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"Seit meiner Kindheit ist Glashütte Thema"

Walter Langes Sohn Benjamin erzählt, wie er die Stadt seines Vaters zum ersten Mal sah, warum er Glashütte verlassen hat und ob es eine Rückkehr geben könnte.

Zur Einweihung des Walter-Lange-Denkmals kam auch dessen Sohn Benjamin Lange
aus München angereist.
Zur Einweihung des Walter-Lange-Denkmals kam auch dessen Sohn Benjamin Lange aus München angereist. © Egbert Kamprath

Obwohl der Unternehmer Walter Lange nach der friedlichen Revolution 1990 in Pforzheim wohnen blieb, prägte er Glashütte maßgeblich. Zusammen mit Günter Blümlein schuf er eine Manufaktur, die noch heute seinen Namen trägt und deren Luxusuhren den Namen der Stadt international bekannt machte. Weniger bekannt ist Walter Langes Sohn Benjamin. Sächsische.de traf ihn in Glashütte. Im Gespräch mit der SZ verrät der 43-Jährige, der in München wohnt, was er vom Denkmal für seinen Vater hält, welche Pläne er hat und ob er sich eine Rückkehr nach Glashütte und zur Firma Lange Uhren vorstellen kann. 

Herr Lange, wie gefällt Ihnen das Denkmal?

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Das Denkmal ist sehr schön geworden. Es freut mich für unsere Familie, Ferdinand Adolph hat sein ganz besonderes Monument. Jetzt hat man etwas Eigenständiges für Walter geschaffen. Das ist etwas Vollendetes.

Welche Beziehung haben Sie zu Glashütte?

Ich bin in Pforzheim aufgewachsen. Doch seit meiner Kindheit war Lange und Glashütte das Thema. Ich bin in die Familiengeschichte hineingewachsen. Man saß zuhause und durfte sich mit dem Thema Uhr beschäftigen. Auch meine ganze Ausbildung hat sich um dieses Thema gedreht.

Können Sie sich an Ihren ersten Besuch in Glashütte erinnern?

Mein erster Besuch in Glashütte und Dresden war im Frühjahr 1990. Für mich, der in der Region Pforzheim aufgewachsen ist, war der Besuch Kontrast und Abenteuer zugleich, die Eindrücke sicherlich am Anfang gewöhnungsbedürftig. Das betraf insbesondere die baulichen Zustände der Straßen, der Gebäude, eigentlich der gesamten Infrastruktur. Natürlich hat es mich betroffen gemacht, die enteigneten Wohn- und Geschäftshäuser unserer Familie in dem damaligen Zustand das erste Mal zu sehen. Das Bild vor Ort entsprach den Erzählungen meiner Familie. Unabhängig von diesen Äußerlichkeiten hat es mein Vater verstanden, mich für Glashütte zu begeistern. Sein Enthusiasmus, die Familientradition wieder aufleben zu lassen, Arbeitsplätze zu schaffen und wieder die besten Uhren der Welt in Glashütte zu fertigen, war seit dem Mauerfall für uns allgegenwärtig.

Wie bewerten Sie die Entwicklung der Stadt?

Die Entwicklung der Stadt ist beeindruckend, wenn man berücksichtigt, wie sich das Stadtbild in den letzten 30 Jahren verändert hat. Was die Verschönerung der Gebäude und auch den Wohlstand der Stadt angeht, haben die etablierten Uhrenmanufakturen entscheidend dazu beigetragen. Dass heute wieder so viele Menschen in der Region von der Uhrenfabrikation leben, erfüllt auch mich mit Stolz, was die Leistung meines Vaters angeht und damit die Vision meiner Vorfahren wieder lebendig geworden ist. Mit der Vollendung des Vorplatzes vor der Kirche und dem Denkmal ist meines Erachtens auch die Stadt nahezu vollendet und in einem sehr gepflegten und schönen Zustand. Dies war auch meinem Vater stets ein wichtiges Anliegen – ein Herzenswunsch. Insbesondere die schnelle Aufbauarbeit nach dem Hochwasser 2002 war beeindruckend.

Warum sind Sie kein Uhrmacher geworden?

Es gab bei uns in der Familie immer Uhrmacher und kaufmännisch orientierte Familienmitglieder. Ich habe Betriebswirtschaft mit dem Fokus Unternehmensführung studiert.

