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Doppelter Schicksalsschlag für Döbelner Paar

Erst brennt ihr Weihnachtsbaum ab. Eine Woche später wird seine Wohnung durch eine Explosion verwüstet. Der Schock sitzt noch immer tief.

Von Cathrin Reichelt
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Gabriela Hanke und Heiko Riedel stehen in dem Zimmer, in dem der Weihnachtsbaum brannte. Die Decke ist entfernt, die Fenster sind gesprungen, die Heizung ist rußgeschwärzt.
Gabriela Hanke und Heiko Riedel stehen in dem Zimmer, in dem der Weihnachtsbaum brannte. Die Decke ist entfernt, die Fenster sind gesprungen, die Heizung ist rußgeschwärzt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Mit ihr werde es nie langweilig, hat die große Tochter zu ihrer Mutter gesagt. Doch das war eher ironisch gemeint. Denn zurzeit lebt Gabriela Hanke mit der 17-Jährigen und deren acht Jahre alten Schwester in einem Ausweichquartier. Nach einem Feuer am 27. Dezember ist die Wohnung der kleinen Familie an der Ritterstraße unbewohnbar.

Sie hatten gemütlich im Wohnzimmer gesessen, als die 17-Jährige plötzlich sagte: „Der Baum brennt.“ Mit Decken habe sie versucht, das Feuer zu löschen. Das habe sich aber zu schnell ausgebreitet, erzählt Gabriela Hanke. Und die Aufregung ist ihr noch immer anzumerken.

Schnell habe sie mit den Kindern das Wohnzimmer verlassen und dessen Tür geschlossen. „Dann haben wir die Wohnungstür nicht aufbekommen. Es hatte sich schon ein Unterdruck gebildet und ich habe realisiert, dass wir in Kürze keinen Sauerstoff mehr gehabt hätten“, erzählt die 44-Jährige. Mit enormer Kraftanstrengung habe sie es dann doch geschafft, die Tür zu öffnen.

Ruß zieht in jede Ritze der Wohnung

Dann sei alles ganz schnell gegangen: die Nachbarn informieren, nach unten laufen und die Feuerwehr anrufen. „Zum Glück haben die Teenager heute immer das Handy dabei“, meint Gabriela Hanke. Ihres habe im Wohnzimmer gelegen. Sie sei barfuß aus der Wohnung gelaufen und habe sich kurzerhand Arbeitsschuhe des Nachbarn übergezogen.

Ursache für den Brand war vermutlich ein Defekt an der elektrischen Baumbeleuchtung. Diese stammte noch aus DDR-Zeiten und von Gabriela Hankes Oma. „Die Zapfenform der Lichter hat uns besser gefallen als unsere moderne Beleuchtung“, begründet die Sozialpädagogin, weshalb sie sich für diese Beleuchtung entschieden hatte.

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Die Feuerwehrleute haben nach dem Löschen der Flammen die Wohnung belüftet. Dadurch ist der Ruß in alle Zimmer und in jede Ritze gezogen. „Kleidung und Geschirr können wir reinigen, aber die Möbel müssen wir alle ersetzen“, sagt Gabriela Hanke.

Verloren sind auch die Weihnachtsgeschenke, die noch unter dem Baum lagen, und Erinnerungsstücke, die die Kinder gebastelt hatten. Die Hand- und Fußabdrücke, die nach der Geburt der Kinder angefertigt wurden, sind schwarz. „Aber die werde ich behalten“, so Gabriela Hanke.

In einer Wohnung an der Ritterstraße hatte am 27. Dezember ein Weihnachtsbaum Feuer gefangen.
In einer Wohnung an der Ritterstraße hatte am 27. Dezember ein Weihnachtsbaum Feuer gefangen. © Dietmar Thomas
Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen.s
Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen.s © Dietmar Thomas
Fast alles, was in der Wohnung stand, ist unbrauchbar.
Fast alles, was in der Wohnung stand, ist unbrauchbar. © privat

Sie ist sehr dankbar, dass Sven Weißflog ihr ganz unkompliziert ein Zimmer im benachbarten Hostel des KL17 zur Verfügung gestellt hat. So ist der Weg bis zur Wohnung nicht weit. Die wird bereits renoviert. Trotzdem sind noch Spuren des Feuers zu sehen. Die Fensterscheiben im Wohnzimmer sind gesprungen und die Heizung ist rußgeschwärzt. „Wir hoffen, dass wir im März wieder einziehen können“, so die zweifache Mutter.

