merken
PLUS Dippoldiswalde

Debatte um neues Wohngebiet geht weiter

Die Bürgerinitiative "Unser Hirschbach" hat die Auswertung einer eigenen Befragung vorgelegt. Es gibt klare Tendenzen. Der Ortsvorsteher zweifelt die Ergebnisse an.

Auf diesen Wiesen in Hirschbach soll ein neues Baugebiet mit bis zu 30 Wohnhäusern entstehen.
Auf diesen Wiesen in Hirschbach soll ein neues Baugebiet mit bis zu 30 Wohnhäusern entstehen. © Egbert Kamprath

Die Debatte um ein neues Baugebiet in Hirschbach hat eine überraschende Wendung genommen. Dafür sorgte die Bürgerinitiative "Unser Hirschbach". In der jüngsten Glashütter Stadtratssitzung stellten Georg Wendland und Lars Tennhardt die Ergebnisse einer Bürgerbefragung vor, die im Juli durchgeführt worden war. 

Ziel war es, ein Meinungsbild zu erfragen und Fakten zu sammeln, erklärt Tennhardt. Deshalb habe man einen Fragebogen entwickelt, der 346-mal verteilt wurde. Davon seien 251 Bögen ausgefüllt zurückgekommen. Die Hirschbacher konnten sich zu verschiedenen Aspekten der geplanten Bebauung und zur Dorfentwicklung äußern. Dazu wurden ihnen zwölf Fragen gestellt. Die Ergebnisse hätten auch die Mitglieder der Bürgerinitiative überrascht, sagte Tennhardt. 

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Einige Ergebnisse im Überblick:

  • Auf die Frage "Ich bin für die Bebauung der gesamten jetzt ausgewiesenen Fläche (circa 3,3 Hektar mit mindestens 30 Häuser mit circa 120 Personen = 25 Prozent Einwohner + 60 Autos)." antworteten 17,1 Prozent mit Ja, 75,5 Prozent mit Nein. 
  • Auf die Frage "Ich bin für eine Entwicklung von zusammenhängenden Bauflächen, aber nicht in der ausgewiesenen  Größe." antworteten 32,5 Prozent mit Ja und 50,6 Prozent mit Nein.
  • Auf die Frage: "Ich bin für nur Lücken- oder Einzelbebauung (keine neuen zusammenhängenden Baugebiete)." antworteten 62,8 Prozent mit Ja und 25,9 Prozent mit Nein.
  • Auf die Frage: "Wenn ein neues Baugebiet entstehen soll, dann ist mir wichtig eine verbindliche Mindestgröße der Grundstücke (zum Beispiel 750 Quadratmeter)." stimmten 70,9 Prozent mit Ja und 17,8 Prozent mit Nein.
  • Auf die Frage: "Wenn ein neues Baugebiet entstehen soll, dann ist mir wichtig, nur Ein- oder Zweifamilienhäuser (keine Reihenhäuser)."  stimmten 81,4 Prozent mit Ja und 12,1 Prozent mit Nein.
  • Auf die Frage: "Wenn ein neues Baugebiet entstehen soll, dann ist mir wichtig, Vorkaufsrecht bzw. Preisvorteil für Einheimische." stimmten 76,4 Prozent mit Ja, 8,9 Prozent mit Nein.

AfD hebt das Thema auf die Tagesordnung

Eigentlich war das potenzielle Wohngebiet, in dem bis zu 30 Wohnhäuser entstehen sollen, nicht als eigenes Thema in der Stadtratssitzung vorgesehen. Erst ein Antrag von Stadtrat Tilo Bretschneider (AfD) brachte es auf die Tagesordnung. 15 Stadträte stimmten dafür, zwei dagegen. Es gab drei Enthaltungen.

Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) zeigte sich in der Ratssitzung mehr als überrascht und enttäuscht. Nach einem ersten konstruktiven Austausch mit der Bürgerinitiative und dem gemeinsam verfassten Anschreiben an die Einwohner habe er die Hoffnung gehabt, dass Stadt, Investor, Ortschaftsrat und Bürgerinitiative die weiteren Schritte im Dialog umsetzen. "Gern hätten wir in dem Sinne mit den Vertretern der Bürgerinitiative und dem Investor beraten, ob es einen gemeinsamen Fragebogen mit hinreichend neutralen Fragestellungen geben könnte und vor allem auch, wie ein transparentes Verfahren möglich sein kann." Seiner Meinung nach hätte es sich angeboten, die Bürger nach der Einwohnerversammlung zu befragen, da erst dort die Fragen der Bürger beantwortet werden können.

