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Döbeln

Perfekte Sinnestäuschung in Waldheim

Wer sich das Wandbild an der Gartenstraße anschaut, kann ins Grübeln kommen. Denn der Maler, der dort steht, ist nicht angewachsen. Es scheint nur so.

Zweimal Malermeister Christian Schell: Einmal auf dem Wandbild an der Gartenstraße in Waldheim und einmal „in echt“ davor.
Zweimal Malermeister Christian Schell: Einmal auf dem Wandbild an der Gartenstraße in Waldheim und einmal „in echt“ davor. © Dietmar Thomas

Waldheim. Wenn aus Fragezeichen im Kopf großes Staunen wird, dann ist es wahrscheinlich, dass Nico „Cebu“ Roth seine Hände im Spiel hat. Der 37-Jährige ist freischaffender Tattoo- und Graffiti-Künstler, lebt heute im vogtländischen Adorf. Trotzdem hat er auch eine „Beziehung“ zu Waldheim.

In der vergangenen Woche ist er in die Zschopaustadt zurückgekehrt, dorthin, wo er einige seiner Jugendjahre verbracht hat. „Es war toll“, schwärmt er beinahe so wie die Betrachter über das Ergebnis seiner Arbeit an der Gartenstraße.

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Alles aus der Dose

Dort hat Roth eine etwa 15 Meter lange Wand, die zu einer Lagerhalle auf dem Grundstück der Malerfirma von Michael Schell gehört, gestaltet. Aber nicht einfach so mit Farbe und Pinsel. „Es ist alles gesprayt“, versichert Nico Roth. Entstanden ist ein fotorealistisches Bild, bei dem sich mehrmaliges Hinsehen nicht nur lohnt, sondern beinahe unverzichtbar ist.

Wer auf das Wandbild zufährt, der glaubt, den Handwerker beim Arbeiten zu sehen. Auch DA-Fotograf Dietmar Thomas wundert sich, dass Christian Schell für die Verabredung zum Foto schon bereitsteht. Doch das tut er gar nicht. Die Sinnestäuschung ist perfekt. „Ein mega Kunstwerk“, findet auch Christian Schell, der wie sein Vater Malermeister und in dessen Firma angestellt ist.

Tierisches in Grünlichtenberg

„Wir hatten die Gestaltung dieser Wand schon seit Jahren vorgehabt“, erzählt Christian Schell. Über ein Projekt an der Grundschule in Grünlichtenberg sei er dann mit Nico Roth in Kontakt gekommen. „Cebu“, so der Künstlername des 37-Jährigen, hart dort im Winter dieses Jahres entzückende Tiermotive an die Wände gebracht. Davon sind Schüler wie Eltern und Lehrer nach wie vor begeistert.

Bewunderung wird das Wandbild an der Gartenstraße in Waldheim ebenso hervorrufen. Die ersten Grundschüler haben noch am letzten Schultag einen Blick auf die Anfangsgestaltung der etwa 40 Quadratmeter großen Fläche werfen können. Danach war Roth am Wochenende und dann noch zu Beginn dieser Woche in Waldheim, um sein Werk zu vollenden.

Erst Schandfleck, jetzt Hingucker

Die meisten Kinder werden es im Endzustand wohl erst am 1. November zu sehen bekommen. Dann hält der Schulbus nach den Herbstferien wieder genau vor diesem Bild. „Ich hoffe, die Schüler werden sich freuen“, sagt Christian Schell.

Die Firma habe als Sponsor auf eine kindgerechte Gestaltung geachtet. „Wir sind nun total begeistert, dass die vorher unansehnliche Wand zu einem derartigen Hingucker geworden ist“, so der Handwerksmeister. „Wir hoffen, es ist etwas Bleibendes.“

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Nico Roth hört es gern, dass seine Arbeit bei seinem Auftraggeber und einigen Schülern als erste Bewunderer gut angekommen ist. Das Konzept sei gemeinsam mit den Schells entwickelt worden – wie so oft bei Auftragsarbeiten. Dafür ist der 37-Jährige inzwischen weltweit unterwegs. „Der Durchbruch auf dem internationalen Markt gelang ihm 2009“, schreibt die Stadt Adorf auf ihrer Internetseite.

Inzwischen weltweit unterwegs

Auf der berichtet die Kommune stolz über Roth als einen aufstrebenden Künstler aus dem vogtländischen Ort. Dort hat er mehrere Hausgiebel gestaltet. Auf einem wird so auf besondere Weise auf das Perlmutter- und Heimatmuseum an der B92 hingewiesen.

Die Werke von Nico Roth sind unter anderem in China, New York, Italien oder Österreich zu sehen, aber auch in Mittelsachsen kann der aufmerksame Beobachter einem „Cebu“ begegnen – und das nicht nur an Fassaden.

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Roths Spezialgebiet sind Airbrush-Arbeiten, Graffiti, Acryl- und Ölmalerei. Regional ist er außerdem für seine fantasievoll gestalteten Auto- und Motorradkarosserien bekannt, von denen einige mitunter auf den Straßen Adorfs und der Umgebung bewundert werden können.

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