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Landkreis verstolpert die Schulnetzplanung

Das Landratsamt müsste bis Ende 2020 einen neuen, aktuellen Plan vorlegen. Das stößt nicht nur Klingenberg sauer auf.

Die Gemeinde Klingenberg braucht ein Konzept für die Zukunft der Grundschule Pretzschendorf. Der Schulnetzplan des Landkreises ist dabei keine Hilfe.
Die Gemeinde Klingenberg braucht ein Konzept für die Zukunft der Grundschule Pretzschendorf. Der Schulnetzplan des Landkreises ist dabei keine Hilfe. © Egbert Kamprath

Ende August hat das Landratsamt aus Pirna ein  Papier mit mehreren hundert Seiten an alle Städte und Gemeinden herausgeschickt, den Entwurf für einen neuen Schulnetzplan. Dazu hat das Amt den Kommunen eine Frist gesetzt: Bis Ende September sollen diese ihre Stellungnahme dazu abgeben. Aber das geht so nicht, wie das Beispiel Klingenberg zeigt.

Der Gemeinderat Klingenberg wollte am Dienstag darüber beraten. Aber Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg) hat den Punkt vertagt. „Der Plan funktioniert so nicht. Eigentlich müssten wir ihn ablehnen. Aber jetzt wollen wir mit dem Landratsamt noch mal ins Gespräch gehen“, sagt er. 

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Städte und Gemeinden lassen sich nicht unter Druck setzen

Klingenberg ist nicht die einzige Kommune, die sich nicht in Zeitdruck bringen lässt. Dippoldiswalde ebenso. „Das sind ja viele hundert Seiten. Die können wir nicht so schnell fundiert durcharbeiten. Wir schaffen das nicht bis zur Stadtratssitzung kommende Woche“, sagt Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU). Diese Diskussion ist erst zur Oktobersitzung möglich. 

In Freital, wo der Stadtrat am Donnerstag zusammentritt, steht der Punkt auch nicht auf dem Sitzungsprogramm. Wobei in Freital ein sehr spannendes Projekt zu besprechen wäre. Nach Informationen von Sächsische.de sieht der aktuelle Entwurf des Schulnetzplans für die Stadt eine weitere Oberschule vor.  Die Stadtverwaltung Freital berät darüber noch und will sich dazu nicht äußern. "Aus Vorgesprächen war uns eine in der Stadt neu einzurichtende Oberschule bisher nicht bekannt", teilt Matthias Weigel, der Pressesprecher der Stadt, dazu mit.  

Die Kreiselternvertretung, die sich nun zu Anfang des Schuljahres erst neu finden muss, hätte auch ein Exemplar bekommen, informierte Kati Hille, die zuständige Beigeordnete im Landratsamt auf Anfrage von Sächsische.de. Darüber hinaus sind die Eltern einzelner Schulen oder die Öffentlichkeit nicht informiert worden.

Dem Landratsamt hat der Wind aus den Rathäusern dann so stark ins Gesicht geblasen, dass es inzwischen das Steuer herumgerissen hat. Am Montag sei ein Schreiben an alle Städte und Gemeinden gegangen, dass es im Oktober noch einmal Gespräche zur Schulnetzplanung geben soll, sagt Hille. "Die Zeitschiene war zu knapp, wie uns einige Kommunen signalisiert haben. Das haben wir angepasst."

Bis Anfang Dezember soll jetzt ein neuer Entwurf ausgearbeitet werden. Damit schafft es der Landkreis aber nicht mehr, den Plan bis Ende des Jahres noch vom Kreistag beschließen zu lassen. "Wir werden beim Kultusministerium den Antrag stellen, erst im Juni 2021 den Plan vorlegen zu dürfen", sagt Hille. Damit wäre Zeit gewonnen. Bis Mai 2021 könnte das Amt einen soliden Entwurf ausarbeiten und dem Kreistag vorlegen. Der jetzige war mit heißer Nadel gestrickt, wie Hille zugibt.

Weite Schulwege mit mehrfachem Umsteigen

Der Teufel steckt dabei im Detail. Das führt Klingenbergs Bürgermeister Schreckenbach  am Beispiel der Grundschulen in Ruppendorf und Pretzschendorf aus. Das Landratsamt plant mit Klassengrößen von 25 Kindern. In Klingenberg kommen im Jahr zwischen 60 und 70 Kinder zur Welt. Also hat das Landratsamt am grünen Tisch festgelegt, dass drei Klassen für die Gemeinde reichen. 

„Das ginge, wenn wir eine Grundschule in der Mitte der Gemeinde hätten. Aber dort ist bei uns die Talsperre“, sagt Schreckenbach. Die Gemeinde brauche zwei Grundschulen, die jeweils anderthalbzügig sind. Sonst kann es passieren, dass schon Grundschüler weite Wege fahren müssen, unter Umständen mit mehrfachem Umsteigen. 

Auch gibt es Probleme mit der Planung für die Oberschule Klingenberg. Davon sind auch  Schüler aus Nachbarorten betroffen. Der Einzugsbereich der Klingenberger Schule reicht bis Hartmannsdorf-Reichenau im Süden und bis Hartha und Tharandt im Norden. 

Die Klingenberger Schule ist 1985 als dreizügige Oberschule eröffnet worden. Als sie ab 2007 saniert wurde, gab es aber nur Fördergelder für eine zweizügige Schule. Entsprechend zurückhaltend wurde gebaut. Bei den erwarteten Schülerzahlen würde die Zweizügigkeit in den nächsten Jahren für den Bedarf der Gemeinde Klingenberg ausreichen, aber nicht mehr für die Region ringsherum. 

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