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Größte Dreherei in Ostdeutschland wächst weiter

Die Gruppe der Unternehmer Christoph Herbrig und Jakub Kleinschmidt in Bärenstein und Höckendorf investierte 2021 elf Millionen Euro. 2022 geht's weiter.

Von Franz Herz
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Schneller als erwartet hat sich die neue Werkhalle in Bärenstein, in der Christoph Herbrig hier steht, mit neuen Maschinen gefüllt.
Schneller als erwartet hat sich die neue Werkhalle in Bärenstein, in der Christoph Herbrig hier steht, mit neuen Maschinen gefüllt. © Egbert Kamprath

Als Christoph Herbrig vor Weihnachten das Werkstor abschloss, atmete er kräftig durch. "Auch die Mitarbeiter brauchen jetzt eine Pause zum Atem holen", sagt er. Denn hinter den Betrieben, der Herbrig und Co GmbH im Altenberger Ortsteil Bärenstein, und der HK Präzisionsteile GmbH im Klingenberger Ortsteil Höckendorf liegt ein anstrengendes Jahr 2021. Das hat aber die Erwartungen deutlich übertroffen.

Neue Werkhalle in wenigen Monaten ausgefüllt

Herbrig hatte in Bärenstein 2020 zwei neue Hallen gebaut. Wo früher das Heizhaus stand, auf der Rückseite des Firmengeländes, hat er eine neue Lagerhalle errichtet. Direkt an der Müglitztalstraße hat er den ehemaligen Ausstellungsraum, wo die Oldtimer des V8-Werks zu sehen war, abgebaut und auf dieser Fläche sowie dem bisherigen Hof eine neue Produktionshalle errichtet. „Und wir hatten dann geplant, diese neuen Flächen im Laufe von drei Jahren zu füllen“, erzählt der Geschäftsführer. Doch das ist viel schneller gegangen. „Wir hatten die neue Werkhalle im ersten Halbjahr 2021 gefüllt. Über 30 neue Drehmaschinen haben wir aufgestellt und knapp acht Millionen Euro investiert“, berichtet er.

Vier neue Kollegen fangen diesen Monat an

Damit entstanden auch neue Arbeitsplätze. Dafür sucht das Unternehmen laufend Mitarbeiter. Diesen Monat fangen vier Kollegen neu an. „Und wir hätten noch Platz für drei bis vier weitere“, sagt der Geschäftsführer. Dabei ist er auch offen für Quereinsteiger, die aus einem verwandten Beruf kommen.

In Höckendorf ist eine weitere Halle geplant

In Höckendorf, wo Herbrig mit seinem Partner Jakub Kleinschmidt die HK Präzisionsteile betreibt, wurden auch neue Drehautomaten aufgestellt für rund drei Millionen Euro. Hier haben die Unternehmer auch Baupläne. Auf dem jetzigen Standort soll im Jahr 2022 eine neue Halle entstehen.

40 Millionen Euro angestrebt, 43 Millionen sind's geworden

Zusammengerechnet sieht sich die Herbrig-Kleinschmidt-Gruppe als die größte Dreherei Ostdeutschlands. In vielen Bereichen arbeiten die beiden Betriebe zusammen. Beispielsweise bekommen die Lehrlinge eine gemeinsame Grundausbildung, ehe sie dann in das Unternehmen gehen, wo sie dauerhaft bleiben wollen. In der Produktion gibt es eine klare Arbeitsteilung. Bärenstein ist für die kleinen Teile zuständig. Die beginnen bei 0,5 Millimeter Durchmesser und reichen bis 41 Millimeter. Höckendorf produziert etwas größere Stücke. Hier beginnt das Spektrum bei 30 Millimeter und reicht bis 65 Millimeter.

Gemeinsam haben sie für das Jahr 2021 einen Umsatz von 40 Millionen angestrebt. Diese Marke haben sie deutlich übertroffen. Es sind 43 Millionen geworden.

Elektromobilität ist ein starker Wachstumsmotor

Es gibt zwei große Trends in der Wirtschaft, die das Geschäft der Drehereien beflügeln. Der eine ist die Digitalisierung in verschiedensten Lebensbereichen. Je mehr auch herkömmliche Maschinen digitalisiert werden, desto mehr sind auch Verbindungsteile gefragt. „Wir spüren eine starke Nachfrage aus allen Branchen“, sagt Christoph Herbrig.

Im Vordergrund steht aber die Elektro-Mobilität. Dabei geht zum einen um die Fahrzeuge, die auf den Straßen unterwegs sind. Dafür kommen beispielsweise Komponenten für das neue Laserlicht für BMW aus dem Osterzgebirge. Wenn die Industrie die Ausbauziele erreichen will, benötigt sie zum anderen eine große Menge von Ladestationen. Dort werden viele Buchsen und Stecker eingebaut. Das sind klassische Drehteile, die jetzt stark nachgefragt werden.

Gute Nachfrage, aber die Kosten steigen auch enorm

So könnten die Industriebetriebe fröhlich ins neue Jahr gehen. Aber sie spüren auch Gegenwind. „Ich sehe Gefahren für unseren Wirtschaftsstandort“, sagt Herbrig. Als Beispiel nennt er die steigenden Energiekosten. So musste sein Unternehmen rund 100.000 Euro höhere Stromkosten im Monat schlucken. Bei der Energie wie bei anderen Kostenfaktoren rechnet er mit deutlichen Erhöhungen. Auch steigt der bürokratische Aufwand durch höhere Anforderungen an die Dokumentation oder die Anforderungen des Lieferkettengesetzes.

Auch von den Kommunen würde sich der Unternehmer bessere Unterstützung wünschen. So könnte er sich an seinem Standort in Bärenstein vorstellen, neue Gewerbeflächen in der Nachbarschaft der jetzigen Betriebe zu erschließen. „Die Entwicklung der bestehenden Unternehmen zu fördern, wäre sinnvoller, als irgendwo neue Gewerbegebiete zu erschließen“, sagt der Unternehmer.