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Döbelner Medienprojekt vor dem Aus

Die Landesmedienanstalt stellt die Finanzierung des Bildungsprojektes SAEK ein. Die Medienpädagogen hoffen trotzdem, dass es weitergeht.

Johannes Gersten und Vivien Schuhknecht haben 2018 mit ihrer Arbeit beim SAEK mobil begonnen. Von Döbeln aus bedienen sie die „weißen“ Flecken in Sachsen, denn die anderen Standorte des „Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle“ befinden
Johannes Gersten und Vivien Schuhknecht haben 2018 mit ihrer Arbeit beim SAEK mobil begonnen. Von Döbeln aus bedienen sie die „weißen“ Flecken in Sachsen, denn die anderen Standorte des „Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle“ befinden © Jens Hoyer

Döbeln. Seit zweieinhalb Jahren betreiben Vivien Schuhknecht und Johannes Gersten als Mitarbeiter des SAEK mobil von Döbeln aus Medienbildung. Sie bringen jungen Leuten den Umgang mit und die Möglichkeiten von modernen Medien bei, produzieren mit ihnen Filme und stellen sie ins Netz, beteiligen sich an Projekten gegen Mobbing. Sie unterweisen auch Eltern, wie sie den Medienkonsum ihrer Sprösslinge kontrollieren. Und sie bringen Lehrern bei, wie sie die Digitaltechnik für den Unterricht nutzen können. Jetzt steht das Projekt vor dem Aus. Die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) will die Finanzierung der SAEK in ganz Sachsen einstellen. Die „Sächsischen Ausbildung- und Erprobungskanäle“ gibt es seit 20 Jahren.

1,5 Millionen Euro pro Jahr

Es geht um 1,5 Millionen Euro im Jahr. Bisher hatte die SAEK-Förderwerk gGmbH als Auftraggeber der SAEK-Standorte fungiert. Einige der Gesellschafter hätten, auch aufgrund der Corona-Pandemie, ihre Gesellschafterstellung vertragsgemäß gekündigt, so Markus Heinker, Präsident des Medienrates der SLM. Trotz intensiver Bemühungen habe die ehemalige Geschäftsführerin des SAEK-Förderwerks keine neuen Gesellschafter gewinnen können. Aus rechtlichen Gründen müsse die Gesellschaft Mitte 2021 ihre Tätigkeit einstellen.

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Nicht einstellen will die Landesmedienanstalt die Vermittlung von Medienkompetenz, denn dafür hat sie einen Auftrag. Nur soll das mit anderen Strukturen und Zielsetzungen passieren. Den Schwerpunkt sieht Heinker mehr bei der Erwachsenenbildung. „Der Bedarf an Medienkompetenzförderung bei jenen, die mit digitaler Technik und Medien nicht groß geworden sind, wird als mindestens ebenso groß erachtet, wie bei Kindern und Jugendlichen“, so Heinker.

Mahnung vom Rechnungshof

Der Sächsische Rechnungshof habe angemahnt, dass aufgrund dieser gesetzlichen Aufgabenzuweisung die schulischen Maßnahmen aus staatlichen Mitteln und nicht in erheblichen Umfang aus dem Rundfunkbeitrag finanziert werden. Zudem soll die Medienförderung mehr in die Fläche gehen, und nicht auf einzelne Städte konzentriert werden.

Die SAEK gibt es an neun Standorten. vor allem in größeren Städten. Das SAEK mobil in Döbeln war 2018 deshalb ein ganz neuer Ansatz. Vivien Schuhknecht und Johannes Gersten bedienen die weißen Flecken zwischen den großen Städten. Sie gehen zu den Leuten, statt umgekehrt. „Wir hoffen sehr, dass wir das weitermachen dürfen. Es wäre sehr schade, wenn diese etablierten Strukturen im Nichts verschwinden würden“, sagte Vivien Schuhknecht. Das SEK mobil ist an etwa 140 Tagen im Jahr auf Achse. Unter anderem gehen Schuhknecht und Gersten in Behinderteneinrichtungen. „Wir hatten auch Projekte mit der Caritas in Döbeln“, sagte Schuhknecht.

Schwerpunkt Erwachsenenbildung

Derzeit wird die Arbeit allerdings sehr durch Corona behindert. Nur die berufliche Aus- und Weiterbildung sei unter Einhaltung der Corona-Regeln derzeit möglich, so Schuhknecht. Als Alternative hat das SAEK digitale Fortbildungsformate entwickelt. „Webinare“ werden zu vielen Themen rund um die Arbeit mit Medien angeboten. In den knapp drei Jahren Medienarbeit sei das Gewicht auch immer mehr in Richtung Erwachsenenbildung verschoben worden, sagte Schuhknecht. Beim SAEK mobil mache sie etwa 50 Prozent aus.

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Eigentlich passt die Arbeit des SAEK mobil zur Strategie der Landesmedienanstalt. „Es ist ein wesentliches Ziel der künftigen Medienkompetenzvermittlung der SLM dafür zu sorgen, dass Sachsen flächendeckend mit regional verankerten Angeboten versorgt wird“, so Medienratspräsident Heinker auf Anfrage. „Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sich die Versorgung im Landkreis Mittelsachsen verbessern wird. Die konkrete Ausgestaltung wird gerade in den Gremien der SLM diskutiert und soll noch in diesem Jahr beschlossen werden.“

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