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Frost lässt die Obsternte mäßig ausfallen

Das dritte Jahr in Folge ist die Obstland Dürrweitzschen AG mit den Ernteergebnissen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Für Leisnig lief‘s besser.

Auf den Feldern in und um Sornzig haben Thomas Arnold und seine Obstland-Kollegen bereits Heizgeräte eingesetzt, um Obstblüten vor Frostschäden zu schützen. Auch andere Schutzvorkehrungen wurden getroffen.
Auf den Feldern in und um Sornzig haben Thomas Arnold und seine Obstland-Kollegen bereits Heizgeräte eingesetzt, um Obstblüten vor Frostschäden zu schützen. Auch andere Schutzvorkehrungen wurden getroffen. © Archiv: Dietmar Thomas

Dürrweitzschen/Leisnig. Die Erntesaison 2020 bei der Obstland Dürrweitzschen AG ist abgeschlossen. Mit konkreten Zahlen kann Vorstand Jan Kalbitz zwar noch nicht aufwarten. Trotzdem weiß er schon: „Mit den Ergebnissen bleiben wir im dritten Jahr in Folge hinter unseren eigenen Erwartungen zurück.“

Als einen Grund für die geringeren Ernteerträge nennt Kalbitz die Fröste, die die Obstbauern während der Eisheiligen im Mai überrascht hatten. Wegen des milden Winters seien die meisten Bäume zu diesem Zeitpunkt bereits in einer aktiven Phase gewesen, sodass der Frost wirklich Schaden anrichten konnte, „sowohl was die Qualität als auch die Menge betrifft“.

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Harnwegsinfektionen können Wohlbefinden und Lebensqualität erheblich einschränken. Frauen sind davon etwa viermal häufiger betroffen als Männer.

Trotz allem: Relativ gut ausgesehen hat es im zurückliegenden Erntejahr für die Leisniger Obstland-Tochter, die Obstgarten GmbH. Nach einem katastrophalen Jahr 2018 – ein Unwetter mit Hagel im Juni hatte fast die gesamte Obsternte im Raum Leisnig zunichte gemacht – „konnten in dieser Region wieder gute Ernteergebnisse erzielt werden“, bescheinigt der Vorstand.

Spätere Äpfel richtig schön süß

Beim Lieblingsobst der meisten Deutschen – dem Apfel – sind die Früchte der frühen Sorten relativ klein ausgefallen. Ihnen fehlte ab und an Regen. Davon gab es dann im Jahresverlauf mehr, sodass die späteren Sorten an Größe, aber unter idealen Bedingungen ebenfalls an Süße zugelegt haben. „Das wurde uns auch von den Kollegen in der Kelterei bestätigt“, sagt Jan Kalbitz.

Mit dem Abschluss der Apfelernte sind die meisten Erntehelfer jetzt auch nach Hause zurückgekehrt. „Ein paar wenige Saisonkräfte sind noch dort im Einsatz, wo Rodungen anstehen, alte Bäume durch junge ersetzt werden“, so der Obstland-Vorstand. Um die 500 Helfer seien noch Ende Oktober im Einsatz gewesen.

Mehr Aufwand mit weniger Helfern

Deren Einsatz in diesem Jahr war wegen der Corona-Pandemie zunächst fraglich. Die ersten, die auf den Erdbeerfeldern halfen, hat die Obstland mit einem gecharterten Flugzeug einfliegen lassen. „Die Helfer, die später zur Kernobsternte kamen, reisten auf dem Landweg ein“, berichtet Jan Kalbitz.

Um unter Corona-Bedingungen arbeiten und ernten zu können, musste nicht nur ein Hygienekonzept her, sondern auch bei der Unterbringung der Erntehelfer einiges anders werden als lange Zeit praktiziert. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

In den Gemeinschaftsunterkünften durften weniger Männer und Frauen leben. „Es gab Jahre, in denen hatten wir bis zu 800 Saisonkräfte“, vergleicht er. Also mehrere hundert mehr.

Neben einem höheren bürokratischen Aufwand hat Corona der Obstland Dürrweitzschen AG auch höhere Produktionskosten beschert. Diese auf die Verbraucher umzulegen, ist dem Vorstand zufolge keine Option. Dafür lasse der Handel keinen Spielraum. Wegen des Virus wird sächsisches Obst also nicht teurer.

Gegen Hagel helfen "Donner" und Netze

Um die Ertragsseite zu stärken, überlegt der Konzern Kalbitz zufolge, wie sich die Anbaubetriebe besser gegen Wetterkapriolen wappnen können. Selbstredend können die Landwirte nicht für anbaufreundliches Wetter sorgen, dafür aber für Rahmenbedingungen. So pflanzt Obstland seit Jahren schon neue Birnenbäume nur dort, wo sie diese auch bewässern kann. Das ist gerade in den trockenen Sommern wichtig, wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat.

Um Hagelschäden vorzubeugen, setzten verschiedene Töchter der Obstland Hagelschutzkanonen ein. Obwohl diese in der Bevölkerung nicht unumstritten sind, weil sie den nächsten Nachbarn manche Nacht den Schlaf rauben und zumindest gefühlt die eine oder andere Regenwolke vertreiben, macht sich deren Einsatz bemerkbar. Das Obst weist weniger Hagelschäden auf. Deshalb greift die Obstland AG in mehreren Plantagen auch im Raum Leisnig außerdem auf Hagelnetze zurück.

Wie sind Frostschäden zu vermeiden?

Nun geht es Kalbitz zufolge um Möglichkeiten, Frostschäden wie in dieser Saison vorzubeugen. In Minkwitz etwa werden die Erdbeerpflanzen in Folie „eingepackt“ und in den Zelten wenn nötig auch geheizt. In verschiedenen Obstplantagen bei Mügeln haben die Obstbauern in kalten Nächten bereits Erfahrungen mit dem Abfackeln von Holzpellets oder dem Einsatz von Heizgeräten gesammelt.

In anderen Obstbaugebieten gehen die Landwirte mit Beregnungen gegen Frostschäden vor. Gefriert das Wasser auf den Blüten, wird sogenannte Kristallisationswärme freigesetzt. Das Eis legt sich ähnlich einem Schutzpanzer über die Blüten und hält die Temperatur bei null Grad. So überleben Knospen und Blüten die Frostnacht häufig unbeschadet.

„Das Problem bei dieser Schutzmaßnahme ist ein enormer Wasserbedarf“, erklärt Jan Kalbitz. Zwischen 20 und 40 Kubikmeter pro Stunde würden benötigt. Das könnten die hiesigen Obstbauern bis jetzt nicht vorhalten und natürliche Ressourcen, wie sie beispielsweise die Kollegen im Alten Land bei Hamburg nutzen könnten, gebe es hier vor Ort nicht.

Haselnüsse gehen künftig an regionalen Abnehmer

Trotzdem dürfte der Frostschutz an Bedeutung gewinnen. Denn auch die Zulieferer verlassen sich auf die sächsischen Obstproduzenten. Denen hat der Frost am Morgen des 12. Mai zum Beispiel auch die Haselnussernte verhagelt – im übertragenen Sinne. Die Erntemenge in diesem Jahr ist deshalb kaum der Rede wert, wie der Vorstand zugibt. 

Zwischen 2006 und 2009 hat die Obstland Dürrweitzschen Haselnuss-Gehölze gepflanzt. Bislang gingen die Früchte hauptsächlich zur Nougat-Produktion nach Thüringen. Für die nächsten Ernten ist als Abnehmer ein „Handwerker“ gleich in der Nähe gefunden worden, der die Nüsse zu Leckereien verarbeiten will.

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