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Gänsehaut-Momente in Leisnig

Der Geschichts- und Heimatverein stellt neue Stiefelwacht in Dienst. Die Benefizgala spielt 3.000 Euro für die junge Wachmannschaft ein.

Denis John, René Friedrich, Bernd Kellner und Mario Bilski (von links) sind die Mitglieder der neuen Stiefelwacht. Als Einstandsgeschenk haben sie einen mannshohen, von Holzbildhauer Enrico Kletke angefertigen Stiefel bekommen.
Denis John, René Friedrich, Bernd Kellner und Mario Bilski (von links) sind die Mitglieder der neuen Stiefelwacht. Als Einstandsgeschenk haben sie einen mannshohen, von Holzbildhauer Enrico Kletke angefertigen Stiefel bekommen. © Dietmar Thomas

Leisnig. Es ist sagenhaft. Hansjörg Oehmig bringt auf den Punkt, was er und so einige weitere Besucher am Samstagabend in der Stadtkirche St. Matthäi empfunden haben.

Oehmig ist der Hauptorganisator der Leisniger Benefizgala, die es seit der verheerenden Flut 2002 jedes Jahr im Frühherbst gibt. Als solcher „kauft“ er nicht nur die Gäste des Abends ein, sondern führt durchs Programm, singt selbst mit. 

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Auch diesmal wieder hätte er mehrfach eine Gänsehaut verspürt – sei es wegen der vortrefflichen Songauswahl, den unter die Haut gehenden Darbietungen, der atemberaubenden Ton- und Lichttechnik oder der Hilfsbereitschaft der Besucher und Spender überhaupt.

Zusammenhalt in schwierigen Zeiten

„Wunderbar, wie die Leisniger zusammenhalten, ob nun nach der Hochwasserkatastrophe oder auch jetzt wieder in dieser schwierigen Corona-Zeit“, verbindet Oehmig dieses Kompliment mit einem großen Dankeschön an alle, die in irgendeiner Weise zum Gelingen der 19. Leisniger Benefizgala „Damit die Hoffnung nicht stirbt“ beigetragen haben.

Hoffnung, die soll es auch für den Leisniger Riesenstiefel geben, nachdem sich dessen „alte“ Wachmannschaft im vergangenen Jahr aus Altersgründen aus dem Dienst verabschiedet hat. Das Riesenschuhwerk gehört dem Leisniger Geschichts- und Heimatverein. Dessen Vorsitzender Uwe Reichel gestand ein, dass er danach einige schlaflose Nächte hinter sich gebracht hat – bis Mario Bilski aus dem Leisniger Ortsteil Tautendorf bei ihm anrief.

Das Leipziger Ensemble "Harmonix" hat die Gäste der Leisniger Benefizgala genauso begeistert wie die Showbiss-Ladys mit Carsten Klobe am E-Piano, Kirchenmusikdirektor Holger Schmidt an der Jehmlichorgel sowie Saxophonist Tino Ludwig, der mit seiner Joe-Cocker-Stimme für einen Gänsehaut-Moment sorgte. 
Das Leipziger Ensemble "Harmonix" hat die Gäste der Leisniger Benefizgala genauso begeistert wie die Showbiss-Ladys mit Carsten Klobe am E-Piano, Kirchenmusikdirektor Holger Schmidt an der Jehmlichorgel sowie Saxophonist Tino Ludwig, der mit seiner Joe-Cocker-Stimme für einen Gänsehaut-Moment sorgte.  © Dietmar Thomas
Uwel Reichel, Vorsitzender des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins, hat die neue Leisniger Stiefelwacht in Dienst gestellt. Für diese Zeremonie schlüpfte er selbst in Kleidung, die er für gewöhnlich nicht jeden Tag trägt. 
Uwel Reichel, Vorsitzender des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins, hat die neue Leisniger Stiefelwacht in Dienst gestellt. Für diese Zeremonie schlüpfte er selbst in Kleidung, die er für gewöhnlich nicht jeden Tag trägt.  © Dietmar Thomas
Das Trio "Dot, Dot, Dot" bewies dem Gala-Publikum, das Streicher-Musik keinesfalls gediegen oder langeweilig sein muss, sondern durchaus mitreißen kann. Die Musiker waren zum ersten Mal in Leisnig dabei. Mit vielen Helfern haben sie über den Sommer den Leisniger Bahnhof aufgeräumt. Dort soll ein Kulturbahnhof entstehen. 
Das Trio "Dot, Dot, Dot" bewies dem Gala-Publikum, das Streicher-Musik keinesfalls gediegen oder langeweilig sein muss, sondern durchaus mitreißen kann. Die Musiker waren zum ersten Mal in Leisnig dabei. Mit vielen Helfern haben sie über den Sommer den Leisniger Bahnhof aufgeräumt. Dort soll ein Kulturbahnhof entstehen.  © Dietmar Thomas
Die Männer der Stadtwache fehlten beim Tag der offenen Tür im Stiefelmuseum nicht. Auch für sie war es ein seltener Auftritt im Corona-Jahr 2020. Für einen Einsatz zum Altstadtfest 2021, bei dem auch Stadtjubiläum gefeiert werden soll, stehen sie jedenfalls bereit. 
Die Männer der Stadtwache fehlten beim Tag der offenen Tür im Stiefelmuseum nicht. Auch für sie war es ein seltener Auftritt im Corona-Jahr 2020. Für einen Einsatz zum Altstadtfest 2021, bei dem auch Stadtjubiläum gefeiert werden soll, stehen sie jedenfalls bereit.  © Dietmar Thomas
Auch der Carnevalclub Leisnig schickte eine Abordnung zur Vereidigung der neuen Stiefelwacht. Sie wünschte den drei Wachmännern und deren Hauptmann, dass der Heilige St. Bartholomäus, der Schutzpatron der Schuhmacher, auch über die wachen möge. 
Auch der Carnevalclub Leisnig schickte eine Abordnung zur Vereidigung der neuen Stiefelwacht. Sie wünschte den drei Wachmännern und deren Hauptmann, dass der Heilige St. Bartholomäus, der Schutzpatron der Schuhmacher, auch über die wachen möge.  © Dietmar Thomas

