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Döbeln

Döbelner Altar leidet unter Hitze

Am berühmten Hochaltar in Döbelns Nicolaikirche reißen einige der 500 Jahre alten Heiligenbilder. Wahrscheinlich ist die Trockenheit schuld.

Das Archivfoto zeigt den Döbelner Hochaltar bei einer Führung im Jahr 2016. Schon damals waren dem Restaurator Wilfried Sitte zum ersten Mal Risse in den großen Tafelbildern der sogenannten Alltagsseite des Altars aufgefallen.
Das Archivfoto zeigt den Döbelner Hochaltar bei einer Führung im Jahr 2016. Schon damals waren dem Restaurator Wilfried Sitte zum ersten Mal Risse in den großen Tafelbildern der sogenannten Alltagsseite des Altars aufgefallen. © Dietmar Thomas

Döbelner. Der Döbelner Hochaltar ist ein bedeutendes sakrales Kunstwerk in Sachsen. Um die 500 Jahre steht er in der Nicolaikirche. Zwölf Meter hoch, reiches Schnitzwerk, Tafelbilder, die einem Schüler der Werkstatt Cranachs zugeschrieben werden.

 Der „Meister des Döbelner Hochaltars“ ist namentlich nicht bekannt und arbeitete vielleicht in Freiberg. Aber jetzt sind seine Arbeiten gefährdet. Die Hitze und Trockenheit machen nicht nur den Wäldern zu schaffen, sondern auch dem Holz bedeutender Kunstwerke. Schleichend trocknet es aus.

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Großes Tafelbild in Nicolaikriche betroffen

Wilfried Sitte hatte mit Kollegen vor fast 20 Jahren den Hochaltar einer umfassenden Restauration unterzogen. Er hat auch einen Wartungsvertrag mit der evangelischen Kirchgemeinde und inspiziert das Kunstwerk regelmäßig. 

Dabei sind ihm schon 2016 Schäden an den Holzträgern der Bilder aufgefallen, die wahrscheinlich mit dem Raumklima zusammenhängen. In einigen Bildern bilden sich Risse. Der Meister hatte seinerzeit auf Holzbretter gemalt, die quer in den Rahmen eingebaut wurden. „Die Tafeln sind fixiert und reißen“, sagt der Restaurator.

Betroffen sind die großen Tafelbilder der sogenannten Alltagsseite des Altars. Das Kunstwerk ist wandelbar. Durch Umklappen der Altarflügel kann auch eine Fastenseite mit Szenen aus der Bibel und eine Festseite mit geschnitzten Heiligenfiguren zur Schau gestellt werden.

Siebenjährige Restaurierung des Altars

„Es gibt eine langjährige Austrocknung auch in anderen Kirchenräumen. Wir stellen fest, dass Holz bewegt sich“, sagte Sitte. Wie sich dieser Umstand tatsächlich auswirkt, ist Gegenstand eines Forschungsprojektes der Otto-Friedrich-Universität Bamberg gemeinsam mit dem Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Der Döbelner Hochaltar steht dabei an der Seite anderer prominenter Kunstwerke in Sachsen, die von der gleichen Problematik betroffen sind. In Moritzburg sind es die berühmten barocken Ledertapeten – das Schloss hat den weltweit größten Bestand. Diese wurden in den letzten Jahren aufwendig saniert und zeigen erneut Schäden in Form von Schrumpfungsrissen, die auf die extremen Hitzeperioden zurückzuführen sind.

In der Kirche des Schlosses Augustusburg sind der Cranach-Altar und die Cranach-Kanzel von 1572 zwei der zentralen Ausstellungstücke. Nach siebenjähriger Restaurierung wurde der Altar unter anderem mit einer Klimabox ausgestattet, um eine Klimapufferung der Rückseite zu erreichen. Auch die Wandmalereien in der Albrechtsburg Meißen sind Objekte des Forschungsprojektes.

Klimawerte werden erfasst

Dabei wird das Klima und seine Veränderungen an den Objekten lokal erfasst. Die Daten werden auf Schadensrisiken hin ausgewertet. Außerdem wird die klimatische Umgebung an den vier Standorten verglichen. Um zusätzliche Daten zu erhalten, sind Verwalter von historischen Liegenschaften aufgerufen, sich an einer Umfrage zu beteiligen.  So soll ein möglichst breites Bild der aktuellen Lage in ganz Deutschland entstehen.

"Anhand der Ergebnisse wird das Amt für Denkmalpflege ein Sanierungskonzept für den Altar entwickeln. Dann können wir die Sanierung ausschreiben und wissen, was es kostet“, sagte Pfarrer Lutz Behrisch. Die Untersuchungen selbst kosten der Kirchgemeinde kein Geld.

Auch Risse im Mauerwerk der Döbelner Kirche

Die Hitze macht nicht nur den Kunstwerken zu schaffen. Sorgen mache der Kirchgemeinde auch die Jakobikirche. Dort werden seit einigen Jahren einige Risse beobachtet. Einer davon hat Dimensionen erreicht, die den Verantwortlichen Sorgen machen. Die Vermutung: Auch das könnte mit der Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre zu tun haben. „Die Kirchenräume heizen sich bis 26, 27 Grad auf. Das macht etwas mit den Gebäuden.“

 Behrisch vermutet, dass auch die Austrocknung des Untergrunds etwas mit den Rissen zu tun haben könnte. Die Kirche steht auf Schwemmland. Nach dem Hochwasser 2002 war der Grundwasserspiegel besonders hoch.

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