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Bewegende Momente in der Weihnachtswelt

Die Reste der Ende Juni abgebrannten Theaterscheune sind verschwunden. An dieser Stelle soll ein Neubau entstehen. Aber nicht sofort.

Reichlich drei Monate nach dem Brand: Susann Munz dekoriert für die Eröffnung der Wundervollen Weihnachtswelt.
Reichlich drei Monate nach dem Brand: Susann Munz dekoriert für die Eröffnung der Wundervollen Weihnachtswelt. © Dietmar Thomas

Strocken. Die Macherin der Wundervollen Weihnachtswelt Susann Munz ist es eigentlich, die die Menschen begeistert und emotional berührt. Doch der 30. Juni dieses Jahres veränderte das.

An jenem Morgen stand die Theaterscheune, die zum Ensemble des Dreiseithofes gehört, in Flammen. Die Feuerwehrleute konnten die Scheune nicht retten, aber das Übergreifen des Feuers auf die angrenzenden Gebäude verhindern.

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Geliebte Schätze für immer verloren

Susann Munz wird diese Stunden nie vergessen. „Es war einfach nur schlimm“, sagt sie. Geholfen haben ihr und der Familie die mehr als 300 Mails und Nachrichten von Freunden, Bekannten aber auch von Leuten, die sie nicht persönlich kennen.

„Viele haben ihre Hilfe angeboten. Mit so viel Anteilnahme haben wir nicht gerechnet. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass man nicht allein gelassen wird“, sagt Susann Munz.

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Wichtig sei auch gewesen, dass noch während der Löscharbeiten ein Seelsorger und später Pfarrerin Maria Beyer vor Ort waren – nicht nur für die Familie, sondern auch für die Mitarbeiter, die dem Unfassbaren tatenlos zusehen mussten. Sie wussten, dass sich in der Scheune, die ganzen Möbel und der gesamte Fundus für die Wundervolle Weihnachtswelt befinden und unwiederbringlich in Flammen aufgingen.

Darunter auch die zwei Schulbänke der Großeltern von Susann Munz und die Charlotte von Mahlsdorf-Kasse. Dinge, die der Geschäftsfrau sehr am Herzen lagen.

Viele schöne Gesten helfen nach dem Unglück

„Wir haben alles gemeinsam durchgestanden. Wichtig, waren auch unsere Freunde, Mitarbeiter und die Familie“, sagte Susann Munz. Schon am späten Nachmittag, als sie das Summen der Bienen in den beiden großen Lindenbäumen auf dem Hof vernahm, habe sie gewusst, es geht weiter. Und zwei Tage später stand es fest.

Nach einer Woche wurde die erste Hochzeit auf dem Hof gefeiert, auch wenn es nicht einfach war. Gemeinsam mit ihren Freunden und dem Team sei das möglich gewesen, so Susann Munz.

„Irgendwann kommt die Zeit, in der man zum Nachdenken kommt. Dann wird einem klar, dass man Glück hatte. Glück, weil kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagte Susann Munz. Ganz im Gegensatz zu den Opfern, die das Hochwasser in diesem Jahr gefordert hat. Diese Gedanken spiegeln sich auch im Jahrestext der Wundervollen Weihnachtswelt wieder, der sich dem Motto Pech oder Glück nach einer chinesischen Weisheitsgeschichte widmet.

Susann Munz erinnert sich an viele schöne Gesten, die ihr in der schweren Zeit nach dem Brand geholfen haben. So brachte „Sprotte“, der Patenonkel der Tochter, eine alte Truhe von seinen Großeltern vorbei, damit sie in der Weihnachtswelt einen Platz findet. Auch die ehemaligen Hofbesitzer haben sich bei Familie Munz gemeldet. Sogar der Landeskirchenrat habe Hilfe angeboten. Wenn Susann Munz erzählt, ist zu spüren, wie ergriffen sie noch von allem ist. Und sie betont, dass sie froh ist, Christin zu sein und sich deshalb niemals alleine gelassen fühle.

Weihnachtswelt wieder zu bestaunen

Das wird auch in diesen Tagen sichtbar. Im und vor dem Gebäude, in dem sich die Wundervolle Weihnachtswelt befindet, ist ein emsiges Treiben zu spüren. Überall wird dekoriert, gehämmert und gebaut – eben wie in einer Wichtelwerkstatt. Noch während die letzten Reste vom Abriss der Scheune beseitigt werden, entsteht Neues. Fünf Schlemmerhütten haben nun auf dem Hof Platz gefunden – auch wegen Corona, um eine Alternative zum Weihnachtscafé zu bieten.

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In der Theaterscheune wurden vielfältige Veranstaltungen vom Zauberer über Puppenspiel bis hin zum Auftritt der Musikschüler am dritten Advent geboten. Darauf müssen die Besucher nicht verzichten. „Wir werden auf einem Teil der Fläche, auf dem die Theaterscheune stand und die nun geschottert ist, ein Theaterzelt aufbauen. Das ist für Ende Oktober geplant“, sagte Susann Munz.

Auch die Eisenbahn fährt wieder. Ein zweiter Fluchtweg wurde extra dafür gebaut. Die Wundervolle Weihnachtswelt öffnet am Sonnabend, 16. Oktober, ihre Pforten. „Wir sind bei der Gestaltung wegen des Brandereignisses etwas in Zeitdruck gekommen. Aber ich denke, wir haben wieder etwas Einmaliges geschaffen“, so Susann Munz. Sie freue sich auf jeden Fall auf die Weihnachtswelt und auf die sympathische Kundschaft.

Jeannette Weiß gehört zum Team, das ab Sonnabend, 16. Oktober, wieder die Besucher in Strocken begrüßt.
Jeannette Weiß gehört zum Team, das ab Sonnabend, 16. Oktober, wieder die Besucher in Strocken begrüßt. © Dietmar Thomas

Künftig soll wieder ein Gebäude an Stelle der Theaterscheune entstehen. „Wir haben eine gute Versicherung, die uns bei diesem Projekt begleitet. Außerdem muss dazu der Familienrat tagen“, so die Geschäftsfrau.

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Ihren Dank will sie noch einmal an die Feuerwehrleute richten. Sie wünscht sich, dass das Löschwasserproblem bald gelöst wird. Der Brand, der durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde, war nicht der erste, bei dem es fehlte. „Hätten die Feuerwehren und Bauern kein Wasser herangefahren, wäre es sicher anders ausgegangen“, so Susann Munz. Sie hofft, dass, wie von Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos) zugesagt, ein Löschwasserkissen angeschafft wird.

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