Damals habe sich Bilski vorstellen können, für den Stiefel Verantwortung übernehmen zu können. Und das darf er jetzt auch ganz offiziell. Am Sonnabend hat ihn Uwe Reichel zum Hauptmann der Leisniger Stiefelwacht ernannt.

 Ihm stehen zunächst drei Wachmänner zur Seite: Bernd Kellner, René Friedrich und Denis John, allesamt Freunde, die sich jetzt gemeinsam für den Erhalt des weltgrößten Stiefels einsetzen wollen. 

Familiäre Unterstützung ist ihnen dabei schon sicher. Dass die manchmal auch durch den Magen geht, haben die Besucher am Sonnabend zum Tag der offenen Tür bei der Stiefelwacht erfahren. Denn zum Kaffee gab es Kuchen – selbst gebacken von Oma Bilski.

Leisnigs Ehrenamtliche stehen zusammen

Auch sonst hatte die Amtseinführung etwas in der Art eines Familientreffens. Denn zum Gratulieren waren unter anderem auch Vertreter der historischen Handwerkerstraße, des Carnevalclubs sowie der Stadtwache am Stiefelhaus auf dem Burglehn vorbeigekommen.

Vom Hauptmann der Stadtwache Klaus Ziegler gab es für die Neuen nicht nur gute Wünsche, sondern auch gute Ratschläge fürs weitere Eheglück. Den einen oder anderen Tipp verriet Ziegler gleich: Frauen sollen mehr Nutzen als Ärger bringen. Vor allem Stammgäste vom Altstadtfest verstanden derartige, aus mittelalterlicher Zeit stammende Witze.

Gänsehaut gab es auch bei dieser Zeremonie. Trotz aufgestellter Heizpilze war es ziemlich frisch auf dem Burglehn, ein wenig angenehmer schon im Stiefelmuseum. Dort zeigten die neuen Stiefelwächter den Besuchern dann auch gleich, um was sie sich als nächstes kümmern wollen.

Wie sieht's wohl im Riesenstiefel aus?

Nachdem Rolf Neidhardt, einer der Stiefelerbauer, schon an der Sohle Hand angelegt hat, soll es Anfang nächsten Jahres ums Innenleben des Riesen gehen. Dafür wird er in eine große Halle gefahren und die jetzt verschlossene Öffnung freigelegt. 

Damit der Stiefel nicht in sich zusammensackt, gibt es im Inneren ein Stützgerüst. Das muss gegebenenfalls nachjustiert werden. Auch der eine oder andere zusätzlich nötige Handgriff könnte sich dabei herausstellen. Unter anderem dafür soll der Erlös der Benefizgala eingesetzt werden.

Obwohl auf das Spendenkonto bei der Stadt Leisnig noch bis Anfang November Einzahlungen möglich sind, gab es schon am Wochenende einen ersten Kassensturz. „Ich denke, wir werden dem Heimatverein für die Stiefelwacht 3.000 Euro übergeben können“, sagte Oehmig am Sonntag.

Schon erste Ideen für die 20. Gala-Auflage

Er hat, von der Gala-Resonanz bestärkt, bereits die ersten Ideen für die dann 20. Benefiz-Gala 2021 zusammengetragen. „Dann haben wir etwas Besonderes vor, auch als Dankeschön für alle, die unsere Ziele über die vielen Jahre hinweg unterstützt und die gezeigt haben, dass gemeinsam so einiges möglich ist“, so der Hauptorganisator.

Er empfiehlt potenziellen Gästen, sich das nächste Mal rechtzeitig Karten zu sichern. Diesmal mussten Besucher wieder weggeschickt werden.

 Wegen der Corona-Bestimmungen durften nur 150 Zuhörer eingelassen werden. Regulär ist in Leisnigs Stadtkirche St. Matthäi für mehrere hundert Gäste Platz.

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