"Durch die Art und Weise der Befragung kann der Eindruck entstehen, dass die Bürgerinitiative kein Interesse an einer transparenten, neutralen Befragung hatte, sondern ein gewünschtes Ergebnis erzielt werden sollte", so Dreßler. Bevor aus der Befragung Schlüsse gezogen werden, sei ein Austausch mit der Bürgerinitiative zum Verfahren der Befragung notwendig. "Einen solchen Austausch habe ich bereits vorgeschlagen", so Dreßler.

Lassen sich die nummerierten Fragebögen zurückverfolgen?

Ortsvorsteher Jörg Paulusch (CDU) zweifelt die Ergebnisse der Befragung an. "Mit der Fragestellung kann man bei solch einer Umfrage das Ergebnis beeinflussen." Zudem habe er den Eindruck, dass die Befragung nicht anonym gelaufen ist. Die Fragebögen der BI seien durchnummeriert gewesen. Daran hätten sich viele Hirschbacher gestört. Sie glauben, dass es sich nachverfolgen ließe, wer wie geantwortet hat. 

Paulusch kritisiert auch, dass an der Auswertung der Fragebögen weder Stadt- noch Ortschaftsräte oder Mitarbeiter der Stadtverwaltung beteiligt waren. Im Gegensatz dazu können beim Auszählen von Stimmen bei regulären Wahlen jeder dabei sein, um sich von der Rechtmäßigkeit zu überzeugen. Eine Befragung hätte man im Vorfeld zusammen abstimmen können. "Leider ist das so nicht erfolgt". 

Georg Wendland und Lars Tennhardt indes verwiesen in der Sitzung darauf, dass die Befragung anonym gewesen sei. Sie verteidigten ihr Vorgehen, die Befragung ohne Stadt- und Ortschaftsrat auf den Weg gebracht zu haben. Zur Vorbereitung auf die geplante Einwohnerversammlung sei es wichtig gewesen, ein umfassendes Meinungsbild zum geplanten Bebauungsvorhaben zu erhalten. Am Dienstag wollen Wendland und Tennhardt weitere Ergebnisse vortragen. Diese beruhen unter anderem auf den Kommentaren, die jeder der Befragten auf dem Fragebogen notieren konnte.

Hintergrund Bürgerinitiative

Weiterführende Artikel

Kann Glashütte wachsen?

Kann Glashütte wachsen?

Knapp drei Stunden wurde über das Für und Wider eines neuen Wohngebietes im Ortsteil Hirschbach diskutiert. Dabei wurden einige Fragen geklärt.

Wird Hirschbach größer?

Wird Hirschbach größer?

Der Protest der Einwohner hält an. Sie befürchten eine anonyme Wohnsiedlung und das Vernichten von Feldern und Wiesen.

30 neue Häuser auf dem Land?

30 neue Häuser auf dem Land?

Mit knapper Mehrheit hat sich Glashüttes Stadtrat für ein Baugebiet entschieden. Ob es am Ende kommt, ist aber fraglich.

Die Bürgerinitiative "Unser Hirschbach - Bürgerinitiative für eine mitbestimmte Entwicklung" hat sich Ende 2019 gegründet. Anlass war ein Beschluss des Stadtrates, mit dem in Hirschbach mit einem verkürzten Verfahren Baurecht für eine 3,3 Hektar große Fläche geschaffen werden soll. Georg Wendland fasst das Ziel der BI so zusammen: "Wir möchten die dörfliche Identität bewahren." Der Ort solle langsam wachsen. Man wolle nicht, dass schlagartig 25 Prozent neue Einwohner das dörfliche Leben und die Gepflogenheiten durch städtische Ansichten verbiegen und gegebenenfalls einschränken. Man wolle die Dorfentwicklung nicht verhindern, sondern diese transparent und basisdemokratisch unterstützen und mitbestimmen. Deshalb soll das Planungsverfahren gestoppt bzw. der Stadtratsbeschluss aufgehoben. Unter Einwohnerbeteiligung soll gegebenenfalls ein neues Verfahren gestartet werden. 

Einwohnerversammlung am Dienstag, 8. September, um 18 Uhr in die Offenscheune gegenüber der ehemaligen Sportlerklause in Hirschbach.


Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde, Glashütte und Hirschbach lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde