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THW greift bei Abriss als Feuerwehr ein

Schon lange drohte der Schornstein eines Hauses an der Hauptstraße in Limmritz abzustürzen. Das ist er jetzt auch – aber nicht unkontrolliert.

Weil Gefahr im Verzug war, hat die Stadt Döbeln jetzt ein baufälliges Haus an der Hauptstraße in Limmritz vom THW abreißen lassen. Damit ist die Gefahr gebannt. Einer der Giebel war nicht mehr standsicher. Der Schornstein drohte herabzustürzen.
Weil Gefahr im Verzug war, hat die Stadt Döbeln jetzt ein baufälliges Haus an der Hauptstraße in Limmritz vom THW abreißen lassen. Damit ist die Gefahr gebannt. Einer der Giebel war nicht mehr standsicher. Der Schornstein drohte herabzustürzen. © Heike Heisig

Döbeln. Einige Limmritzer sind am Vorfeiertag freiwillig auf die Straße gegangen. Allerdings nicht, um zu demonstrieren, wie vielleicht vor 30 Jahren. 

Vielmehr wird an der Hauptstraße gegenüber der Partyscheune ein Haus zum Teil abgerissen. Das wollen sich die Bewohner der umliegenden Grundstücke nicht entgehen lassen. Und es ist auch spannend. Denn es passiert, wovor vor allem der unmittelbare Nachbar Christian Paul seit Jahren Angst hatte: Der marode Schornstein des wahrscheinlich zwischen 1860 und 1900 gebauten Fachwerkhauses stürzt zu Boden.

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Personen kommen dabei nicht zu Schaden. Ein wenig Sachschaden entsteht aber schon. Das große Hofeingangstor von Familie Paul hat etwas abbekommen und auch die Abdeckung der Mauer, die beide Grundstücke voneinander trennt.

Experten beraten vor Ort

Trotzdem zeigt sich Christian Paul erleichtert. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das noch erlebe“, gibt der Rentner zu. Seit Jahren schon hatte er auf das Problem aufmerksam gemacht, offene Ohren zum Beispiel bei den Ortschaftsräten um Arndt Patzig gefunden. 

Neben den Anwohnern sind auch Döbelns Baudezernent Thomas Hanns und Ordnungsamtschef Jürgen Müller nach Limmritz gekommen. Die Kommune hat den Teilabriss des maroden Hauses beauftragt. Der Besitzer sei nicht in der Lage, sich um die dringend nötigen Sicherungen zu kümmern, erklärt Müller. 

„Weil Gefahr im Verzug war, haben wir in diesem Fall auf das Technische Hilfswerk THW als Partner für den Abriss zurückgegriffen.“ Während der Arbeiten wird noch ein Statiker hinzugezogen. Überdies ist die gesamte Zeit ein Baufachberater vor Ort, den das Döbelner THW in seinen Reihen hat.

Die Hälfte des maroden Daches des Hauses in Limmritz ist schon weg. Der hintere Teil hätte für den neuen Gastank des Nachbarn zu einer Gefahr werden können.
Die Hälfte des maroden Daches des Hauses in Limmritz ist schon weg. Der hintere Teil hätte für den neuen Gastank des Nachbarn zu einer Gefahr werden können. © Heike Heisig
Teile des Schornsteins sind - wie befürchtet - abgestürzt. Allerdings nicht überraschend bei einem Sturm. Vielmehr konnten sich die Nachbarn in Sicherheit bringen. Kleine Schäden sind am Hoftor und an der Grundstücksmauer entstanden.
Teile des Schornsteins sind - wie befürchtet - abgestürzt. Allerdings nicht überraschend bei einem Sturm. Vielmehr konnten sich die Nachbarn in Sicherheit bringen. Kleine Schäden sind am Hoftor und an der Grundstücksmauer entstanden. © Heike Heisig
Weil der Bagger auch von der Straße aus agierte, erwies sich die Sperrung der Hauptstraße in Limmritz als gut und vorausschauend geplant. Der Bus konnte passieren. Dafür ruhte der Abriss.
Weil der Bagger auch von der Straße aus agierte, erwies sich die Sperrung der Hauptstraße in Limmritz als gut und vorausschauend geplant. Der Bus konnte passieren. Dafür ruhte der Abriss. © Heike Heisig

Der hiesige THW-Ortsbeauftragte Christian Winkler ist für diesen Einsatz dankbar, auch wenn den nicht ausschließlich „seine“ Leute stemmen. Dafür kommen fünf THW-Kollegen aus Chemnitz mit dem Kettenbagger nach Limmritz.

