merken
PLUS Döbeln

Kriebstein: Wohnen auf Wolke Sieben

Das Baumhaushotel an der Talsperre ist zweifelsohne etwas Besonderes. Jetzt wird noch eins draufgesetzt.

Die Wolke im Rohbau. Die Holzkonstruktion wird mit einer Kunststoffmembran umspannt. Dann wird sie freihängend in einem Baum platziert. Das Forschungsprojekt für eine energieeffiziente Leichbauweise der TU Chemnitz ist einmalig in Deutschland.
Die Wolke im Rohbau. Die Holzkonstruktion wird mit einer Kunststoffmembran umspannt. Dann wird sie freihängend in einem Baum platziert. Das Forschungsprojekt für eine energieeffiziente Leichbauweise der TU Chemnitz ist einmalig in Deutschland. © Dietmar Thomas Dietmar Thomas

Kriebstein. Architekt Stev Bringmann steht mit einem Bauplan inmitten einer futuristisch anmutenden Holzkonstruktion. „Das wird unsere neue Bücherwolke, in der man auch wohnen kann“, sagt Steffen Mäding, Chef des Baumhaushotels „Kriebelland“ an der Kriebsteintalsperre.

Wolke deshalb, weil das Baumhaus tatsächlich in Form einer Wolke in acht Metern Höhe frei in den Bäumen hängen wird. Für Halt sorgen mehrere Stahlseile. Und Bücherwolke, weil sich darin eine kleine Leihbibliothek für das Baumhaushotel befinden wird. „Eigentlich gefällt mir aber der Name ,Wolke 7‘ noch besser“, gibt Steffen Mäding zu. Deshalb sei diese Bezeichnung auch die sogenannte Arbeitsüberschrift für das Projekt. Das ist deutschlandweit einmalig und wird mit dem Titel „Insulation Textil“ unter der Leitung des Forschungsbereiches „Leichtbau im Bauwesen“ am Institut für Strukturleichtbau der TU Chemnitz umgesetzt.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Über eine Treppe zur Wolke

Zur Wolke gelangen die Gäste über eine Holztreppe und hinein durch eine Tür. Fenster werden ebenfalls eingebaut, so dass die Bewohner aus der Wolke hinaus ins Baumhausareal schauen können.

Besonders interessant ist die Beschaffenheit der Außenwand. Die besteht aus einer doppelten Membran einer speziell angefertigten Folie. Der Zwischenraum wird mit sogenannten Schüttdämmstoffen wie Aerogel, Blähglas und Perlit befüllt, erklärt Stev Bringmann von der Berliner Firma „3dtex“.

Ziel sei die Entwicklung einer wärmegedämmten Membran zur Reduzierung von Energieverlusten in der textilen Architektur, so der Architekt. Das Berliner Unternehmen hat die Membran gemeinsam mit der Firma Daedler, einem traditionsreichen Unternehmen für Spezialverarbeitungen von Planenstoffen, entwickelt. Die Firma „3dtex“ hat unter anderem die textile Überdachung der Zuschauertribüne auf dem Gelände der Dresdner Filmnächte gebaut. Bis jetzt kam das Material jedoch nur für offene Bauten und Dächer zum Einsatz.

Erstes Projekt für Innenräume

„Die Bücherwolke ist unser erstes Projekt, bei dem wir die Wirkung der Membran auf das Klima in einem Innenraum testen können“, sagt Stev Bringmann. Deshalb werden auch nach der Fertigstellung regelmäßig Messungen durchgeführt.

Die Planungen haben vor ungefähr einem Jahr begonnen. Das Forschungsprojekt beziehe sich auf den gesamten Prozess von der Planung bis zur Umsetzung und Montage. „Wir testen beispielsweise, wie sich das Dämmmittel einfüllen lässt oder wie es sich langfristig verhält“, erklärt der Architekt. Auch die bauphysikalischen Eigenschaften werden betrachtet.

Etwa Mitte April soll die Wolke an Ort und Stelle hängen. Im Juni könnten den Planungen zufolge die ersten Bewohner einziehen. Knapp vier Meter wird der Außendurchmesser des Wolken-Baumhauses betragen. Im Inneren entsteht eine Fläche von knapp sieben Quadratmetern.

Tisch wird zur Liegefläche

„In der Mitte werden ein Tisch und Stühle stehen, die zu einer Liegefläche umgebaut werden können. So ähnlich wie in einem Campingwagen“, so Baumhaus-Chef Steffen Mäding. Er freut sich, dass die TU Chemnitz sein Baumhaushotel für das Forschungsprojekt auserkoren hat. „Das, was hier entsteht, ist schon etwas Besonderes“, sagt er.

Normalerweise würden sich um diese Zeit bereits zahlreiche Gäste im „Kriebelland“ tummeln. „Wir sind ausgebucht“, sagt Steffen Mäding. „Wer zu uns kommt, plant langfristig.“

Wegen des Beherbergungsverbotes aufgrund der Corona-Pandemie dürfen die Gäste aber derzeit nicht anreisen. „Wir stehen trotzdem in den Startlöchern“, so der Hotel-Chef. „Sobald wieder Übernachtungen möglich sind, können die ersten Gäste anreisen.

Für diejenigen, die wegen Corona nicht ins Kriebelland kommen können, werde eine Lösung gefunden. „Die meisten wollen ihre Reise verschieben. Für dieses Jahr sind wir deshalb komplett ausgebucht“, so Mäding, der schon die ersten Buchungen für das kommende Jahr vorgenommen hat.

Vom Fass ins Segelschiff

Etwa ein Drittel der Gäste kommt nicht nur einmal ins Kriebelland. „Wir haben Stammgäste, die jedes Haus einmal bewohnen wollen“, so Mäding. Ihnen kann er mittlerweile fünf verschiedene Baumhäuser anbieten. Sie reichen von der neuen Bücherwolke über das Romantik-Baumhaus mit drei Etagen, die Baumhäuser „Jurte“ und „Fass“ bis hin zum Segelschiff-Baumhaus.

Gefördert wird das Projekt „Bücherwolke“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), vertreten durch die Berliner AiF Projekt GmbH, über das Förderprogramm „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM).

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln