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So verlief der Großeinsatz in Berbersdorf

Bei dem Brand an der A4 wurden mehr als 2.500 Strohballen vernichtet. Die Polizei geht von Selbstentzündung aus, der Geschäftsführer von Brandstiftung.

Auch am Vormittag laufen die Löscharbeiten des Strohlagers in Berbersdorf. Das THW unterstützt die Feuerwehr mit Teleskop- und Radladern.
Auch am Vormittag laufen die Löscharbeiten des Strohlagers in Berbersdorf. Das THW unterstützt die Feuerwehr mit Teleskop- und Radladern. © Maria Fricke

Striegistal. Am Donnerstagabend ist in Berbersdorf ein Strohballenlager in Brand geraten. Gegen 20.47 Uhr wurden die Einsatzkräfte an die Unfallstelle gerufen. Bis weit in den Freitag hinein waren die Einsatzkräfte mit dem Löschen des Strohs beschäftigt. Noch am Vormittag stieg aus dem immensen Strohhaufen Rauch auf. Gelegentlich waren Flammen zu sehen.

Mit zwei Rad-, einem Teleskoplader sowie mehreren Fahrzeugen der Agrargenossenschaft Grünlichtenberg versuchten die Einsatzkräfte und Mitarbeiter der Firma am Freitag, das Stroh auf ein benachbartes Feld umzuschichten. Nur so ist es möglich, die Glutnester vollends zu löschen.

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Markus Glitz, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft, vermutet, dass das Umschichten des Strohs mehrere Tage dauern wird. Rund 2.500 bis 3.000 Strohballen seien am Donnerstagabend in Flammen aufgegangen, sagt Glitz. Der Sachschaden betrage rund 100.000 Euro. 

Selbstentzündung oder Brandstiftung?

Das Stroh sei vor knapp fünf Wochen nach der aktuellen Ernte auf den Lagerplatz gekommen. Dort sollte es eigentlich liegenbleiben und über den Winter für die Jungtiere des in der Nähe befindlichen Rinderstalls genutzt werden. „Es war der gesamte Vorrat für die Anlage hier“, so Glitz.

Das Stroh sei bereits aufbereitet, geschnitten und gehäckselt gewesen. „Es war hochwertig.“ Nun sei es nicht mehr zu gebrauchen. Am Hauptsitz der Genossenschaft in Grünlichtenberg habe Glitz noch Stroh eingelagert. Voraussichtlich bis zum Frühjahr werde er damit auch die Tiere in Berbersdorf versorgen können. Doch danach müsse er Stroh zukaufen. Woher, das ist noch unklar. Denn Stroh sei in diesem Jahr rar.

Knapp 20 mal 50 Meter misst die Fläche des Strohlagers. Rund 2.500 bis 3.000 Ballen haben dort gelegen. Der Wert: knapp 100.000 Euro. 
Knapp 20 mal 50 Meter misst die Fläche des Strohlagers. Rund 2.500 bis 3.000 Ballen haben dort gelegen. Der Wert: knapp 100.000 Euro.  © Maria Fricke
Mitarbeiter der Grünlichtenberger Agrargenossenschaft fahren das gelöschte Stroh auf das benachbarte Feld auf der gegenüberliegenden Straßenseite. 
Mitarbeiter der Grünlichtenberger Agrargenossenschaft fahren das gelöschte Stroh auf das benachbarte Feld auf der gegenüberliegenden Straßenseite.  © Maria Fricke
Doch auch aus dem gelöschten Strohhaufen steigt noch Rauch auf. 
Doch auch aus dem gelöschten Strohhaufen steigt noch Rauch auf.  © Maria Fricke
Das Strohlager befindet sich nur wenige Meter neben den Sanitär- und Stallgebäuden der Agrargenossenschaft Grünlichtenberg. Diese hat am Standort junge Rinder im Stall stehen. 
Das Strohlager befindet sich nur wenige Meter neben den Sanitär- und Stallgebäuden der Agrargenossenschaft Grünlichtenberg. Diese hat am Standort junge Rinder im Stall stehen.  © Maria Fricke
Auch am Freitagvormittag ist die Rauchsäule weithin sichtbar. 
Auch am Freitagvormittag ist die Rauchsäule weithin sichtbar.  © Maria Fricke
Zwei Radlader des THW sind in Berbersdorf. Sie schichten das Stroh um und verladen es auf Traktoranhänger. Diese fahren das Stroh auf das benachbarte Feld.
Zwei Radlader des THW sind in Berbersdorf. Sie schichten das Stroh um und verladen es auf Traktoranhänger. Diese fahren das Stroh auf das benachbarte Feld. © Maria Fricke

Am frühen Freitagnachmittag informierte die Polizei in einer Mitteilung, dass sich das Strohlager nach bisherigen Erkenntnissen selbst entzündet hat. Das zumindest sei der Eindruck der Brandursachenermittler, die am Freitag am Brandort gewesen waren. Glitz selbst sprach von Brandstiftung. „Dafür gibt es auch Zeugen.“

Löschwasserversorgung vor Ort gesichert

Vor knapp drei Jahren stand schon einmal ein Strohlager der Agrargenossenschaft in Flammen, damals nahe der Milchviehanlage in Grünlichtenberg. Auch damals ist von Brandstiftung ausgegangen worden. Der Schaden im Juli 2017 wurde auf rund 10.000 Euro geschätzt, und war damit deutlich geringer als bei dem aktuellen Vorfall. Ein Verursacher sei damals nicht ermittelt worden, sagte Glitz.

