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Helios eröffnet in Leisnig Station für Altersmedizin

Start ist mit 15 Betten. Damit es mehr werden können, will die Klinik in einen Neubau investieren.

Ergotherapeutin Roswitha Annekathrin Stephan  zeigt Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping, wie sie Patienten hilft, motorische Fähigkeiten wie das Greifen zurückzuerlangen.
Ergotherapeutin Roswitha Annekathrin Stephan zeigt Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping, wie sie Patienten hilft, motorische Fähigkeiten wie das Greifen zurückzuerlangen. © Dietmar Thomas

Leisnig. Das Helios-Krankenhaus hat am Mittwoch im Beisein von Sachsens Sozialministerin Petra Köpping eine Abteilung für Akut-Geriatrie und Frührehabilitation eröffnet. Geriatrie, auch als Alters-/Altenmedizin oder Altersheilkunde bezeichnet, ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen.

Dass genau die in Zukunft gefragt ist, davon ist angesichts der Zahlen auszugehen, die Petra Köpping nannte. Sie sprach von vier Millionen Einwohnern in Sachsen, von denen jeder vierte älter als 65 Jahre ist. Deshalb seien die Pläne von Helios in Leisnig wirklich eine Investition in die Zukunft.

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Die Klinik hat nach Angaben der kommissarischen Geschäftsführerin Melanie Rosche vor, anzubauen. Damit könnte sich die neue Abteilung mit zunächst 15 Betten zu einer Station mit 30 bis 35 Betten entwickeln. Sinnvoll sei, daran noch eine Tagesklinik zu bauen und anzugliedern.

Helios hofft auf Unterstützung vom Freistaat

Für beides hofft die Helios-Klinik auch auf Unterstützung durch den Freistaat. Die Ministerin versprach, sich dafür einzusetzen, dass der nächste Doppelhaushalt Sachsens eine solche Bezuschussung und Entwicklung überhaupt zulässt. 

Ihr verspätetes Eintreffen in Leisnig begründete sie damit, dass sie in der aktuellen Haushaltdebatte ihre Stimme erheben wollte und musste. Bei ihr finde der Etatentwurf keine Akzeptanz, sagte sie. Ein Grund sei, dass der bestehende Investbedarf nicht ausreichend berücksichtigt werde.

Bei Klinikleitung und -mitarbeitern bedankte sich Petra Köpping, dass sie sich den Corona-Herausforderungen gestellt haben – und auch den folgenden. „Danke, dass sie nach vorne schauen.“ 

Mit den ersten Patienten der Akut-Geriatrie des Leisniger Helios-Krankenhauses hat Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (links) zur Einweihung am Mittwoch gesprochen.
Mit den ersten Patienten der Akut-Geriatrie des Leisniger Helios-Krankenhauses hat Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (links) zur Einweihung am Mittwoch gesprochen. © Dietmar Thomas

Die geriatrische Versorgung sei Investitionen wert, findet die Ministerin. Auch oder gerade im ländlichen Raum, wo die medizinische Versorgung mittlerweile zu einem entscheidenden Kriterium für Familien geworden sei, sich dort oder eben ganz anderswo niederzulassen.

Die neue Fachabteilung an der Leisniger Helios-Klinik sieht Prof. Dr. med. Christoph Thümmler daher auch als ausgezeichnete Möglichkeit, „übergreifende Fachkompetenz in die Fläche zu bringen“. Thümmler ist Chefarzt der Klinik für Akut-Geriatrie und Frührehabilitation am Helios-Park-Klinikum in Leipzig. 

Mit diesem Zentrum für Altersmedizin soll die neue Abteilung in Leisnig in enger fachlicher Zusammenarbeit betrieben werden. In Leisnig fungiert sie als Fachabteilung innerhalb der Klinik für Innere Medizin, die Dr. Dr. med. Daniel Krüger als Chefarzt leitet.

Mehr Zeit für Zuwendung und für die Erholung

Das Besondere einer speziell geriatrischen Behandlung ist, dass die Patienten durch Fachärzte verschiedener Gebiete gemeinsam im Team mit Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie speziell geschulten Pflegekräften betreut werden.

Ziel einer solch komplexen Behandlung ist, die Betroffenen nach einem Klinikaufenthalt möglichst wieder in die Selbstständigkeit zu entlassen oder sie optimal auf eine Weiterbehandlung in einer Reha-Einrichtung vorzubereiten.

Dafür wird den Patienten auch mehr Zeit eingeräumt als vielleicht einem 45-Jährigen, der das Klinikbett schon nach wenigen Tagen wieder verlassen kann. Und mehr Zeit, sich um die Patienten zu kümmern, soll auch das Personal bekommen. In allen Bereichen hat sich Helios auf diese Situation eingestellt, hieß es.

Vorerkrankungen spielen eine Rolle

Auf die neue Abteilung werden Patienten beispielsweise nach einem Schlaganfall, einer schweren OP oder mit Herz-Kreislauf-Problemen verlegt. Bei vielen älteren gibt es schon chronische Vorerkrankungen wie Arthrose oder Muskel- und Knochenabbau, die mit berücksichtigt werden.

Die Mediziner, die sie bislang schon behandelt haben, betreuen sie auch auf der Geriatrie. Interdisziplinär wollen die Mediziner und Therapeuten dann altersspezifisch diagnostizieren, therapieren, mobilisieren und beraten. 

„Mit der neu etablierten Altersmedizin in unserem Haus erweitern wir unser Leistungsspektrum um einen wichtigen Behandlungsschwerpunkt“, sagte Melanie Rosche. „Denn nun können wir noch besser den individuellen medizinischen Ansprüchen bei der Behandlung älterer Patienten gerecht werden und stärken die Versorgung dieser Patienten in der Region.“ Der Bedarf sei da.

Neben Corona noch andere wichtige Themen

Die Planung zum Aufbau einer geriatrischen Abteilung hat Helios in Leisnig schon seit einiger Zeit verfolgt. Die Räume, die dafür hergerichtet worden sind, gehörten schon einmal zur Inneren Abteilung, wurden im Frühjahr aber als Isolierstation für Patienten genutzt, die mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus eingeliefert worden sind.

Die jetzige Umnutzung zeige auch der Ministerin, dass Covid-19 ernstgenommen, aber nicht überbewertet wird. „Es beweist, dass wir neben Corona auch noch andere, wichtige Themen bearbeiten“, so Petra Köpping. 

Sie sieht Sachsens Kliniken in Bezug auf die Corona-Pandemie jetzt besser aufgestellt als zu Beginn. Ihren Angaben zufolge werden gegenwärtig 100 mit dem Virus Infizierte in Krankenhäusern im Freistaat behandelt, 15 müssten auf Intensivstationen betreut werden.

Der Beitrag ist am 7. Oktober um 17.15 Uhr ergänzt worden.

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