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Glashütte kauft Schulbücher für Kenia

Die Uhrenstadt engagiert sich weiter in einer Entwicklungspartnerschaft. Eine Delegation war vor Ort, um mehr über die Region zu erfahren.

Die Menschen auf der Insel Rusinga ernähren sich auch von Fisch. Hier sind die Fischer zu sehen, die ein Netz einholen.
Die Menschen auf der Insel Rusinga ernähren sich auch von Fisch. Hier sind die Fischer zu sehen, die ein Netz einholen. © Bianca Braun

Diese Reise werden Bianca Braun und Jörg Paulusch so schnell nicht vergessen.  Gemeinsam besuchten die Glashütter die Insel Rusinga im afrikanischen Kenia. Mit der Gemeinde ist die Uhrenstadt 2019 eine Entwicklungspartnerschaft eingegangen. Braun und Paulusch loteten bei dem Besuch aus, wie diese weitergeführt werden könnte.

Dabei lernten Bianca Braun, die das Tourismusbüro in Glashütte leitet, und Paulusch, der Stadtrat in Glashütte und Ortsvorsteher in Hirschbach ist, auch den Alltag in diesem Landstrich kennen. Und der unterscheidet sich wesentlich von dem in Deutschland, erzählt Bianca Braun. Die Menschen dort leben mit ganz, ganz wenig. Sie durfte miterleben, dass auch das auch geht. "Das war eine Art Befreiung, eine ganz tolle Lebenserfahrung", sagt die Reinhardtsgrimmaerin.

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Die Menschen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass genug Essen da ist und die Haustiere versorgt werden. Das sind die Hauptaufgaben der Frauen und Kinder. Die Männer sind oftmals Fischer. Der Chef im Dorf ist der Dan, vergleichbar mit einem Bürgermeister. "Er kümmert sich um die Verwaltungsaufgaben", erzählt sie. Ungewöhnlich war, dass die Haustiere zwischen und mit den Menschen leben. "Es ist vorgekommen, dass durch das Büro des Dans eine Kuh lief", erinnert sich Bianca Braun. "Wir mussten darauf achten, dass wir unsere Hütte abschließen, haben es aber manchmal vergessen. Wenn wir zurückkamen, lagen bei uns Ziegen und Hühner drin", so Paulusch. "Wir mussten sie erst mal heraustreiben." 

Die Bibliothek mit Licht.
Die Bibliothek mit Licht. © Bianca Braun
Blick in die Berufsschule.
Blick in die Berufsschule. © Bianca Braun
Die Kinder kommen vom Geschirrspülen in See.
Die Kinder kommen vom Geschirrspülen in See. © Bianca Braun
Der Abwasch wird gemacht.
Der Abwasch wird gemacht. © Bianca Braun

Die Glashütter haben auch den dortigen Landrat besucht und an Ratssitzungen teilgenommen. Gerade für Jörg Paulusch, der selbst kommunalpolitisch aktiv ist, waren das Erlebnisse. "Die Gemeinderatssitzungen werden vom Pfarrer moderiert, der Bürgermeister sitzt in den Reihen der Gemeinderäte." Er antwortet nur, wenn er gefragt wird. Die Glashütter Abordnung schaute sich auch das Projekt an, das die Stadt als Erstes finanziert hat - die Fotovoltaikanlage auf der Bibliothek. "Damit ist die Bibliothek das einzige Gebäude, das Strom hat und nachts erleuchtet werden kann", sagt Paulusch. Denn die Nächte sind lang. Rusinga liegt am Äquator, jeden Tag dämmert es ab 17.50 Uhr, um 18 Uhr ist es dort dunkel. Dann wird das Licht in der Bibliothek angemacht. 

Die Bibliothek wird rege genutzt - fast hauptsächlich von Kindern. Dort stehen anders als in Deutschland keine Romane und Unterhaltungsliteratur in den Regalen, sondern ausschließlich Lehrbücher. "Es ist eher eine Schulbibilothek", sagt Bianca Braun. Die Kinder, die in der Regel die Schule von der ersten bis zur achten Klasse besuchen, wissen, dass es nur einen Weg gibt, sich aus der ärmlichen Situation zu befreien, und der heißt Bildung, so Paulusch. Wer gut gebildet ist, kann auf ein Stipendium hoffen, das von dort tätigen amerikanischen Freikirchen bereitgestellt wird. 

