkt haben. Die Hacker haben schon begonnen, Passwörter zu ändern, aber noch keine Daten abgezogen“, sagt Körner. Der Stadtverwaltung Dipps ist das Problem eher aufgefallen, als die Warnung von Microsoft gekommen ist. Da die Stadt sofort ihr Computersystem vom Internet abgeklemmt hat, war es nicht mehr möglich, Daten abzugreifen. Wenn so etwas passiert wäre, hätte das die Stadt erpressbar gemacht.

Zentrale Vergabe für Kitaplätze muss warten

Einen finanziellen Schaden wird Dipps dennoch erleiden. Die Stadt war zwar gegen solche Angriffe versichert. Hier laufen aber noch Gespräche über den Umfang der Versicherungsleistungen. Die Stadt hat sich zeitweise Festplatten geliehen, weil das alte System ja trotzdem noch etwas weiterlaufen musste, während das neue schon aufgebaut wurde. "Eine Summe x werden wir auf jeden Fall tragen müssen", sagt die Oberbürgermeisterin.

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