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Die Feuerwehr rückt in die Ortsmitte

In Reinhardtsgrimma soll ein neues Gerätehaus errichtet werden. Bevor das beschlossen wurde, gab es eine Grundsatzdiskussion.

Noch befindet sich das Gerätehaus der Reinhardtsgrimmaer Feuerwehr neben dem Kindergarten (links im Bild).
Noch befindet sich das Gerätehaus der Reinhardtsgrimmaer Feuerwehr neben dem Kindergarten (links im Bild). © Egbert Kamprath

Eigentlich sollte es in der jüngsten Glashütter Stadtratssitzung um den Neubau eines Gerätehauses in Reinhardtsgrimma gehen. Denn das bestehende Gebäude ist zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Auch die Zufahrt ist nicht optimal, sie führt auf engen Gassen durch ein Wohngebiet. Deshalb soll ein neues Gerätehaus entstehen. Doch die Debatte im Rat drehte sich ziemlich schnell um den Kindergarten, der sich direkt neben der Feuerwehr befindet. Dass die Diskussion so eine Wendung nahm, lag an einem Vor-Ort-Termin, zu dem die Stadt wenige Tage zuvor geladen hatte. Die Stadträte konnten sich beide Gebäudeteile anschauen. Und sie waren überrascht über den Zustand des Kindergartens. Denn auch der lässt zu wünschen übrig, wie gleich mehrere Stadträte befanden. 

Stadtrat Tilo Bretschneider (AfD) plädierte dafür, angesichts der hohen Summen zunächst in einen neuen Kindergarten und erst dann in die Feuerwehr zu investieren. Sein Parteikollege Ulf Jannasch warb dafür, beide Investitionen im Paket zu betrachten und zu entscheiden. Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos) sprach sich dafür aus, die Größe des neuen Gerätehauses zu überdenken, um Kosten zu sparen. Dieses sollte nicht wie geplant für 35 sondern für 25 Kameraden ausgelegt werden. Er begründete seinen Vorstoß damit, dass die Hausdorfer Kameraden, die gegenwärtig noch in Reinhardtsgrimma integriert sind, in naher Zukunft wieder eine eigene Ortswehr auf die Beine stellen wollen. Vielleicht, so Lehmann, könnte man auch auf den Schulungsraum verzichten. Die Schulungen könnten im Erbgericht Reinhardtsgrimma oder in Glashütte stattfinden, so sein Vorschlag. Deshalb plädierte er und weitere Räte dafür, den Beschluss über das Feuerwehrgerätehaus zu verschieben, um ihn zu überdenken. Doch das wurde mit knapper Mehrheit mit acht zu sieben Stimmen abgelehnt. 

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Auf dieser Wiese soll das neue Gerätehaus entstehen. Der Baugrund zeige keine Auffälligkeiten, hieß es vom Planungsbüro. Der Stadtort ist zentral, die Fläche gehört bereits der Stadt.
Auf dieser Wiese soll das neue Gerätehaus entstehen. Der Baugrund zeige keine Auffälligkeiten, hieß es vom Planungsbüro. Der Stadtort ist zentral, die Fläche gehört bereits der Stadt. © Egbert Kamprath

Die Mehrheit folgte den Argumenten, die aus den Reihen der Feuerwehr und der Verwaltung vorgebracht wurden. Zunächst verteidigte Stadtwehrleiter Veith Hanzsch die geplante Größe des neuen Gerätehauses, das neben der Milchviehanlage entstehen soll. Demnach gebe es für den Bau von Gerätehäusern Vorgaben. Dazu gehört, dass diese einen Schulungsraum haben müssen. "Die theoretische und praktische Ausbildung sollen an einem Ort stattfinden", erklärte er. Denn manche Schulungen - jeder Kamerad muss 40 Stunden im Jahr absolvieren - beinhalten neben der Theorie auch noch praktische Übungen. Auch die geplante Größe sollte beibehalten werden, da Reinhardtsgrimma neben Glashütte der zweite wichtige Standort der Feuerwehr ist. 

