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Bergamt vergibt neue Lizenz für Sadisdorf

Es beginnt der vierte Versuch, den Bergbau hier wiederzubeleben. In Zusammenarbeit mit Zinnwald sind die Voraussetzungen besser als bisher.

Professor Dr. Armin Müller, der Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH steht hier unter Tage in Zinnwald. Er will hier sowie in Falkenhain und Sadisdorf Bergwerke für Lithium aufbauen.
Professor Dr. Armin Müller, der Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH steht hier unter Tage in Zinnwald. Er will hier sowie in Falkenhain und Sadisdorf Bergwerke für Lithium aufbauen. © Thomas Kretschel/kairospress

Das Oberbergamt in Freiberg hat die Lizenz, in Sadisdorf Bodenschätze zu erkunden, neu vergeben. Das Recht liegt jetzt bei der Deutschen Lithium GmbH, wie deren Mutterkonzern, die Zinnwald Lithium plc, am Freitag in London an der Börse mitteilte. Die Deutsche Lithium war einer von zwei Bewerbern um diese Erlaubnis.

Die großen Lithium-Reserven der Region in einer Hand

Die Deutsche Lithium hat nun das Recht, fünf Jahre lang auf einer Fläche von 2,2 Quadratkilometern um die Sadisdorfer Pinge Bodenschätze zu suchen. Im Fokus der Arbeiten wird Lithium stehen, aber auch andere Rohstoffe werden genutzt, wenn sie wirtschaftlich zu gewinnen sind, wie Dr. Armin Müller, der Geschäftsführer der Deutschen Lithium sagte. Er stellt fest, dass sein Unternehmen mit der neuen Lizenz alle Lithium-Hotspots im Osterzgebirge in seiner Hand hat.

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Falkenhain und Sadisdorf sind Satelliten von Zinnwald

Die Deutsche Lithium hält in Zinnwald eine Bergbaulizenz und ist dabei, mit dem Oberbergamt einen Rahmenplan für den Betrieb eines Bergwerks auszuarbeiten. Dazu hält sie noch eine Explorationslizenz bei Falkenhain und eine im Raum Altenberg. Sadisdorf ist jetzt neu dazugekommen.

Zinnwald ist das Zentrum der Aktivitäten der Deutschen Lithium. Die anderen Satelliten-Vorkommen können dazu beitragen, die geplanten Anlagen in Zinnwald besser auszulasten und die Lebensdauer des geplanten Bergwerks zu verlängern. Insgesamt wird das Vorhaben so wirtschaftlicher. Anton du Plessis, der Geschäftsführer von Zinnwald Lithium, sagt: „Die Sadisdorf-Lizenz ist eine hervorragende Ergänzung des Unternehmens. Sie hat nach weiteren Arbeiten, die wir zu gegebener Zeit durchführen werden, das Potenzial, die Ressourcenbasis und die Lebensdauer der geplante Bergwerks- und Aufbereitungsanlage unseres Projekts zu steigern.“

Der insolventen Solarworld gehört noch die Hälfte

Zinnwald Lithium ist aber nicht alleiniger Eigentümer der Deutschen Lithium. Vor zehn Jahren hat der Solarworld-Konzern die erste Erkundungslizenz für Lithium in Zinnwald bekommen. Solarworld ist aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen und hat deswegen für das Lithiumprojekt im Osterzgebirge einen kanadischen Partner mit ins Boot geholt, der es weiter vorantrieb. Dieser wiederum konzentriert sich jetzt auf einen Lithiumabbau in Mexiko und hat seine Zinnwald-Anteile an das britisch-kanadische Unternehmen Erris Resources, das sich in der Folge zu Zinnwald Lithium umbenannte, abgegeben. Solarworld, seit seiner Insolvenz durch einen Verwalter vertreten, blieb aber zur Hälfte an dem Unternehmen beteiligt.