Übergabe der Gastgeschenke - die Freude über den Fußball war riesig groß.
Übergabe der Gastgeschenke - die Freude über den Fußball war riesig groß. © Bianca Braun

Die Glashütter wollten aber auch wissen, wie sie den Menschen helfen können. Bei einem Treffen, dass die Verantwortlichen dort organisiert hatten, kristallisieren sich zwei Wünsche heraus. Zum einen möchten die Kenianer gern eine Filteranlage, mit der sie das Wasser des Victoriasees aufbereiten können, um es in Trinkwasserqualität trinken zu können. Zum anderen würden sie sich gern eine neue Berufsschule bauen. Wer die jetzige gesehen hat, versteht das, sagt Paulusch. Die ist total marode. Größere Chancen sieht er derzeit für die Trinkwasseraufbereitung. Um die zu bauen, müsste sich Glashütte aber Partner suchen, wie zum Beispiel die Hilfsorganisation Arche Noah.

Dennoch. Beide Projekte sind sehr kostspielig und würden das Budget der Stadt Glashütte übersteigen. Deshalb hat sich Glashütte einem anderen Projekt zugewandt, das wieder mit der Bibliothek zu tun hat: Denn die Afrikaner haben zwar ein schönes Gebäude, dort stehen aber nur sehr wenige Bücher. "Deshalb haben wir vorgeschlagen, neue Bücher zu kaufen", sagt Bianca Braun. Die Kenianer waren einverstanden. "Wir wollten aber, dass sie sich am Vorhaben beteiligen", sagt Paulusch. Deshalb bat er sie, Angebote einzuholen. Und das taten sie. Inzwischen wurden 8.000 Schulbücher in der Hauptstadt Nairobi bestellt.

Bianca Braun findet, dass diese Art der Zusammenarbeit eine Entwicklungspartnerschaft ausmacht. Es ist nicht nur ein Geben, sondern ein Austausch. Jede Seite erfährt, wie die anderen leben und denken. Um das zu fördern, sollte es in diesem Jahr auch einen Gegenbesuch geben. Aber wegen der Corona-Pandemie wurde dieser verschoben.  

Glashüttes Partnerregion

Die Stadt Glashütte unterstützt seit 2019 ein Entwicklungsprojekt auf der Insel Rusinga, einer Insel im Victoriasee. Diese ist 18 Kilometer lang und an ihrer breitesten Stelle 5,4 Kilometer breit. 30.000 Menschen leben hier in 1.800 Metern Höhe. Der Kontakt zu dieser  Region kam durch den in Dippoldiswalde ansässigen Verein Badilisha Rusinga Island zustande, der in der katholischen Pfarrei entstand. Der Verein hat unter anderem die Bibliothek errichtet und finanziert aber auch Schulbesuche, bietet Vorträge an und unterstützt arme Familien, die kleinere Bauernhöfe bewirtschaften, beim Kauf von Ziegen. Er stattete auch die Bibliothek aus und brachte Laptops nach Kenia.

Bianca Braun und Jörg Paulusch besuchten Rusinga vom 10. bis zum 16. November 2019 zusammen mit Stefan Graubner von der Kirchgemeinde Glashütte und Anna Herlitzius vom Verein. Finanziert wurde der Flug über das Förderprogramm des Bundes "Kleinprojektefonds kommunale Entwicklungspolitik". 90 Prozent der Gesamtreisekosten wurden gefördert.

Über ihre Ergebnisse haben Bianca Braun und Jörg Paulusch bereits einen Reisevortrag gehalten. Dieser wird demnächst wiederholt. Geplant ist das für den 14. September in Glashütte und zur Interkulturellen Woche in Schmiedeberg am 1. Oktober. 

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