Zudem werde die Größe gebraucht, um hier auch eine Jugendfeuerwehr zu unterhalten. Hanzsch erinnerte auch an den Zeitdruck. Seit mehreren Jahren mahnt der Feuerwehrausschuss an, dass sich die Bedingungen in Reinhardtsgrimma unbedingt verbessern müssen. Deshalb warb er im Stadtrat dafür, dass dieser das Büro Basler & Hofmann mit der Vorplanung für den Neubau beauftragt. Denn sowohl der Ortschaftsrat als auch die Ortswehr Reinhardtsgrimma hatten sich für einen Neubau an der Milchviehanlage entschieden. Geprüft wurde auch der Standort Gartenstraße, ergänzte Ortswehrleiter Thomas Flasche, der auch Stadtrat ist. Doch gegen diesen sprach die vergleichsweise schlechte Verkehrsanbindung. Denn der Weg dahin führt über eine schmale Brücke. Zudem sind auf dem Weg viele Kinder unterwegs.

Noch wird die Fläche an der Gartenstraße von den Fußballern als Hartplatz genutzt. Doch das könnte sich ändern. Hier könne der neue Kindergarten entstehen.
Noch wird die Fläche an der Gartenstraße von den Fußballern als Hartplatz genutzt. Doch das könnte sich ändern. Hier könne der neue Kindergarten entstehen. © Egbert Kamprath

Zu den Problemen des Kindergartens nahm Hauptamtsleiterin Julienne Döring Stellung. Sie verwies darauf, dass diese bekannt sind und auch schon im Stadtrat besprochen wurden. Generell gibt es mehrere Möglichkeiten, hier Abhilfe zu schaffen. So könnte der Kindergarten nach dem Wegzug der Feuerwehr am bestehenden Standort erweitert werden. Fast genauso teuer wie diese Erweiterung sei aber auch ein Neubau an anderer Stelle. Dazu möchte die Verwaltung in den nächsten Wochen mit dem Stadtrat ins Gespräch kommen. Für den Neubau gibt es bereits einen favorisierten Standort, ein Grundstück an der Gartenstraße. Für dieses hat sich auch der Ortschaftsrat ausgesprochen, so Stadtrat Flasche (CDU). Allerdings gibt es hier noch Wünsche. Denn das ins Auge gefasste Baugrundstück ist zurzeit noch ein Großhartfeldplatz, der der TSV Reinhardtsgrimma gehört. Vereinschef Jochen Liebe, der zugleich auch Ortsvorsteher ist, erklärte in der Sitzung, dass der Verein bereit ist, die Fläche bereitzustellen. Im Gegenzug erwartet er, dass auf einem Teilbereich ein Kleinfeldkunstrasenplatz entstehen soll, um den Kinder- und Jugendsport zu fördern. Außerdem wünscht man sich in Reinhardtsgrimma einen öffentlichen Spielplatz. 

Noch im vorigen Jahr wurde über diese beiden möglichen Standort debattiert. Inzwischen entschied sich die Stadt für den Standort Milchviehanlage, an der Gartenstraße könnte die neue Kita entstehen.
Noch im vorigen Jahr wurde über diese beiden möglichen Standort debattiert. Inzwischen entschied sich die Stadt für den Standort Milchviehanlage, an der Gartenstraße könnte die neue Kita entstehen. © Archiv: SZ-Grafik

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Letztlich stimmte der Stadtrat - mit knapper Mehrheit bei neun zu sieben Stimmen und bei einer Enthaltung - dafür, das Büro Basler & Hofmann mit der Vorplanung des 360 Quadratmeter großes Gerätehauses zu beauftragen. Es wird voraussichtlich 1,5 Millionen Euro kosten. Die Stadt kann mit einer Förderung in Höhe von 540.000 Euro rechnen.

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