Silvester hat sie mit den Kindern und ihrem Lebensgefährten Heiko Riedel im Hostel gefeiert und sich von Mira aus das Feuerwerk angesehen. Und an diesem Tag waren sie überzeugt: Schlimmer kann es nicht kommen.

Anblick macht Paar fassungslos

Doch genau eine Woche nach dem Brand erhielt Gabriela Hanke von ihrem völlig aufgelösten Lebensgefährten einen Anruf. Am 3. Januar wurde der Metallbauer nach der Arbeit vor seiner Haustür an der Schillerstraße von Polizei und Feuerwehr empfangen, die ihn nicht in die Wohnung ließen.

Kurz zuvor hatte es in dem Haus eine Explosion gegeben. Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass an der Gastherme in der Erdgeschosswohnung manipuliert wurde.

An diesem Tag durfte er noch nötige Medikamente und Unterwäsche aus der Wohnung holen, die zwei Etagen über der Explosionswohnung liegt. „Ich konnte es nicht fassen“, erklärt Heiko Riedel seine Gedanken bei dem Anblick, der sich ihm bot. Vom Türblatt der Wohnungstür existiert nur noch der Rahmen. Überall in der Wohnung liegen große Splitter herum.

Ob und was von seinem Eigentum beschädigt wurde, weiß er nicht. Der 48-Jährige durfte inzwischen nur noch einmal kurz in die Räume zurück, um Kleidung zu holen. Er war erst drei Monate zuvor in die Wohnung eingezogen. „Durch einen Fremden ist dein privater Rückzugsort beschädigt worden“, sagt er noch immer fassungslos.

Eine Explosion erschütterte am 3. Januar ein Haus an der Schillerstraße.
Eine Explosion erschütterte am 3. Januar ein Haus an der Schillerstraße. © Dietmar Thomas
Die Exploion ereignete sich in einer Erdgeschosswohnung und wurde wahrscheinlich durch eine manipulierte Gastherme verursacht.
Die Exploion ereignete sich in einer Erdgeschosswohnung und wurde wahrscheinlich durch eine manipulierte Gastherme verursacht. © Dietmar Thomas
Zwei Etagen über der Verursacherwohnung ist von der Wohnungseingangstür nur der Rahmen des Türplattes übrig geblieben.
Zwei Etagen über der Verursacherwohnung ist von der Wohnungseingangstür nur der Rahmen des Türplattes übrig geblieben. © privat

Heiko Riedel wohnt vorübergehend im Hotel Bavaria. „Ich habe aber eine neue Wohnung in Aussicht“, sagt er. Sein Vermieter Wolfgang Müller habe sich sofort gekümmert und Ersatz angeboten. Wann und wie ein Umzug möglich ist, steht allerdings noch nicht fest. Das Haus an der Schillerstraße ist weiter gesperrt. Für die kommende Woche sind Untersuchungen durch einen Statiker angekündigt.

Therapeutische und finanzielle Hilfe

„Wir sind dankbar, dass wir alle vier körperlich unversehrt davongekommen sind“, sagt Gabriela Hanke. Allerdings sei die psychische Belastung sehr groß. Um das Geschehen zu verarbeiten, hole sie sich und für die Kinder Unterstützung von einem Traumatherapeuten.

Was finanziell auf Gabriela Hanke und Heiko Riedel zukommt, ist noch nicht absehbar. Aber leicht werde es sicher nicht. Allein für die Möbel habe sie rund 20.000 Euro ausgerechnet. Und Heiko Riedel hatte für seine neue Wohnung noch keine Versicherung abgeschlossen. „Das wollte ich in den ersten Tagen des neuen Jahres tun“, sagt er.

Die beiden sind sich sicher, dass sie diesen doppelten Schicksalsschlag bewältigen werden. Eine Freundin hat dafür eine ganz spezielle Unterstützung initiiert. Sie hat im Internet zu einer Crowdfunding-Aktion aufgerufen. Über diese wird Geld für das Paar gesammelt. Sie selbst hätten das nicht getan, sie seien aber für jeden Euro sehr dankbar, sagen die beiden.