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Roßwein und Leisnig reißen Bruchbuden ab

Über Jahre haben sich die Kommunen mit den beiden Schandflecken beschäftigt. Zumindest der Roßweiner verschwindet bis zum Sommer.

Roßwein hat nach Jahren des Hin und Her jetzt grünes Licht für den Abriss der ehemaligen Destille. Nach Ostern rückt die Firma an.
Roßwein hat nach Jahren des Hin und Her jetzt grünes Licht für den Abriss der ehemaligen Destille. Nach Ostern rückt die Firma an. © Dietmar Thomas

Roßwein/Leisnig. Die Destille hat die längste Zeit an der Querstraße 17 am Rande des Roßweiner Stadtzentrums gestanden. Der Auftrag zum Abriss des durchaus geschichtsträchtigen Gebäudes ist vergeben.

In der Woche nach Ostern, eher aber ab dem 12. April, so denkt Bürgermeister Veit Lindner (parteilos), werden Mitarbeiter der Firma Umtech GmbH aus Rochlitz anrücken und wahrscheinlich mit Entkernungen beginnen. Der Abriss kostet die Kommune rund 50.000 Euro. Diese Summe hat Roßweins Kämmerin Bianka Graf im aktuellen Haushaltplan berücksichtigt.

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Der Rathauschef hofft, dass dann zur nächsten Ratssitzung im April der Auftrag für die Gestaltung des Geländes vergeben werden kann. Auf der entstandenen Freifläche sollen Pkw-Parkplätze für Anwohner entstehen.

Die Beschränkung auf Pkw ist deshalb notwendig, weil das Eingangsportal der früheren Destille genauso erhalten bleiben soll wie einen Teil der Außenmauer. Inwieweit das möglich ist, muss sich beim Abriss zeigen, wenn detaillierte Aussagen über den Zustand der Grundmauern möglich sind.

Runter von der Denkmalliste

Der Erhalt von Außenmauern und Portal soll an das Denkmal an dieser Stelle erinnern. Aufgrund des desolaten Zustandes wird es jetzt von der offiziellen Denkmalliste verschwinden.

Völlig „kampflos“ haben sich die Mitarbeiter der Denkmalbehörden davon aber nicht verabschiedet. Der von ihnen geforderten Sanierung konnte die Kommune als Eigentümer nur ein Gutachten entgegenstellen, nach dem ein Erhalt des Hauses im Vergleich zum Abriss in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis steht. Im Laufe der vergangenen Jahre waren beispielsweise schon Decken in dem Gebäude eingestürzt.

Darüber hinaus gab es immer Probleme mit der Sicherung des Objektes. Letztlich mussten die Fußgänger durch eine Bauzaunabsperrung vor möglichen herunterstützenden Teilen wie Ziegel oder Putz geschützt werden.

Unendliche Geschichte in Meinitz

Wann sich auch in Meinitz alles in dieser Art zum Guten wendet, dass dort der Abrissbagger anrücken kann, das steht noch nicht endgültig fest. Sicher ist zunächst einmal, dass sich in naher Zukunft etwas bewegen kann, weil es einen Eigentümerwechsel des zentralen Grundstückes in der Dorfmitte gibt.

Das ist den Einheimischen schon seit langem ein Dorn im Auge. Dies hatte nichts mit den ehemaligen Bewohnern zu tun, sondern vielmehr mit dem, was sie hinterlassen haben. Der ehemalige Mehrseithof ist zu großen Teilen ruinös. Nach einem Brand wurden schon einmal eingestürzte Balken und andere Gebäudeteile entfernt, damit davon keine Gefahr mehr ausgehen kann.

Schön war und ist das Grundstück trotzdem nicht anzusehen. Dennoch haben es die Meinitzer jeden Tag vor Augen und auch bei Feiern auf dem gegenüberliegenden Gemeinschaftsplatz konnten sie ihren Gästen den trostlosen, verwahrlosten Anblick nicht ersparen.

Schulden im Grundbuch eingetragen

Schon vor Jahren hätte die Kommune handeln wollen. Als Problem stellte sich damals unter anderem heraus, dass Haus und Hof einer Erbengemeinschaft gehört, ein Teil davon Kinder waren. Das ist inzwischen nicht mehr so. Deshalb ist es der Kommune gelungen, sich mit den Erben über einen Kauf des knapp 2.700 Quadratmeter großen Grundstückes zu einigen. Die Stadträte stimmten dem in der vergangenen Woche zu.

Dem Kaufpreis von einem symbolischen Preis stehen allerdings Kosten von rund 30.000 Euro entgegen. So muss Leisnig unter anderem im Grundbuch stehende Schulden begleichen – theoretisch auch für Forderungen, die sie selbst gestellt hatte. So sind von 2005 bis jetzt knapp 10.000 Euro an Grundschulden aufgelaufen. Mit Mahn- und anderen Gebühren hatte sich diese Summe inzwischen verdoppelt.

„In einer der nächsten Sitzungen werden die Stadträte gebeten, diese Forderungen niederzuschlagen“, kündigte Bauamtsleiter Thomas Schröder an. Weitere Forderungen hatten sich der Wasserverband Döbeln-Oschatz und eine Privatperson, die dem bisherigen Eigentümer Geld geborgt haben will, eintragen lassen. Laut Schröder will derjenige zumindest auf einen Teil dieser Schulden verzichten.

Seit mehr als zehn Jahren versucht die Stadt Leisnig, auf einem zentralen Grundstück im Ortsteil Meinitz für Ordnung zu sorgen. Mit einem erst jetzt möglichen Grundstückskauf könnte das gelingen.
Seit mehr als zehn Jahren versucht die Stadt Leisnig, auf einem zentralen Grundstück im Ortsteil Meinitz für Ordnung zu sorgen. Mit einem erst jetzt möglichen Grundstückskauf könnte das gelingen. © Dietmar Thomas

Nachdem alle Formalitäten erledigt und die Kommune Eigentümer des Grundstückes ist, soll dem Bauamtsleiter zufolge ein Abriss der verbliebenen Gebäude erfolgen. Wenn möglich, will die Kommune dafür Fördergeld in Anspruch nehmen. Aber auch ein Eigenanteil in Höhe von rund 4.500 Euro sei zu kalkulieren. Dass der Abbruch noch 2021 passiert, will Thomas Schröder nicht versprechen.

Auf der beräumten Fläche können sich Bürgermeister Tobias Goth (CDU) und der Bauamtsleiter gut eine Neubebauung mit Eigenheimen vorstellen. Ungefähr drei hätten auf dem Grundstück Platz.

Aber auch zwei sollten genügen, wenn sich anbietet, auf dem Grundstück noch einen Buswendeplatz einzurichten. Der wird in Meinitz gebraucht. „Eine abschließende Entscheidung darüber steht aber noch aus“, so Thomas Schröder.

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