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"Grüne Aue" als zweites Standbein für Sternekoch

Der Gasthof hat neue Besitzer. Denen gehört auch ein bekanntes Restaurant in Leipzig. Für Roßwein haben sie Pläne.

Petra und Detlef Schlegel stehen im Garten der „Grünen Aue“. Sie haben den Gasthof in Roßwein gekauft. Beide stammen aus der Region. Gastronomie soll es in dem Gasthof auch künftig geben.
Petra und Detlef Schlegel stehen im Garten der „Grünen Aue“. Sie haben den Gasthof in Roßwein gekauft. Beide stammen aus der Region. Gastronomie soll es in dem Gasthof auch künftig geben. © Dietmar Thomas

Roßwein. Er ist ein stadtbildprägendes Gebäude, ein Willkommenstor für Roßwein, zumindest für diejenigen, die aus Richtung Niederstriegis in die Muldenstadt kommen: der Gasthof „Grüne Aue“.

Seit dem 1. April hat er neue Eigentümer. Vor der Corona-Pandemie hatte Vorbesitzer Hans-Peter Benedix das Gasthaus nur noch für Skatturniere offen gehalten.

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Jetzt steht „Jürgens und Schlegel GbR“ am Klingelschild. Dahinter verbergen sich Detlef und Petra Schlegel, geborene Jürgens. Beide stammen aus der Region. Petra Schlegel ist in Döbeln geboren, ihr Mann Detlef in Roßwein – und er ist Sternekoch. In Leipzig gehört den beiden das Restaurant „Stadtpfeiffer“.

Die Kochkurse, die das Ehepaar dort anbietet, sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Erst in diesem Jahr haben sie dafür den Titel „Kochschule des Jahres“ verliehen bekommen. Das Restaurant selbst steht im deutschlandweiten Ranglisten-Verzeichnis auf Platz 49. Darauf sind Petra und Detlef Schlegel besonders stolz.

Gastlicher Ort soll bleiben

In der „Grünen Aue“ soll „der komplette Gegenentwurf“ umgesetzt werden, wie Detlef Schlegel sagt, ohne schon auf Details eingehen zu wollen. Fest steht aber, die „Aue“ – wie der Gasthof bei den Roßweinern umgangssprachlich heißt – soll ein gastlicher Ort bleiben.

Vor rund 170 Jahren ist das Gasthaus gebaut worden. „Es ist immer ein Ausflugslokal gewesen, ein Ort der Freude und mit viel Charme. Derzeit ist es nur seines Schmuckes beraubt. Aber die Leute, die das gebaut haben, haben sich dabei schon etwas gedacht“, sagt Detlef Schlegel.

Schwierige Entscheidung

Die Entscheidung, den Roßweiner Gasthof zu kaufen, sei nicht von heute auf morgen gefallen. „Wir haben sehr lange überlegt, ob wir sozusagen im Herbst unseres Lebens damit anfangen sollen“, sagt er.

Schließlich habe seine Frau dann aber im August vergangenen Jahres gesagt: „Wir sind nachhaltig, wir machen das“, erzählt der Sternekoch. Mit nachhaltig meinen die beiden, dass es ihnen wichtig ist, lieber Altes zu erhalten, anstatt Neues zu bauen. Nachhaltig ist es für sie aber auch, in ihre Heimat zurückzukehren. Der 57-Jährige erinnert sich noch sehr gut daran, dass er als Kind und in seiner Jugend in der „Grünen Aue“ zu Gast war. „Hier haben so einige Tanten und Onkel Silberhochzeit gefeiert.“

Die „Grüne Aue“ ist für den neuen Besitzer das Willkommenstor von Roßwein.
Die „Grüne Aue“ ist für den neuen Besitzer das Willkommenstor von Roßwein. © Dietmar Thomas

Für die „Grüne Aue“ hat Schlegel viele Visionen und Ideen, aber er bittet noch um etwas Zeit für tiefergehende Informationen. „Wir sind noch in der Kennenlernphase“, sagt er. An erster Stelle stehe jetzt die Bestandsaufnahme.

Fachleute wie Statiker haben sich das Gebäude angeschaut. „An der freitragenden Saaldecke muss etwas gemacht werden“, so Schlegel. Den Eingangsbereich will er gerne offener gestalten, aber das ist noch Zukunftsmusik. „Das Projekt ist für uns keine Liebhaberei“, betont Schlegel. „Es muss auch wirtschaftlich untersetzt sein, und das geht nur schrittweise.“

Kaffeegarten im Außenbereich

Wenn Roßwein auch nicht als touristischer Hotspot zu sehen sei, „gibt es hier schöne Ausflugsziele und Wanderwege in der Muldenaue oder auch im Gersdorfer Wald“. Entdeckt hat er bereits die neuen Schilder des Bergbaulehrpfades, die erst in den vergangenen Tagen aufgestellt worden sind. Deshalb sieht er auch als erstes die Ausflugsgastronomie, die er in Roßwein etablieren will – zunächst im Außenbereich. Ihm schwebt ein Kaffeegarten vor mit Öffnungszeiten am Wochenende und an Feiertagen.

Aber auch für innen hat er schon Pläne: „Das Erdgeschoss soll in jedem Fall dem Gast gehören.“ Und in den oberen Etagen könnte er sich vier Ferienwohnungen vorstellen. Nun komme es darauf an, „dass die Lokomotive richtig an Fahrt gewinnt. Wir machen schon Dampf, aber manches braucht schon noch seine Zeit.“

Vorbesitzer war 44 Jahre in der Grünen Aue

Vorbesitzer Hans-Peter Benedix hatte sein gesamtes Berufsleben in der „Grünen Aue“ verbracht. Ende 2018 verkündete er nach 44 Jahren als Gastwirt schweren Herzens an, sich zu Ruhe setzen zu wollen.

Zahlreiche Hochzeiten hat Benedix in dieser Zeit ausgerichtet und fast 1000 andere Feierlichkeiten – vom Betriebsvergnügen über die Silberhochzeit bis hin zu runden Geburtstagen. Anfangs hatte seine Mutter die Arbeiten in der Küche übernommen, später seine damalige Lebensgefährtin Erika.

Der alte Küchenofen soll erhalten bleiben, wenn auch nicht an dieser Stelle. Die Frau des Vorbesitzers hatte bis zuletzt darauf gekocht.
Der alte Küchenofen soll erhalten bleiben, wenn auch nicht an dieser Stelle. Die Frau des Vorbesitzers hatte bis zuletzt darauf gekocht. © Dietmar Thomas

Seit 2002 stand seine Frau Carmen am Herd – einem alten Küchenofen, der heute noch steht. Neu-Besitzer Detlef Schlegel will ihn als Kleinod gerne erhalten, „aber an einer anderen Position“, sagt er. Für Hans-Peter Benedix war seine eigene Hochzeit mit seiner Frau Carmen ein bleibendes Erlebnis.

Die feierte er 2010 im Saal der „Grüne Aue“ mit rund 70 Gästen. Auch für die war das Ereignis eine Überraschung, denn bis das Hochzeitspaar vor der „Grünen Aue“ vorfuhr, wussten sie über den Anlass des Festes nicht Bescheid.

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