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Mit einer Handdruckspritze fing alles an

Die Ortsfeuerwehr Richzenhain besteht seit 100 Jahren. Die Kameraden haben einen großen Wunsch.

Fürs Foto haben die Kameraden der Ortsfeuerwehr Richzenhain ihren Oldtimer aus dem Gerätehaus geholt. Im Stillen haben die Feuerwehrleute den 100. Geburtstag ihrer Wehr gefeiert. Das Auto ist nur 18 Jahre jünger.
Fürs Foto haben die Kameraden der Ortsfeuerwehr Richzenhain ihren Oldtimer aus dem Gerätehaus geholt. Im Stillen haben die Feuerwehrleute den 100. Geburtstag ihrer Wehr gefeiert. Das Auto ist nur 18 Jahre jünger. © Dietmar Thomas

Waldheim. Es dauert ein bisschen länger, bis die Drehleiter DL 26 Magirus Deutz aus dem Feuerwehrgerätehaus der Richzenhainer Ortsfeuerwehr herausgefahren ist. Die „alte Dame“ will nicht gleich anspringen. Aber die Feuerwehrmänner sehen es gelassen. Schließlich ist der Oldtimer vor 81 Jahren in Dienst gestellt worden und damit fast so alt wie die Richzenhainer Ortsfeuerwehr selbst.

Die Kameraden um Ortswehrleiter Jens Wrona blicken mit Stolz auf das 100. Jubiläum. Am 15. März 1921 wurde die Gründung der Ortsfeuerwehr Richzenhain vollzogen. Sie ging aus der Pflichtfeuerwehr hervor. Zur Ausstattung gehörten damals eine Handruckspritze, ein Hydrantenschlauchwagen und Leitern.

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Ein gut gepflegter Schatz

18 Jahre später wurde das Feuerwehrgerätehaus an der Hauptstraße eingeweiht, welches heute noch der Standort der Ortsfeuerwehr Richzenhain ist. Zwar gibt es den Ortsteil Richzenhain inzwischen gar nicht mehr – das ist heute die sogenannte Weststadt von Waldheim – die Ortsfeuerwehr heißt jedoch immer noch Richzenhain.

Die alte Drehleiter ist so etwas wie das Schätzchen der Richzenhainer Kameraden. „Sie wird von den älteren Mitgliedern gehegt und gepflegt. Unterstützung gibt der Feuerwehrverein und auch viele Spenden sind schon geflossen.

Deshalb ist sie auch noch voll einsatzfähig“, sagt Gruppenführer Nick Ziegenbalg. Ein Motorschaden im Jahr 2017 ist auch mithilfe von Spenden repariert worden. Bei Festen und Umzügen kommt der Oldtimer regelmäßig mit zum Einsatz.

Das wäre mit Sicherheit auch bei der Feier des 100. Geburtstages der Ortsfeuerwehr so gewesen. Gefeiert werden kann zurzeit wegen der Corona-Pandemie aber gar nicht. „Vielleicht holen wir es im nächsten Jahr nach“, sagt der Ortswehrleiter.

Im Jahr 1939 wurde nicht nur die alte Drehleiter in Dienst gestellt. Im Februar 1939 wurde auch das Gerätehaus an der Hauptstraße eingeweiht.
Im Jahr 1939 wurde nicht nur die alte Drehleiter in Dienst gestellt. Im Februar 1939 wurde auch das Gerätehaus an der Hauptstraße eingeweiht. © privat

Die Truppe wächst

Viel wichtiger sind ihm und seinen 19 Mitstreitern, dass sie sich regelmäßig zu den Diensten treffen und damit ihre Einsatzbereitschaft sichern können. Doch gerade in der Ausbildung bleibt wegen Corona vieles auf der Strecke.

„Zwei 16-Jährige sind neu in unserer Ortsfeuerwehr. Die benötigen noch die Grundausbildung. Erst dann dürfen sie mit zum Einsatz“, sagt Nick Ziegenbalg. Schulungstermine sind aber derzeit nur sehr schwer oder gar nicht zu bekommen.

Ansonsten sieht der Gruppenführer die 20 Mann starke Einsatzabteilung auf einem guten Ausbildungsstand. Durch die neuen Kameraden werde sich auch die Zahl der Atemschutzgeräteträger erhöhen. Derzeit verfügen fünf Kameraden über diese Ausbildung. Aufgrund der Zahl an Maschinisten und Atemschutzgeräteträger sei die Einsatzbereitschaft so gut wie durchgängig gewährleistet.

Zum Vergleich: Im Jahr 2013 gehörten lediglich acht Kameraden der Richzenhainer Wehr an. „Drei Kameraden unterstützen uns in der Alters- und Ehrenabteilung. Wir wachsen. Darauf sind wir stolz und freuen uns sehr, wenn es noch mehr werden“, so Nick Ziegenbalg.

Ein LF 10 ist großer Wunsch

Einen großen Wunsch haben die Richzenhainer Feuerwehrleute. „Unser Löschgruppenfahrzeug LF 16 stammt aus dem Jahr 1990. Es hat kein Löschwasser und eine nur sehr unzureichende Beladung zur technischen Hilfeleistung, Brandbekämpfung und vor allem für die Menschenrettung“, erklärt Nick Ziegenbalg.

Es soll durch ein LF 10 ersetzt werden. „Die Planungen dafür laufen. Dieses Jahr soll der Fördermittelantrag gestellt werden und wir hoffen, dass die Zuschüsse dann nächstes Jahr da sind“, so der Gruppenführer.

Das neue Fahrzeug soll neben der Brandbekämpfung auch für die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen ausgestattet sein – insbesondere aber auch für die Menschenrettung. „Das ist gerade für unser Einsatzgebiet, in dem es ein Gewerbegebiet, viele Wohnhäuser, aber auch eine Schule und einen Kindergarten gibt, sehr wichtig“, betont er.

Bei der Leiterweihe im Jahr 1924 ist dieses Foto von den Kameraden der Feuerwehr Richzenhain entstanden.
Bei der Leiterweihe im Jahr 1924 ist dieses Foto von den Kameraden der Feuerwehr Richzenhain entstanden. © privat

Mehr technische Hilfeleistungen

Mit der jetzigen Ausstattung sei es nahezu unmöglich, nach acht spätestens neun Minuten ein entsprechendes Löschgruppenfahrzeug zur Verfügung zu haben, mit welchem ein Angriffstrupp zur Menschenrettung vorgehen kann, erläutert der Gruppenführer. Nach 13 Minuten sei es beinahe unmöglich, eine aus dem Feuer und Rauch gerettete Person wiederzubeleben. Da zähle wirklich jede Minute.

Darüber hinaus soll das LF 10 auch für die Vegetations- und Waldbrandbekämpfung ausgestattet sein. „Wegen des Klimawandels ist das ein nicht zu unterschätzendes Ausstattungsmerkmal“, so Nick Ziegenbalg.

Überdies bilden sich die Richzenhainer Kameraden auch für technische Hilfeleistungen fort. Derartige Einsätze häufen sich in letzter Zeit. Ein Kamerad habe diese Ausbildung im vergangenen Jahr absolviert. Dieses Jahr folgen drei weitere.

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