Warum haben Sie nicht die Nachfolge Ihres Vaters in der Geschäftsführung angetreten?

Es war die Absicht meines Vaters und Günter Blümlein, dass ich nach meiner Ausbildung in die Firma eintrete. So waren meine Ausbildung und diverse Auslandspraktika in der Schweiz innerhalb der LMH Gruppe, einer Holding zu der die drei Uhrenmarken A. Lange & Söhne, Jaeger-LeCoultre und IWC gehörten und der Günter Blümlein vorstand, mit Fokus Schaffhausen darauf ausgerichtet. Insbesondere von Günter Blümlein hätte ich sicherlich noch viel Wertvolles lernen können. Günter Blümlein verstarb dann leider kurz nach der Übernahme durch die Richemont Gruppe 2001.

Die Männer der ersten Stunde der Firma Lange GmbH: Hartmut Knothe (links), Walter Lange (Mitte) und Günter Blümlein bei der Vorstellung der Lange-Uhren im Dresdener Schloss 1994.
Die Männer der ersten Stunde der Firma Lange GmbH: Hartmut Knothe (links), Walter Lange (Mitte) und Günter Blümlein bei der Vorstellung der Lange-Uhren im Dresdener Schloss 1994. © Lange Uhren GmbH

Haben Sie auch in Glashütte gearbeitet?

Ja. 2003 kam ich nach Glashütte. In der Lange Uhren GmbH war ich als Abteilungsleiter Service Marketing tätig. Das umfasste den weltweiten technischen Kundendienst, die Kundenbetreuung und -bindung. Bei Lange habe ich auch meine Frau Joanna kennengelernt, die dort die Akademie aufgebaut hat. Das war eine Fügung des Schicksals, dass wir uns dort kennenlernen konnten.

Doch Sie sind nicht in Glashütte geblieben. Warum?

Als ich 2007 den nächsten Karriereschritt gehen wollte, bot sich dies im Unternehmen zu dieser Zeit leider nicht an. Ich habe mich dazu entschlossen, Erfahrungen außerhalb der Lange Uhren GmbH zu sammeln. Ich bin nach Hongkong gegangen und dort sechs Jahre geblieben. Für die Schmuckmanufaktur Wellendorff aus Pforzheim war ich als Direktor von Hongkong aus für Asien zuständig. Dort wurden übrigens auch unsere beiden Kinder geboren – Sophie und Alexander. 2014 kam ich nach Deutschland zurück. Seit sechs Jahren bin ich für Bucherer tätig, dem weltgrößten Uhren- und Schmuckhändler. Ich darf mich um die Deutschland-Geschicke kümmern, bin Geschäftsführer Deutschland. Mittlerweile haben wir hier 260 Mitarbeiter.

Sind Sie am Unternehmen Lange Uhren GmbH beteiligt?

Im Zuge der Übernahme durch Richemont wurden auch die Anteile in Familienbesitz von der Richemont Gruppe übernommen.

Gibt es ein Zurück zur Firma Ihres Vaters?

Das kann alles durchaus sein. Das Leben hat seinen Lauf. Das hat man auch bei Walter gesehen. Mal sehen, wie sich alles entwickelt. Ich bin in München momentan beruflich und privat sehr, sehr glücklich. Neben meiner wunderbaren Ehefrau habe ich zwei ganz tolle Kinder.

Haben Sie noch Kontakt nach Glashütte?

Wir stehen in Kontakt mit der Lange Uhren GmbH. Das ist nach wie vor unsere Familie, das ist unsere Emotion. Daran hat sich nichts geändert. In gewisser Weise wirke ich für die Marke als Außenposten in München. Denn wir vertreiben unter anderem Uhren der Marke Lange & Söhne. Wir sind eng dran.

Wie oft kommen Sie nach Glashütte?

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Ich genieße es, mit meiner Familie jedes Jahr zwei bis- dreimal nach Glashütte zu fahren. Dabei wandeln wir stets auch auf den Spuren der Familie in Dresden und Radebeul. Und auch beruflich führt es mich nach Glashütte. Ich habe mit allen Manufakturen Kontakt, also auch mit Nomos Glashütte und mit Glashütte Original. Außerdem haben wir hier das Familiengrab und viele Freunde.

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