merken
PLUS Döbeln

Leisnig reagiert auf Löschwasser-Defizit

Beim Brand eines Hauses in Kalthausen bei Leisnig ist es Nachbarn Angst und Bange geworden. Anderswo auf dem Land sieht es ähnlich aus.

Beim Brand eines Hauses in Kalthausen ist es Nachbarn angst und bange geworden.
Beim Brand eines Hauses in Kalthausen ist es Nachbarn angst und bange geworden. © Dietmar Thomas

Leisnig. Ein leerstehendes Haus im Leisniger Ortsteil Kalthausen ist im September den Flammen zum Opfer gefallen. Was, wenn es unser Wohnhaus gewesen wäre? Das fragen sich Nachbarn.

 Zwei haben ihre Sorgen jetzt den Stadträten im Technischen Ausschuss veranschaulicht. Die trafen sich – wie passend – im neuen Feuerehrgerätehaus in Bockelwitz, das gerade fertiggestellt wird.„Wie wir gesehen haben, ist vor Ort wenig bis kein Wasser da“, sagte einer der beiden.

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

 Der vorhandene Teich sei wegen langer Trockenheit ohne Wasser, seit einer Sanierung aber ohnehin mehr oder weniger undicht. Und die alte Wasserleitung beziehungsweise die Hydranten gäben den enormen Bedarf bei einem Brand einfach nicht her. 

„Wie soll dieses Defizit abgestellt werden? Bekommen wir eine Zisterne? Was ist da geplant?“, wollte der Anwohner von Bürgermeister Tobias Goth (CDU), Verwaltungsmitarbeitern und Stadträten wissen.

Zisternen können nicht überall entstehen

Uwe Dietrich vom Ordnungsamt, in dessen Zuständigkeit auch das Feuerwehrwesen fällt, stellte zunächst zweierlei dar: Wasserleitungen und Hydranten sind in erster Linie für die Trinkwasserversorgung und nicht für den Brandfall ausgelegt.

Und: Überall Zisternen zu bauen, übersteige das, was die Kommune zu leisten vermag. In der Vergangenheit sind solche Löschwasserbehälter im Zentrum und am Rand der Altstadt entstanden, aber auch im Ortsteil Brösen. „Wir haben insgesamt 41 Ortsteile. Bekäme jeder ausreichend Zisternen, wäre die Stadt pleite“, veranschaulichte Dietrich. 

Wehrleiter Bernd Starke bestätigte, dass auf die Löschteiche in den Ortschaften und mitunter auch schon einbezogene Rückhaltebecken angesichts der Witterung wenig Verlass ist. Als eine Alternative könne er sich den in Kalthausen eingeschlagenen Weg aber durchaus vorstellen.

Landwirte als Helfer in der Not

Dort brachten drei Tanklöschfahrzeuge das benötigte Löschwasser im Pendelverkehr zu dem Grundstück, auf dem das Haus brannte. „Zusätzlich haben wir Wasser von weiter her geholt, und zwar aus dem Ortsteil Polkenberg“, so der Feuerwehrchef. 

Dies sei in Zusammenarbeit mit der Polkenberger Agrargenossenschaft passiert, die sich dafür eines 10.000 Liter Wasser fassenden Gülleanhängers aus dem Fuhrpark des Landwirtschaftsbetriebes bediente. Das sei gut und richtig gewesen, schätzt Starke ein. 

In Absprache mit der Agrargenossenschaft und womöglich auch vertraglich geregelt könnte sich die Stadt Leisnig vorstellen, als Übergangslösung bei größeren Bränden auf dieses mobile Löschwasserreservoir zurückzugreifen. 

Kauf eines mobilen Wassertanks ist denkbar

Die Lösung sei aber, dass sich die Kommune selbst solch einen mobilen Tank mit 10.000 Litern Fassungsvermögen anschafft. Wann der Haushalt das hergibt, vermochte der Rathauschef nicht zu sagen. 

Möglicherweise verschieben sich dadurch Prioritäten. Die Wehrleitung hat eine Liste mit mindestens fünf Fahrzeugen erstellt, die in den nächsten Jahren dringend erneuert werden müssen. 

Dieses Jahr wäre eigentlich der Rüstwagen an der Reihe gewesen, mit dem die Feuerwehrleute zu nahezu jeder technischen Hilfeleistung zu Unfällen ausrücken. Doch aufgrund einer zu geringen Förderung konnte Leisnig kein Fahrzeug bestellen. Vielmehr musste die Kommune sogar die in Aussicht stehenden Zuschüsse zum Einsatz bei einer anderen Feuerwehr im Landkreis Mittelsachsen freigeben. 

Mit Tankern im Pendelverkehr

Trotz aller Probleme im Löschwesen versicherte Uwe Dietrich: „Auch wenn die Löschwasserversorgung nicht überall optimal ist – ohne Schutz steht kein Bürger da.“ Seinen Worten zufolge kann mit der Fahrzeugtechnik, die es im Umkreis gibt, das benötigte Löschwasser an nahezu jeden Ort geschafft werden.I

m Ernstfall funktioniert das Zusammenspiel der sogenannten Blaulichtorganisationen auch über die Stadt- und Landkreisgrenzen hinweg – und bei verschiedenartigen Einsätzen. Das hat sich in diesem Jahr mehrfach gezeigt. Die Leisniger Feuerwehrleute etwa wurden von der Berufsfeuerwehr Leipzig und Ehrenamtlichen des THW Chemnitz unterstützt, als es darum ging, im Stadtgebiet Vorsorge zu treffen, nachdem giftige Dämpfe auf dem Gelände eines alten Industriebetriebs an der Weststraße ausgetreten waren.

Auch bei einem Hausbrand Ende August in Oberneusorge am äußersten Zipfel von Roßwein genügte das Löschwasser vor Ort nicht. Mit mehreren Löschfahrzeugen brachten Feuerwehrleute aus ganz Roßwein und den Nachbargemeinden das Wasser übers Feld zum Einsatzdor
Auch bei einem Hausbrand Ende August in Oberneusorge am äußersten Zipfel von Roßwein genügte das Löschwasser vor Ort nicht. Mit mehreren Löschfahrzeugen brachten Feuerwehrleute aus ganz Roßwein und den Nachbargemeinden das Wasser übers Feld zum Einsatzdor © Dietmar Thomas

Probleme mit der Löschwasserversorgung gibt es aber nicht nur in Kalthausen, sondern vielerorts, vor allem außerhalb des Stadtkerns. Als Ende August in Oberneusorge am äußersten Zipfel von Roßwein ein Haus in Flammen stand, rückten genau wie in Kalthausen Feuerwehren aus dem gesamten Gemeindegebiet und auch den Nachbarorten an, um über einen Pendelverkehr Wasser zum Löschen an den Brandherd zu bringen.

Dass die Trinkwasserleitungen irgendwann einmal so dimensioniert sind, dass sie die Löschwasserversorgung in jedem Ort ohne Probleme abdecken können, hält Uwe Dietrich für illusorisch. „Zumindest nicht ohne extreme Mehrkosten für die Bürger“, so der Mann vom Ordnungsamt.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln