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Baugebiet in Hirschbach ist vom Tisch

Mit einer knappen Mehrheit hat der Glashütter Stadtrat das Verfahren gestoppt, mit dem im nördlichen Stadtgebiet Bauland geschaffen werden sollte.

Diese Wiesen beidseitig der Hermsdorfer Straße in Hirschbach sollten bebaut werden.
Diese Wiesen beidseitig der Hermsdorfer Straße in Hirschbach sollten bebaut werden. © Karl-Ludwig Oberthuer

In Hirschbach wird in nächster Zeit wohl kein neues großes Wohngebiet geschaffen. Der Glashütter Stadtrat hat nach längerer Diskussion am Dienstag mit knapper Mehrheit den sogenannten Aufstellungsbeschluss vom Dezember 2019 aufgehoben. Damit wurde der Prozess, mit dem ein Investor auf den Wiesen beidseits der Hermsdorfer Straße Baurecht für 30 Eigenheime und bis zu zwei Mehrfamilienhäuser schaffen wollte, gestoppt. Die Initiative dazu ging von mehreren Stadträten aus.

Der Entscheidung war eine längere Debatte vorausgegangen, in der Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) noch einem Kompromissvorschlag vorgelegt hatte. Stadtrat Manuel Schneider (Wählergemeinschaft Schlottwitz) erklärte im Namen der Antragsteller, weshalb man den Beschluss vom Dezember 2019 gern aufheben möchte.

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Bürger in Umfrage mehrheitlich gegen das Baugebiet

Grundsätzlich sei er für das Baugebiet, so Schneider. Doch der damalige Beschluss habe das Dorf gespalten, er habe die Stimmung im Dorf angeheizt. Seine Kritikpunkte hat er zusammen mit vier weiteren Stadträten schriftlich verfasst. Demnach sei die Abstimmung unter Termindruck und nur mit knapper Mehrheit zustande gekommen. Im Ortschaftsrat, der das Baugebiet befürwortet, widerspiegele sich nach Ansicht der Antragsteller nicht das Meinungsbild der Hirschbacher. Schneider und seine Kollegen verwiesen auf eine Befragung der Bürgerinitiative "Unser Hirschbach - Bürgerinitiative für eine mitbestimmte Entwicklung", an der sich 73,5 Prozent der volljährigen Hirschbacher beteiligt haben. 75,2 Prozent der Teilnehmer hätten sich dort gegen die Bebauung der gesamten, 3,38 Hektar großen Fläche ausgesprochen.

Bauland nach und nach entwickeln

Außerdem würden in dem gewählten Verfahren die Bürger nicht frühzeitig an diesem Prozess beteiligt. Auch die Umweltbelange kämen zu kurz, da der Investor keine Ausgleichmaßnahmen ergreifen und es keine Umweltprüfung geben muss. Letztlich habe die Stadtverwaltung keine Abwägung der zu erwartenden Vor- und Nachteile zum Baugebiet vorgelegt. Deshalb sollte der Stadtrat den Beschluss zurücknehmen und das Verfahren auf einen Stand null bringen. Danach könnte es einen "Neuanfang" geben, bei dem alle Betroffenen miteinander diskutieren können.

Gegenwärtig sei zu viel Sand im Getriebe, befand Stadtrat Maik Lehmann (WV Zeitlos). Ein Neuanfang sei eine Chance. Die fünf Räte plädierte dafür, die Baulandfläche nach und nach in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren maßvoll zu entwickeln. Pro Jahr sollten zwei bis fünf Bauplätze ausgewiesen werden. Auch dafür ließen sich Bauträger finden, erklärte Stadtrat Andreas Dießler (WV Reinhardtsgrimma) mit dem Verweis auf Bauflächen in seinem Heimatort Hausdorf.

Auch die Befürworter des Baugebietes meldeten sich zu Wort. Stadtrat Jörg Paulusch (CDU), der auch Ortsvorsteher in Hirschbach ist, nahm seinen Ortschaftsrat in Schutz. Dieser sei der legitimierte Vertreter der Hirschbacher. Die Räte hätten nach bestem Wissen und Gewissen die Vor- und Nachteile beraten und sich mit großer Mehrheit für das Baugebiet ausgesprochen. Paulusch übte auch Kritik an der Umfrage der Bürgerinitiative. Diese fand vor dem Bürgerdialog statt, auf dem die Verwaltung und der Planer sich den Fragen der Bürger stellten. Die Erkenntnisse aus der Sitzung konnten die Bürger nicht berücksichtigen. Zudem seien die Fragen "zielgerichtet und nicht objektiv gewesen". Aus Sicht des Ortschaftsrates sei die Befragung nicht repräsentativ.

Kompromiss: Nur ein Teil soll bebaut werden

Auch Dreßler widersprach der Kritik der Antragsteller. Bereits im Sommer 2019 seien Grundzüge der Bebauung öffentlich vorgestellt worden. Er versuchte, die Kritiker umzustimmen und erklärte, dass der Investor nun nur einen Teil der geplanten Fläche bebauen möchte, konkret die linke Seite in Richtung Hermsdorf. Damit käme er der Forderung der Bürgerinitiative entgegen, die Kritik an der Größe des Baugebietes übte.

Dreßler zeigte sich skeptisch, dass sich der Vorschlag, das Gebiet schrittweise zu erschließen, umsetzen lassen wird. Er verwies auf eine Einschätzung des Planers Hans-Joachim Bothe. Dieser erklärte, dass es "unter den geltenden rechtlichen Vorschriften" nicht möglich sei, ein größeres Baugebiet in Teilabschnitten so zu planen, dass maximal zwei bis fünf Bauplätze geschaffen werden. Auch Dreßler glaubt, dass der vorgeschlagene Weg für Investoren aufgrund der zu erwartenden Preise uninteressant sein wird.

Stadtrat Klaus Köhler (WV Reinhardtsgrimma) verwies auf die Dringlichkeit, Bauland zu schaffen, um jungen Leuten aus der Region eine Chance zu geben. Das gewählte Verfahren reduziere die Kosten für den Investor. Deshalb würden die Grundstückspreise vergleichsweise erschwinglich bleiben. Zudem seien gerade jetzt die Konditionen für Häuslebauer günstig. Sollte das Verfahren gestoppt werden, führt das zu einer Verzögerung. Ob die Bedingungen später dann noch so günstig sein werden, bezweifele er. Ähnlich äußerte sich Frank Zimmerhäckel (Grüne). Nach seinen Informationen sei es derzeit fast unmöglich, Bauland in Hirschbach zu finden. Viele Freunde und Bekannte hätten sich deshalb für Bauflächen in anderen Kommunen entschieden.

Steffen Barthel (WV Johnsbach) erinnerte daran, dass man nur mit einem Wohngebiet junge Familien und damit Fachkräfte nach Glashütte bringen könne. Zudem schaffe so ein Wohngebiet auch Aufträge für die heimische Handwerkerschaft, und es wirke sich positiv auf die Abwassergebühren aus. Mehr Einwohner bedeuten geringere Gebühren.

Zehn Stadträte für einen Neustart, acht dagegen

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