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Döbeln trauert um Reiner Weißflog

Als Tief- und Straßenbauer hat er in der ganzen Stadt und in der Region Spuren hinterlassen. Ihm widmete die Band "Zartbitter" am Samstagabend ein Lied.

Reiner Weißflog hat gern gelacht, war Pechvogel und Glückspilz zugleich.
Reiner Weißflog hat gern gelacht, war Pechvogel und Glückspilz zugleich. © privat

Döbeln. "Keine letzten Worte, kein Wiedersehen mit Dir.. Du bleibst immer in meinem Herzen", singt die Döbelner Band "Zartbitter" am Samstagabend. Das Lied widmet sie Reiner Weißflog. Der hat in seinem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt und trotzdem seinen Humor nie verloren. Jetzt ist er 82-jährig verstorben.

Ein Leben wie eine Achterbahn

Ohne etwas zu beschönigen sprach Reiner Weißflog über sein Leben, das einer Achterbahn glich. 

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Er stammte aus der Baudynastie Kneiß, das Bauhandwerk war ihm in die Wiege gelegt. 

Weißflog kam am 1.Oktober 1939 in Leipzig zur Welt, dort hatte seine Mutter in das zweitgrößte Bauunternehmen der Stadt eingeheiratet. Der Vater blieb im Krieg und als Großvater Theodor Kneiß starb, übernahm Weißflogs Mutter das Baugeschäft. 1957 war sie die erste Straßenbaumeisterin der DDR.

Sieben Jahre später legte Weißflog vor der Handwerkskammer zu Karl-Marx-Stadt seinen Meisterbrief im Baugewerbe ab. Mit Startkapital aus Großmutters Sparbüchse legte er los. 

In Döbelns Innenstadt verlegte er Pflaster in Beton und über den Winter Schlackesteine vor den Öfen im Roßweiner Schmiedewerk. Arbeit gab es genug, nur Material nicht. Da halfen Beziehungen und Döbelner Salami. Die half auch, um Ersatzteile zu besorgen und die Baumaschinen in Schuss zu halten.

Aufschwung und Insolvenz

Nach der Wende legte Reiner Weißflog richtig los. Bis zu 150 Mitarbeiter beschäftigte er, betrieb einen großen Maschinenpark. Für eine Million Mark kaufte Weißflog einen Steinbrecher, baute eine Straße bis in seinen Steinbruch am Roßweiner Nonnenberg. Eine Fehlinvestition, denn der Standort wurde nicht genehmigt.


Die Baupreise brachen ein in den 1990er Jahren, ein strenger Winter kam dazu. Er brachte das Ende. Weißflog musste 1996 Insolvenz anmelden. Trotz Schieflage hatte er es nicht fertiggebracht, die Leute zu entlassen. Ein Fehler, wie sich herausstellte, an dem er noch lange zu knabbern hatte. Mit Hilfe von Verwandten und Freunden überstand er Geschäfts- und Privatinsolvenz. Zu seiner Rente verdiente er sich im Betrieb von Sohn Sven etwas dazu.

Ein unentdeckter Herzinfarkt vor mehr als 30 Jahren und die Diagnose Lungenkrebs vor sieben Jahren haben ihn nicht von seiner Leidenschaft, den Baumaschinen und alten Fahrzeugen, trennen können.

Und er hat nie seinen Humor verloren. Anlässlich seines 80. Geburtstages erzählte er einem Reporter mit einem verschmitzten Lachen: "Im Steinbruch liegt ein Riesenstein von etwa einer Tonne. Ich will, dass er mit dem Radlader auf mein Grab gelegt wird."

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