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Mann verschickt anstößige Bilder

Der Angeklagte hat Bilder und Videos auf seinem Smartphone gehabt. Jetzt spricht er von einem Fehler.

Der Angeklagte räumt seine Taten ein. Er bekommt eine Bewährungsstrafe.
Der Angeklagte räumt seine Taten ein. Er bekommt eine Bewährungsstrafe. © André Braun

Döbeln. Kurzes Haar, Brille, eher schüchternes Auftreten. So wie sich der Angeklagte gibt, will man ihm die vorgeworfenen Taten nicht unbedingt zutrauen.

Dem 1979 geborenen Mann wird vor dem Amtsgericht Döbeln vorgeworfen, dass er kinderpornografische Schriften besessen und verbreitet hat. Konkret soll er am 23. Februar 2019 per Whatsapp das Bild eines achtjährigen Mädchens, deren unbekleidetes Geschlechtsteil im Fokus stand, von seinem Smartphone abgeschickt haben. Bis zum 27. Februar 2019 soll er in seiner Wohnung auf Datenträgern, dem Smartphone und einer Speicherkarte, 477 Bilder und 95 Videos von Mädchen bei sexuellen Handlungen gespeichert haben, die erkennbar unter 14 Jahre alt waren.

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Angst vor möglichen Konsequenzen

Es sei ein Fehler gewesen, räumt der Angeklagte ein. Er habe im sozialen Netzwerk Facebook auf eine Freundschaftsanfrage geantwortet. Später sei er dann gefragt worden, ob er junge Mädchen mag. Er habe sich nichts dabei gedacht, als er mit „Ja“ antwortete. Über Facebook sei er gefragt worden, ob er Whatsapp habe. Auch dies bejahte er. „Ich habe dann über den Messenger meine Telefonnummer durchgegeben“, so der Angeklagte.

Er habe nicht gewusst, dass ihm solche Bilder geschickt werden und dies nicht gewollt. Zunächst wollte er zur Polizei gehen, habe diesen Schritt aus Angst vor möglichen Konsequenzen aber nicht gewagt. Eines der Fotos habe er zurückgeschickt.

Angeklagter schwer zu verstehen

Es bereitet Richterin Ines Opitz sichtlich Mühe, die Aussagen des Angeklagten, dessen Anwalt kurz vor Beginn eine Teilnahme an der Verhandlung abgesagt hat, zu verstehen. Erst nach mehrmaligem Nachfragen bestätigt er, dass die ihm zur Last gelegten Vorwürfe richtig sind.

Letztendlich kommt heraus, dass der Mann Mitglied einer Whatsapp-Gruppe war. „Wie hieß diese Gruppe?“, fragt Staatsanwältin Amelie Steffen. „Weiß nicht“, lautet die Antwort. „Warum sind sie der Gruppe beigetreten?“ „Ich wollte eine Freundschaft eingehen.“ Schließlich fragt die Staatsanwältin: „Warum sind sie nicht sofort nach Erhalt der Bilder aus der Gruppe ausgetreten?“ Auch darauf antwortet der Angeklagte nur: „Weiß ich nicht.“

Bereitwillig alles herausgegeben

Zunächst wird ein Polizeibeamter als Zeuge gehört. Er war dabei, als bei dem Angeklagten aufgrund des beschriebenen Tatverdachts zwei Smartphones und ein Tablet beschlagnahmt wurden. Zunächst sei nur die Lebensgefährtin des Angeklagten angetroffen worden. Beim Verlesen des Durchsuchungsbeschlusses habe sie sich mit den Worten geäußert: „Ich habe es geahnt.“ Später sei der Angeklagte, der seiner Arbeit als Zeitungsausträger nachgegangen war, dazugekommen. „Wir haben uns internet- und speicherfähige Geräte aushändigen lassen. Sowohl der Angeklagte als auch seine Partnerin haben bereitwillig alles herausgegeben“, so der Beamte.

Was hat sich nun wirklich auf den Geräten an kinderpornografischen Daten befunden? Dies herauszufinden, war Aufgabe des Sachverständigen Nico Müller. Dessen Unternehmen unterstützt Staatsanwaltschaften, Gerichte und Polizei bei der forensischen Beweissicherung und erstellt Gutachten.

Foto per Whatsapp versendet

Von einem der beiden Smartphones sei am 23. Februar 2019 per Whatsapp das Bild mit kinderpornografischem Inhalt verschickt worden. Zwar habe der Angeklagte die Bilder gelöscht. Jedoch seien Bilder und Videos noch auf einer Speicherkarte enthalten gewesen, die sich im Smartphone befunden hat. Auf der sogenannten SD-Karte hat der Gutachter letztendlich 113 Bilder und 79 Videos eineindeutig sichern können. Das zweite beschlagnahmte Smartphone sei frei von verbotenem Inhalt gewesen. Das Tablet sei gesperrt gewesen, sodass ein Zugang nicht möglich gewesen sei.

Staatsanwältin Amelie Steffen sieht den Sachverhalt bestätigt, auch wenn die Zahl der Bilder und Videos korrigiert werden muss. „Ihre Aussage, dass sie nicht gewusst haben, um welche Art von Bilder es sich handelt, ist eine Schutzbehauptung“, stellt sie fest. Der Angeklagte habe sich des Verbreitens und des Besitzes kinderpornografischer Schriften schuldig gemacht.

Strafe zur Bewährung ausgesetzt

Für das Verbreiten setzt sie sechs Monate, für den Besitz drei Monate Haftstrafe an. Sie fordert als Gesamtstrafe sieben Monate Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollen. Zudem fordert sie eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Organisation und dass der Angeklagte die Kosten des Verfahrens trägt.

Richterin Ines Opitz schließt sich in ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Sie legt fest, dass die 500 Euro Geldstrafe an den Deutschen Kinderschutzbund zu zahlen sind. Außerdem ordnet sie an, dass ein Smartphone und das Tablet eingezogen werden. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass er eine strafbare Handlung begeht. Auch wenn es ihm jetzt peinlich sei, habe er das Angebot damals sehr wohl angenommen, so die Richterin.

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