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Leisniger Oberschüler in 3D

Mit einer speziellen Technik stellen Jugendliche aus Leisnig ein Modell von sich selbst her. Dabei sind Manipulationen erlaubt.

Julius Plüschke (links) vom Fabmobil scannt Jana Ina May. In ihrer Hand hält sie das spätere Ergebnis – eine Figur aus dem 3 D-Drucker, die ihr ähnelt.
Julius Plüschke (links) vom Fabmobil scannt Jana Ina May. In ihrer Hand hält sie das spätere Ergebnis – eine Figur aus dem 3 D-Drucker, die ihr ähnelt. © Lars Halbauer

Leisnig. Auf der Hand von Josie Reul steht eine kleine grüne Figur mit einem Wackelkopf. Es ist eine Miniaturausgabe von ihr selbst.

„Ich musste ganz still stehen und auf einen Punkt schauen. Dabei wurde ich abgescannt“, erzählt die Neuntklässlerin. Danach seien mit einem Konstruktionsprogramm am Computer noch Veränderungen möglich gewesen. Sie hätte sich schlanker oder dicker, größer oder kleiner modellieren können. 

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„Aber ich habe nur an einer Hand die einzelnen Finger verfeinert“, sagt Josie. Dann habe sie den Standfuß angefertigt und die Farbe ausgewählt.

3D-Druck über Nacht

Über Nacht hat ein 3D-Drucker die Figur hergestellt. Dafür benötigt das Gerät 1,5 bis 2 Stunden, je nachdem, wie komplex eine solche Figur ist. Am nächsten Tag hat Josie quasi sich selbst den Kopf abgetrennt und als Hals eine Feder zwischen Kopf und Körper gesetzt, sodass der Kopf beweglich wurde.

All das ist im Fabmobil passiert. Der Bus, in dem sich die komplette Technik für den 3 D-Druck, eine kleine Werkstatt und ein Klassenzimmer befinden, hat für vier Tage auf dem Gelände der Peter-Apian-Oberschule Leisnig Station gemacht. Praxisberater Olaf Engel hatte den „Raum für angewandte Kunst“ bereits für den 16. März eingeladen. Doch genau an diesem Tag erfolgte aufgrund der Corona-Pandemie die Schulschließung.

Malen im virtuellen Raum

Umso mehr freut sich Engel, dass kurzfristig ein neuer Termin für den besonderen Unterricht gefunden wurde. An dem beteiligen sich jeweils zwei Tage lang die Acht- sowie die Neunt- und Zehntklässler, die sich mit der modernen Technik vertraut machen wollen. 

Dabei legt der Praxisberater Wert darauf, dass es jeweils zur Hälfte Mädchen und Jungen sind. „Wir wollen das Thema auch den Mädchen nahe bringen“, so Engel. Ziel sei es, dass die Jugendlichen ihre Kreativität testen und ihre Erfahrungen im Fabmobil vielleicht in ihre Berufswahl einfließen lassen.

Dafür können die jungen Leute noch mehr ausprobieren. Dass sieht teilweise etwas komisch aus, zieht aber trotzdem oder gerade deshalb während der Hofpause die neugierigen Blicke anderer Schüler auf sich. Ein Junge steht vor einem Bildschirm, der außen am Bus angebracht ist, und vollführt merkwürdige Bewegungen.

Max Horn (links) und Nils Pörschmann tüfteln an ihren 3 D-Figuren und fügen für die beweglichkeit eine Feder ein.
Max Horn (links) und Nils Pörschmann tüfteln an ihren 3 D-Figuren und fügen für die beweglichkeit eine Feder ein. © Lars Halbauer

Virtuelle Raumgestaltung

In der einen Hand hält er ein Modul mit einer Farbtafel, in der anderen einen „Pinsel“. Und er trägt eine Brille, mit der er sich in einem virtuellen Raum bewegen und diesen gestalten kann. Es braucht eine Weile, bis er sich zurechtfindet, aber dann ergeben seine Zeichnungen einen Sinn.

„Dieses Programm wird in der Architektur angewandt, für die Simulation von Operationen oder die Behandlung von Phobien, zum Beispiel gegen Spinnen“, erklärt Tom Witschel, der das Fabmobil als Produkt-Designer begleitet. Das fahrende Kunst- und Designlabor wolle den Jugendlichen mit solchen Programmen vermitteln, dass die neuen Medien nicht nur zum Spielen da seien.

Frühe Berufsorientierung

Für Praxisberater Olaf Engel ist eine möglichst frühe berufliche Orientierung der Schüler wichtig. „Wir beginnen bereits in der siebten Klasse mit einer Potenzialanalyse“, sagt er. Dabei werden die sozialen und arbeitspraktischen Kompetenzen getestet. In der achten Klasse sollte die grobe berufliche Richtung feststehen, so Engel.

Dafür schaut der Praxisberater gemeinsam mit den jungen Leuten, wo deren Interessen liegen und schreibt für jeden Schüler einen Entwicklungsplan. Er begleitet sie zu Berufsorientierungsmessen und vermittelt Ferienangebote in Firmen. 

Damit er und seine Berufskollegen aus den benachbarten Städten wissen, welches Unternehmen welche Ausbildungsplätze anbietet und was dafür die Voraussetzungen sind, sehen sich die Praxisberater auch regelmäßig selbst in Firmen um. Sie waren unter anderen bei Rasoma in Döbeln. Söhnel Elektro und Gemeinhardt in Roßwein.

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