Die Südstraße in Berbersdorf war am Freitag während des Einsatzes weiter voll gesperrt. Alle Wehren der Striegistaler Gemeindewehr waren im Einsatz gewesen. Am Vormittag hatte es einen Schichtwechsel gegeben. Frank Dombrowe hatte die Einsatzleitung übernommen. Gegen 8 Uhr am Freitag war etwa die Hälfte des Strohlagers bereits auf das benachbarte Feld umgesetzt worden, schätzte Dombrowe. 

Vier Helfer des Kreisverbandes Döbeln-Hainichen des Deutschen Roten Kreuzes waren am Freitagvormittag vor Ort. Sie hatten eine Stärkung für die Kameraden dabei.
Vier Helfer des Kreisverbandes Döbeln-Hainichen des Deutschen Roten Kreuzes waren am Freitagvormittag vor Ort. Sie hatten eine Stärkung für die Kameraden dabei. © Maria Fricke

Immer wieder kämpften sich die Radlader des Technischen Hilfswerks in den hohen, qualmenden Strohhaufen. Sie füllten die Schaufeln mit Stroh, während die Feuerwehrmänner durchgehend Wasser auf das Stroh spritzen. Abgelöschtes Stroh wurde auf Traktoranhänger umgeladen und auf das benachbarte Feld gefahren.

Die Löschwasserversorgung vor Ort ist zumindest für Freitag gesichert, sagte Frank Dombrowe. „Wir haben das Glück, dass es direkt neben der Einsatzstelle ein Regenrückhaltebecken gibt“, erklärte der Einsatzleiter und Kamerad der Ortsfeuerwehr Naundorf. 

THW Döbeln unterstützt mit Radladern bei Löscharbeiten

Zur Not könnte auch das Rückhaltebecken bei Edeka im nahe gelegenen Gewerbegebiet genutzt werden. Dafür wäre jedoch eine längere Schlauchverbindung erforderlich gewesen. Dazu bestand jedoch kein Anlass.

Am Rand der Einsatzstelle hatten Mitglieder des Kreisverbandes Döbeln-Hainichen des Deutschen Roten Kreuzes eine Versorgungsstelle für die Einsatzkräfte aufgebaut. Sie hatten für die Helfer, die bis zum Vormittag im Einsatz gewesen sind, Frühstück dabei. „Neun Personen des DRK waren in der Nacht hier, jetzt sind es noch vier“, sagt DRK-Kreisbereitschaftsleiter René Illig am Freitagvormittag.

Das DRK war zudem für die medizinische Versorgung der Kameraden zuständig. Bisher wäre dies jedoch noch nicht notwendig gewesen. Sollte es erforderlich sein, sollte es auch bei den Vertretern des DRK gegen Mittag noch einmal einen Schichtwechsel geben.

Bei dem Löscheinsatz in Berbersdorf wurden die örtlichen Kameraden der Feuerwehr von den Kräften des Technischen Hilfswerks unterstützt. In der Nacht waren acht Mann aus dem Bereich Freiberg im Einsatz gewesen. 

Am Vormittag hatten Mitglieder des Döbelner THW übernommen, wie Michael Gromer vom THW-Ortsverband Döbeln sagte. Maximal sechs Stunden am Stück könnten die Einsatzkräfte ausharren. Etwa alle zwei Stunden wurden die Fahrer in den Radladern gewechselt. 

Atemschutz war für die Fahrer am Freitagvormittag nicht notwendig. Die Kabinen der Rad- und Teleskoplader schützten sie ausreichend vor dem Rauch. „Die Fahrzeuge könnten aber auch mit schwerem Atemschutz bedient werden“, sagte Gromer.

Region Döbeln: Dritter Großeinsatz in einer Woche

Knapp 80 Einsatzkräfte waren in der Nacht im Einsatz, um den Brand zu löschen. Laut Holger Poppe, stellvertretender Gemeindewehrleiter im Striegistal, stand das Lager mit einem Ausmaß von 20 mal 50 Metern beim Eintreffen der Kameraden in Vollbrand. 

Für die benachbarten Stall- und Sozialgebäude habe jedoch keine Gefahr bestanden. Personen und Tiere kamen nicht zu Schaden, informierte die Polizei. Durch den Rauch war es jedoch zeitweise auf der nahegelegenen Autobahn 4 zu Sichtbehinderungen gekommen.

Das Technische Hilfswerk half mit zwei Radladern. 
Das Technische Hilfswerk half mit zwei Radladern.  © Erik-Holm Langhof
Als die Kameraden an der Einsatzstelle ankamen, stand das offene Strohballenlager in Vollbrand. 
Als die Kameraden an der Einsatzstelle ankamen, stand das offene Strohballenlager in Vollbrand.  © Erik-Holm Langhof
Jedes Fahrzeug wurde für die Löscharbeiten benötigt. 
Jedes Fahrzeug wurde für die Löscharbeiten benötigt.  © Erik-Holm Langhof
Alle Wehren der Gemeinde Striegistal waren im Einsatz. Vor Ort waren Kameraden aus Etzdorf, Berbersdorf, Böhrigen und Marbach. 
Alle Wehren der Gemeinde Striegistal waren im Einsatz. Vor Ort waren Kameraden aus Etzdorf, Berbersdorf, Böhrigen und Marbach.  © Erik-Holm Langhof
Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes sichern die medizinische Betreuung an der Einsatzstelle ab. 
Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes sichern die medizinische Betreuung an der Einsatzstelle ab.  © Erik-Holm Langhof
Das qualmende Stroh wird permanent mit Wasser bespritzt. 
Das qualmende Stroh wird permanent mit Wasser bespritzt.  © Erik-Holm Langhof

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Dieser Artikel ist am Freitag, 16.30 Uhr, aktualisiert worden. 

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