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Döbeln

Fasziniert von Steinen

Matthias Strey ist Geo-Ranger. Dabei haben es dem Görlitzer besonders die Supervulkane in der Region Döbeln angetan.

Geo-Ranger Matthias Strey ist in Görlitz Zuhause. Trotzdem ist er jetzt oft in der Döbelner Region – speziell in Leisnig unterwegs.
Geo-Ranger Matthias Strey ist in Görlitz Zuhause. Trotzdem ist er jetzt oft in der Döbelner Region – speziell in Leisnig unterwegs. © Nikolai Schmidt

Leisnig/Görlitz. Matthias Strey ist fasziniert von Landschaften, die ein abwechslungsreiches Profil haben – und von Steinen. In der Leisniger Region findet er beides.

Der 31-Jährige ist Geo-Ranger. Die Ausbildung hat er vor Kurzem beim Verein Geopark Porphyrland absolviert, zu dem Leisnig gehört. Durch Corona hat der Lehrgang etwas länger als das vorgesehene halbe Jahr gedauert. Während dem hat der junge Mann auch den Leisniger Porphyr kennengelernt.

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Porphyr wechselt seine Farbe

„Neben dem Quarzporphyr, dem Pyroxenporphyr und dem Rochlitzer Porphyr ist der Leisniger sozusagen das vierte Rad am Wagen“, so Strey. Der Leisniger Porphyr ist regional begrenzt und erstreckt sich zwischen Colditz und Döbeln. 

Das Besondere sind die Farben. „An der Burg Mildenstein ist er rötlich, nach Osten hin wird er violett“, erklärt Strey. Insgesamt habe der Leisniger Porphyr vier verschiedene Farben und unterschiedliche Strukturen. Er wurde unter anderen für den Bau der Burg und des Klosters Buch verwendet.

Viel laufen, draußen sein, das ist der Grund, warum Matthias Strey die Geo-Ranger-Arbeit so liebt. „Und ich kann damit Leute animieren, rauszugehen, sich zu bewegen.“ Dabei geologische Sehenswürdigkeiten entdecken, das will er auch in Leisnig. Dort bietet er am Sonntag zum Tag des Geotops die erste Führung zum Leisniger Porphyr an.

„Dabei wollen wir uns zwei Standorte anschauen. Und die liegen sechs Kilometer auseinander“, sagt Matthias Strey. Der Weg dazwischen führt oberhalb der Mulde auf dem Rüdersteig entlang. Eindrucksvoll sei, „wie der Porphyr die Mulde durchschlägt“. Neben den geologischen Höhepunkten auf der Strecke weist Strey auch auf das Naturschutzgebiet hin, „das einen besonderen Wert für die Allgemeinheit hat“.

Die Geschichte dahinter suchen

Der Geo-Ranger stammt aus Görlitz, ist dort am Augustum-Annen-Gymnasium zur Schule gegangen. Das naturwissenschaftliche Interesse, erzählt er, war immer schon da. Danach hat er an der TU in Freiberg Geologie studiert. Für dieses Fach sei Sachsen eine gute Region Der Freistaat biete eine große Vielzahl an Geotopen.

„Mich interessiert immer die Geschichte dahinter“, sagt Matthias Strey. Die ist meist viele Millionen Jahre alt. Störungen im Gestein, Falten, Klüfte – wann sind sie entstanden und warum? „Wo kommen bestimmte Strukturen im Gestein her, warum sind diese Klüfte parallel, wie lässt es sich einordnen – mich interessiert das total.“ 

Steine als die Einzigen, die etwas erzählen können von Zeiten, für die es sonst keine Zeugen gibt. Aber nicht nur darum geht es in der Geologie, sondern auch ums Heute.

Hydrologie ist ein Herzensthema

Beruflich würde Matthias Strey gerne in die Hydrogeologie gehen. Nachhaltige Wasserversorgung ist ihm ein Herzensthema. „Wir sind völlig daran gewöhnt: Wir machen den Wasserhahn auf und es kommt Trinkwasser heraus.“ Und es fällt schnell auf, wenn etwas mal nicht stimmt. „In vielen anderen Ländern sind die Rohrleitungen dagegen marode – falls sie überhaupt vorhanden sind.“

Derzeit bewirbt sich Matthias Strey um eine Stelle in der Hydrogeologie. Und er musste sich beim Probearbeiten auch schon mal die Frage anhören, ob er mit seiner schmalen Gestalt überhaupt Rohre verlegen könnte. 

„Ich hätte es schon ganz gerne versucht“, erzählt er mit einem Schmunzeln. „Natürlich kann Erdbau in der Hydrogeologie dazugehören, zum Beispiel in der Wasserwirtschaft.“ Sein Traumjob wäre einer in der Wasserüberwachung: Wasserproben nehmen und auswerten.

Der Leisniger Porphyr wurde beim Bau der Burg Mildenstein verwendet.
Der Leisniger Porphyr wurde beim Bau der Burg Mildenstein verwendet. © Archiv/André Braun

Bis es klappt, ist er jetzt häufiger in der Region Döbeln zu finden. Denn seine Ausbildung zum Geo-Ranger hat er trotz der Verlängerung inzwischen abgeschlossen. Und damit kann er Exkursionen für Gäste anbieten. Nicht nur Geologen auch andere können diese Ausbildung absolvieren – ohne scheint sie aber nicht zu sein. 

Denn es geht um eine spezielle Geologie: So entsteht Porphyr, altgriechisch für Purpur, durch riesige, explosive Vulkanausbrüche. „Supervulkan nannte man das“, erklärt Matthias Strey. Und von denen gab es vor 290 Millionen Jahren in dem Gebiet rund um das heutige Leisnig – von Grimma über Colditz und Rochlitz bis Döbeln und Oschatz – jede Menge.

Naturschutz ist wichtiger Punkt

Die Bodenökologie gehört dazu. „Wir haben beispielsweise Bodenbestimmungen gemacht.“ Um Rechtliches ging es. Welche Gebiete darf man überhaupt betreten? „Naturschutzrecht war ein wichtiger Punkt.“ 

Und die Kulturentwicklung der vergangenen hundert bis tausend Jahre. Dazu zählt auch die Industriekultur, erklärt er. Welche Steine und Erden wurden zu welcher Zeit abgebaut? „Das ist schon eine besondere Ecke für mich“, so Matthias Strey.

Am Sonntag zeigt er allen, die mitgehen wollen, den Leisniger Porphyr. Rund vier Stunden wird die Tour dauern, die auch zum Mildenstein und der Maylust führt.

Tag des Geotops: 20. September, 9.30 bis etwa 13.30 Uhr, Treffpunkt: Parkplatz an der Mulde, Döbelner Straße in Fischendorf. Kosten sechs Euro.

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