 In Döbeln wird als Technik unter anderem ein Radlader vorgehalten. „Damit hätten wir hier nichts ausrichten können“, begründet er die Anforderung aus Chemnitz. Dass die Ehrenamtlichen des THW den Abbruch eines Hauses bewältigen müssen, kommt eher selten vor. Deshalb sei ein solches Übungsobjekt prima.

 „Der marode Schornstein und der sich neigende Giebel waren zwei Problempunkte, die zu beachten waren“, umreißt der Ortsbeauftragte die Herausforderungen. Die meistert der Mann im Bagger mit Bravour, wie Christian Winkler findet. 

Mikado mit dem Sortiergreifer

Weil die Sicht im Führerhaus begrenzt ist, arbeitet der Baggerfahrer auf Anweisung eines Kollegen, der draußen mehr sieht. So landet der Sortiergreifer, der ein 3-D-Denken erfordert, fast immer genau dort, wo er soll. 

Große alte Balken zieht der Maschinist vorsichtig aus dem Haus, das mehr und mehr eine Ruine wird, und legt sie vorsichtig – fast wie beim Mikado – neben dem Gebäude ab. So bleibt sogar manche Fensterscheibe heile. An den meisten hingen noch Gardinen. 

Gefahr gebannt, aber der Schandfleck bleibt vorerst

Nach etwa anderthalb Stunden ist der Grundauftrag erledigt, ist die Gefahr gebannt, die von dem maroden Haus ausgeht. Früher hat es wahrscheinlich jeder Limmritzer auch von innen gekannt. 

„Es war einmal eine Kneipe, später eine Sattlerei und danach wurde es landwirtschaftlich genutzt“, erzählt Nachbar Paul. Zuletzt sei es von einer Familie bewohnt worden. Nach deren Auszug war es immer mehr verfallen und zur Gefahr geworden. 

Das Gelände wird vorläufig weiter ein Schandfleck bleiben. „Weil wir nicht Eigentümer sind, können wir jetzt erst einmal nur das Nötigste machen. Das war die Sicherung“, so Ordnungsamtsleiter Müller. Wenn es der Stadt gelinge, das Grundstück zu kaufen, werde weiter aufgeräumt. 

Das Taubenhaus darf wieder raus

Christian Paul hat auf seinem Hof schon einmal die Trümmerreste zusammengekehrt und sein vor ein paar Jahren gekauftes Taubenhaus wieder aufgebaut. Nachdem von dem Nachbargebäude Teile der Dacheindeckung abgestürzt waren, hatte er dieses in Sicherheit gebracht. 

Sicher steht jetzt auch sein neuer Heizöltank. Den wollten die Monteure eigentlich gar nicht aufstellen beziehungsweise in Betrieb nehmen – zu gefährlich neben solch einem einsturzgefährdeten Gebäude.

Helfer in diesem Jahr mehr als sonst gefordert

Für das THW Döbeln war der Übungseinsatz am Freitag die 15. Anforderung in diesem Jahr. „Das ist verhältnismäßig viel“, sagt Christian Winkler, „aber zugleich auch eine gute Motivation für unsere Mitglieder.“ Außerdem werde so das Zusammenspiel mit den weiteren Rettungskräften wie der Feuerwehr immer routinierter.

Auch in Limmritz waren Feuerwehrleute aus Döbeln dabei. Vorher agierten Ehrenamtliche von THW und Feuerwehr zum Beispiel bei einem Hausbrand im Leisniger Ortsteil Kalthausen oder beim Strohbrand in Böhrigen Seite an Seite. 

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Gerade bei letztgenanntem Einsatz oder auch bei der fast 24 Stunden dauernden Hilfeleistung nach dem Austritt giftiger Gase in Leisnig hat sich Winkler zufolge gezeigt, dass die THW-Ortsgruppe noch mehr Helfer benötigt. „Auch, um Leute im Einsatz einmal ablösen und austauschen zu können“, erklärt der Ortsbeauftragte. 

Er kann im Moment auf 25 ausgebildete Helfer zurückgreifen. Allerdings auch nicht rund um die Uhr. Nicht alle Arbeitgeber seien verständnisvoll.

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