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In Leisnigs Pflegeheim: Soldaten am Servierwagen

Lichtblick im Sonnenblick: Der Corona-Ausbruch ist überstanden. Trotzdem sind Heimleitung und Bewohner weiter dankbar für die Hilfe von Bundeswehrsoldaten.

Die Soldaten Dustin Kirchner und Tino Zachäus bringen den Sonnenblick-Bewohnern ihre Mahlzeiten ins Zimmer. Fünf Mal am Tag klopfen sie an jeder der Türen..
Die Soldaten Dustin Kirchner und Tino Zachäus bringen den Sonnenblick-Bewohnern ihre Mahlzeiten ins Zimmer. Fünf Mal am Tag klopfen sie an jeder der Türen.. © Dietmar Thomas

Leisnig. Daniel Pfeffer wohnt in Staucha. Der gelernte Kfz-Mechatroniker ist noch bis 2023 Soldat auf Zeit und sein Arbeitsplatz befindet sich überwiegend in Frankenberg. Dort ist der Oberstabsgefreite bei der Panzergrenadierbrigade 37 stationiert. Doch seit diesem Montag führt ihn sein Weg zur Arbeit nach Leisnig.

Im Seniorenzentrum „Am Sonnenblick“ wird die Hilfe des 31-Jährigen gebraucht. Nach nur vier Tagen kennt ihn jeder der Bewohner und Mitarbeiter: Er ist der neue „Schnelltester“. Jeden zweiten Tag werden sämtliche Bewohner und Mitarbeiter diesem Test unterzogen, erzählt Heimleiterin Silke Busch.

Stars im Strampler aus Döbeln
Stars im Strampler aus Döbeln

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An diesem Donnerstagmorgen ist ihre Erleichterung hörbar. „Heute sind zum ersten Mal alle Tests negativ ausgefallen.“ Am 17. Januar war erstmals eine Corona-Infektion in der Senioreneinrichtung festgestellt worden. Daraufhin hat etwa jeder zweite Bewohner und Beschäftigte diese Diagnose erhalten. Weil Mitarbeiter fehlten und somit die Arbeit nicht mehr zu schaffen war, hat das Landratsamt Mittelsachsen einen Antrag auf Amtshilfe durch die Bundeswehr gestellt.

Vom "Schrauber" zum Schnelltester

Den Einsatz von vier Soldaten kündigte Bürgermeister Tobias Goth (CDU) daraufhin ab dem 25. Januar an. Daniel Pfeffer ist als fünfter in dieser Woche dazugekommen. Er hat einer Pflegeheim-Mitarbeiterin, die bislang für die Tests zuständig war, eigentlich aber andere Aufgaben hat, diesen „Job“ abgenommen.

Weil an ihm niemand vorbeikommt, kennen ihn inzwischen alle Bewohner und Mitarbeiter. Mit derartigen Tests oder medizinischen Dingen hatte der Kfz-Mechatroniker bisher überhaupt nichts zu tun. Umso sorgfältiger geht er bei den Abstrichen vor. Wie genau die ablaufen müssen, was zu beachten ist, das hat er bei einer Einweisung durch Mitarbeiter des DRK Döbeln-Hainichen in der vergangenen Woche erfahren und probieren können.

Dass er bei diesem Einsatz durchaus auch mit dem Virus in Berührung kommen könnte, ist Daniel Pfeffer bewusst. Trotzdem sei ihm nie in den Sinn gekommen, sich diesem „Einsatzbefehl“ zu widersetzen. „Die Gefahr, sich zu infizieren, die besteht überall, auch im Büro“, so der 31-Jährige. Die jetzige Amtshilfe ist übrigens seine zweite. Mit diesem Auftrag war er schon 2013 nach dem Hochwasser im Einsatz.

Daniel Pfeffer ist der „Schnelltester“ im Leisniger Seniorenzentrum. An ihm kommt kein Bewohner und kein Mitarbeiter vorbei. An diesem Donnerstag fielen erstmals seit dem Corona-Ausbruch am 17. Januar alle Tests negativ aus.
Daniel Pfeffer ist der „Schnelltester“ im Leisniger Seniorenzentrum. An ihm kommt kein Bewohner und kein Mitarbeiter vorbei. An diesem Donnerstag fielen erstmals seit dem Corona-Ausbruch am 17. Januar alle Tests negativ aus. © Dietmar Thomas

Zu den vier Soldaten, die seit 25. Januar vom Versorgungsbataillon 131 der Kyffhäuserkaserne nach Leisnig abkommandiert sind, gehören Dustin Kirchner und Tino Zachäus. Kirchner ist 32 Jahre alt und Hauptfeldwebel. Als Gruppenführer sitzt er sonst überwiegend im Büro der Kaserne im thüringischen Bad Frankenhausen und erfüllt logistische Aufgaben. Zachäus (47) ist Stabsunteroffizier und verbringt die meiste Zeit am Steuer eines Lkws.

