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In der Döbelner Bibliothek soll sich der Leser selbst bedienen

Die Döbelner Stadtbibliothek hat ein neues Verbuchungssystem in Betrieb genommen. Das schafft Spielraum für andere Aufgaben.

Von Jens Hoyer
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Bibliotheks-Leiterin Kerstin Kleine zeigt Oberbürgermeister Sven Liebhauser die Funktion des neuen Buchungsterminals. Die Bedienung ist sehr einfach.
Bibliotheks-Leiterin Kerstin Kleine zeigt Oberbürgermeister Sven Liebhauser die Funktion des neuen Buchungsterminals. Die Bedienung ist sehr einfach. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Bibliothek setzt jetzt auf Selbstbedienung beim Verbuchen der ausgeliehenen Bücher, DVDs und Spiele. Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) hat die neue Technik am Dienstag ausprobiert. „Das Terminal ist selbsterklärend“, sagte die Leiterin Kerstin Kleine.

Und so ist es auch. Einmal den Bibo-Ausweis unter der roten Markierung des Scanners durchziehen, auf dem Bildschirm wählen, ob es sich um Ausleihe, Verlängerung oder Rückgabe handelt. Medien im Stapel auf ein markiertes Feld auf dem Gerät legen – fertig. Dann leuchtet auch das Plexiglasportal am Ausgang nicht rot auf. Was es tut, wenn jemand Medien unverbucht nach draußen schmuggeln, sprich stehlen will.

Elektronisches Medien-Verbuchungs- und Sicherungssystem ist der etwas sperrige Name dieser Neuerung. Neu ist sie auch nur für Döbeln, andere Bibliotheken werden von vornherein damit ausgestattet. Die Stadtbibliothek hat das Verbuchungssystem schon seit 13 Jahren in ihrem Konzept stehen. Und jetzt hat es endlich damit geklappt. Bisher habe keine Förderung für die nicht ganz billige Investition zur Verfügung gestanden, sagte Liebhauser.

56.000 Euro Fördermittel

Dann gab es aber ein passendes Förderprogramm mit dem Titel „Wissenswandel“. Der Bund gab 56.000 Euro dazu. Die Stadt musste nur 6.500 Euro Eigenmittel aufbringen. Und noch jede Menge Arbeitskraft, denn mit der technischen Ausstattung alleine war es nicht getan.

57.000 Medien in der Bibliothek waren mit elektronischen Chips zu versehen und in das Verbuchungssystem einzupflegen. Das funktioniert ähnlich wie Sicherungssysteme in Kaufhäusern. Aufkleber enthalten RFID-Transponder, die kontaktlos die Daten an ein Lesegerät übertragen.

Die Umstellung hatte viel Arbeit gemacht. „Bei Romanen ging das schnell. Wir hatten auch einige Schülerpraktikanten, die gut mitgeholfen haben“, sagte Kleine. Bei anderen Medien wie den Massen CDs sei es nicht so schnell gegangen. „Da brauchten wir erst ein neues Aufstellungssystem.“

Mehr Zeit für andere Aufgaben

In der Bibliothek arbeiten derzeit sieben Frauen und ein Mann, dazu eine vom Arbeitsamt bezahlte MAE-Kraft, die vor allem für die Schulbibliothek im Lessing-Gymnasium zuständig ist. Die Mitarbeiter sollen durch die neue Technik mehr Zeit für andere Aufgaben bekommen. „Die Mitarbeiter können sich mehr den Nutzern widmen, der Service wird verbessert. Sie haben auch mehr Zeit für die Bibliotheken in den Ortsteilen“, sagte die Leiterin.

Es gebe viele konzeptionelle Arbeit zu erledigen. „Wir haben eine lange Liste von Dingen, die wir anbieten wollen. Etwa Veranstaltungen für Kinder, die traditionelle Bücher mit digitalen Medien verbinden. Wir müssen auch unser Bibliothekskonzept überarbeiten. Was wir in Zukunft machen können und machen wollen, mit welchen Vereinen und Einrichtungen wir zusammenarbeiten.“

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Konzepte sollen auch für die acht Außenstellen her, die sich in den Ortsteilen und einigen Schulen befinden. In der Regel werden diese von ehrenamtlichen Helfern betreut. „Solange wir dafür einen Raum haben und ehrenamtliche Helfer, unterstützen wir die Gemeindebibliotheken nach Kräften“, sagte Kleine.

Weniger Nutzer wegen Corona

Die Leiterin hofft, nach den bewegten Corona-Monaten jetzt wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Die Einschränkungen hatten sich an den Zahlen bemerkbar gemacht. 2.888 Nutzer und 33.900 Besucher waren im vergangenen Jahr in der Bibliothek registriert. Das sind weniger als im Jahr zuvor. Die Nutzer hatten knapp 12.400 Medien ausgeliehen.

Im Januar vergangenen Jahres war die Bibliothek für reichlich zwei Monate geschlossen. Die ungünstigen Bedingungen durch die Corona-Beschränkungen waren noch zusätzlich durch laufende Arbeiten zur Erneuerung der Beleuchtung verschärft worden.

Ab diesem Monat wird wieder mit den regelmäßigen Veranstaltungen für Kinder in der Bibliothek begonnen. „Auch unsere Vorlesepaten warten darauf, dass sie wieder in die Kitas können“, so die Leiterin. Derzeit gelten in der Bibliothek 3G-Regeln und Kontaktnachverfolgung. Wahrscheinlich ist, dass davon ab 20. März nur die Maske übrig bleibt.

Digitaler Lernraum kommt noch

Ganz durch ist man in der Bibliothek noch nicht mit der Modernisierung. Der geplante digitale Lernraum mit Computerausstattung, der ebenfalls mit Fördermitteln eingerichtet wird, harrt noch seiner Vollendung. Der Raum sei vorgerichtet, aber die Technik noch nicht installiert, sagte Kerstin Kleine.

Ein Projekt der Zukunft betrifft den Zugang für Behinderte in die Bibliothek, sagte Oberbürgermeister Sven Liebhauser. Das Haus ist zwar mit Rampe für Rollstühle und einem Aufzug ausgestattet. Aber die historische Eingangstür ist nicht sehr behindertenfreundlich. Sie öffnet zu schwer und ist für manche Rollstühle nicht breit genug. Die Stadt will sich um Fördermittel bemühen, um sie mit einem elektrischen Öffnungssystem auszustatten.