Versuche für die Bergwerksplanung laufen

Hier laufen derzeit Gespräche mit Investoren, damit Zinnwald Lithium diese Hälfte der Deutschen Lithium kaufen kann. Außerdem arbeitet das Unternehmen weiter am Rahmenbetriebsplan für das geplante Bergwerk. Derzeit laufen Versuche. Die Deutsche Lithium plant, das Erz in Kammern abzubauen und diese hinterher wieder mit dem restlichen Material zu füllen, das nach der Erzgewinnung übrigbleibt. „Damit stabilisieren wir das Bergwerk“, sagt Müller. Aktuell werden die Stoffe geprüft, die für diesen Versatz vorgesehen sind. Es geht vor allem darum, schädliche Einflüsse auf die Wasserströme im Untergrund zu vermeiden. Hier hofft Müller, diesen Sommer zum Abschluss zu kommen.

Das Mundloch des Kupfergrübner Stollens in Sadisdorf. Weil es hier schon ein Bergwerk gibt, können die Ressourcen in Sadisdorf leichter erkundet werden als die anderswo.
Das Mundloch des Kupfergrübner Stollens in Sadisdorf. Weil es hier schon ein Bergwerk gibt, können die Ressourcen in Sadisdorf leichter erkundet werden als die anderswo. © Egbert Kamprath

Seit 2007 wird Sadisdorf wieder erkundet

Das Erzvorkommen in Sadisdorf ist immer wieder im Blickpunkt von Bergbauinteressenten. Seit dem 15. Jahrhundert haben Bergleute hier verschiedene Metalle abgebaut, zuletzt von 1947 bis 1954 Zinnerz. Aber bei den Erkundungen nach verschiedenen Rohstoffen, die seit 2007 im Osterzgebirge wieder laufen, war Sadisdorf immer mit im Blick. 2007 hat das kanadische Unternehmen Tinco Exploration eine Lizenz für den ganzen Raum Altenberg-Zinnwald-Schmiedeberg erhalten und sich anfangs auf Sadisdorf konzentriert. Tinco hatte schon die Genehmigung für Erkundungsbohrungen in Sadisdorf, brach dann die Arbeiten aber ab und gab seine Lizenz zurück.

Seit 2017 ist Lithium wichtiger als Zinn

2013 hat das Oberbergamt eine neue Lizenz vergeben an die Tin International GmbH, ein Tochterunternehmen der Deutsche Rohstoff AG. Diese trieb die Erkundung weiter voran und gab ihnen 2017 einen neuen Schwung. Jetzt ging es vorrangig um Lithium, und Tin International nahm den australischen Konzern Lithium Australia als Partner ins Boot. Damals lief auch eine Bohrkampagne in Sadisdorf. Schließlich übernahm Lithium Australia das Projekt Sadisdorf in alleinige Regie. Jedoch haben auch die Australier es nicht auf den Punkt gebracht. Ende letzten Jahren ließen sie die Lizenz auslaufen. Tin International hatte sich jetzt auch wieder um die Lizenz beworben, aber den Zuschlag nicht erhalten.

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Vielleicht kommt in Zusammenarbeit mit dem Zinnwalder Vorhaben der Deutschen Lithium doch ein Neubeginn für den Bergbau in Sadisdorf. Armin Müller geht davon aus, dass ab 2023 Lithium auf dem Markt knapp wird. Das Metall ist ein wichtiger Bestandteil der Akkus, wie sie in heutigen Elektroautos eingesetzt werden. Da die Automobilindustrie immer stärker auf Elektroantriebe setzt, erwartet er eine stark steigende Nachfrage. Das Projekt in Zinnwald mit seiner Nähe zu der Autoindustrie in Deutschland und Tschechien hätte dafür einen günstigen Standort. „Mit Zinnwald, Falkenhain und Sadisdorf hätten wir Ressourcen für über eine Million Tonnen Lithiumkarbonat“, sagt Müller.

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