„Unsere Aufgabe als Versorgungsbataillon ist, dafür zu sorgen, dass das Panzerbataillon 393 alles hat, was es braucht – vom Benzin für die Fahrzeuge bis zu den Mahlzeiten für die Soldaten“, erklärt Kirchner. Seit 14 Tagen nun sind die beiden mit „kleinerer Technik“ unterwegs: einem Servierwagen.

Respekt vorm Älterwerden und vor dem Pflegeberuf

Damit versorgen sie die Senioren, und zwar mit insgesamt fünf Mahlzeiten am Tag. Ein Soldat hat damit in jedem der drei Wohnbereiche von 7.45 bis 19 Uhr gut zu tun. Denn nach jeder Runde muss das Geschirr gespült und dann schon wieder für den nächsten Einsatz vorbereitet werden. „Leerlauf gibt es da nicht“, bescheinigt Dustin Kirchner.

Nach nur zwei Wochen im Pflegeheim haben die beiden einen etwas anderen Blick aufs Älterwerden und auf die Pflege überhaupt. „Meist kennt man solche Einrichtungen ja nur von eigenen Angehörigen und dann von relativ kurzen Besuchen“, sagt Tino Zachäus. Doch dieser Amtshilfe-Einsatz ermögliche einen Blick hinter die Kulissen.

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„Er zeigt uns zum einen, was uns später einmal erwartet. Wahrscheinlich werden wir irgendwann alle einmal in solch einer Einrichtung betreut“, vermutet Dustin Kirchner. Er selbst habe – nach dieser kurzen Zeit – viel mehr Respekt vorm Älterwerden und vor der Arbeit, die die Mitarbeiter in einem Pflegeheim jeden Tag leisten“, so der 32-Jährige.

„Wir werden hier voll mit dem Leben konfrontiert“, sagt der Hauptfeldwebel. Aber auch mit dem Tod. Denn die Betten von Verstorbenen unter Vollschutz abzuziehen, das war eine Aufgabe, die er ebenfalls meistern musste.

Bewohner warten schon auf die Soldaten

Heimleiterin Silke Busch ist für die Unterstützung der Soldaten – einer hilft noch in Küche und Wäscherei – mehr als dankbar. Denn nach wie vor fehlen Kollegen durch Krankheit. Durch die Hilfe der Bundeswehr kann aber das eine oder andere Defizit abgemildert werden. Und: „Den Bewohnern gefällt‘s. Sie fragen mittlerweile montags schon, ob und wann die Soldaten wiederkommen“, so die Chefin des Pflegeheimes.

Sie kann die Begeisterung der Bewohner durchaus nachvollziehen. Die Soldaten haben auch einmal Zeit für einen kurzen Schwatz oder ein Späßchen am Rande, wenn sie das Vesper bringen. Diese Zeit fehlt den Mitarbeitern mitunter.

Freitagnachmittags fahren Dustin Kirchner und Tino Zachäus nach Hause zu ihren Familien nach Sachsen-Anhalt. Der Weg ist fast genauso weit wie von Bad Frankenhausen. Der Wechsel von Einsatzorten ist für sie nichts Neues. Doch selten waren sie bei Einsätzen so nah dran wie jetzt: In der Woche verbringen sie den Feierabend und die Nacht im Tagespflegebereich des Leisniger Heimes – in fünf Minuten können sie morgens ihren Dienst antreten.

Hintergrund

  • Die fünf in Leisnig tätigen Bundeswehrsoldaten gehören zum Einsatzkontingent „Hilfeleistung gegen Corona“.
  • Das umfasst 20.000 Soldaten. Weitere 5.000 Kräfte hat Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dafür am Mittwoch freigegeben.
  • Die Soldaten helfen in Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung, in Krankenhäusern, Pflegeheimen und zunehmend bei der Impforganisation.
  • Bisher sind fast 4.000 Unterstützungsanfragen bei der Bundeswehr eingegangen.

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