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Windkraft Leisnig

Wo ist es auf Leisniger Gebiet noch möglich, Windkraftanlagen zu bauen? Diese Frage wollen die Stadträte klären. Dagegen haben Anwohner wenig einzuwenden.

Können im 80 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet von Leisnig noch Windkraftanlagen gebaut oder modernisiert werden? Diese Frage lässt die Kommune klären.
Können im 80 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet von Leisnig noch Windkraftanlagen gebaut oder modernisiert werden? Diese Frage lässt die Kommune klären. © dpa

Leisnig. Zum Thema Windkraftanlagen gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen stören sich an den immer größer werdenden Anlagen, die in den hiesigen Regionen häufig entlang von Autobahnen stehen.

In der Nähe Wohnende fühlen sich mitunter von Schlagschatten genervt. Wieder andere haben nichts gegen die Windmühlen einzuwenden, freuen sich stattdessen an dieser Art und Weise der umweltfreundlichen Energiegewinnung.

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Unter diesem Umweltgesichtspunkt will die Stadt Leisnig ihren Flächennutzungsplan im Bereich Windenergie fortschreiben. Der Beschluss ist gefasst (wir berichteten).

Bürger werden weiterhin einbezogen

Um die Bürger schon frühzeitig in diese Planungen einzubeziehen, hat es am Dienstagabend in der Kulturscheune in Börtewitz eine Informationsrunde für interessierte Einwohner gegeben.

Sieben folgten der Einladung der Kommune und hörten sich die Erläuterungen von Bauamtsleiter Thomas Schröder, dem Flächennutzungsplaner sowie Projektentwicklern in Sachen Windenergie an.

Am Ende, so fasste es Schröder zusammen, gab es von den Anwesenden keinen spürbaren Gegenwind zu dem, was sich in Sachen Windenergie in Leisnig und den Ortsteilen entwickeln könnte.

Allerdings gab der Amtsleiter auch zu, dass die Runde nicht tausende von Anwohnern repräsentieren könne. Er sicherte zu, dass diese im Verlauf des Verfahrens noch mehrfach die Möglichkeit hätten, sich einzubringen, Fragen zu stellen und auch Bedenken zu äußern.

Und er stellte in Aussicht, dass die Stadträte von den Plänen oder Teilen davon absehen, wenn zu viele berechtigte Argumente gegen die Weiterentwicklung der Windkraft sprächen.

Schutzgebiete stehen der Windkraft entgegen

Wie der Planer schon den Räten vorstellte, sind bislang mehrere Flächen des rund 80 Quadratkilometer großen Gemeindegebietes danach betrachtet worden, wo sich Windkraft perspektivisch entwickeln könnte.

Da immer noch unterschiedliche Abstandsflächen und andere Parameter im Gespräch sind, gibt es aktuell zwei Betrachtungen. Wird die 1.000-Meter-Regel zur nächsten Bebauung angewendet, ist keine neue Anlage möglich.

Bei einem Abstand von 750 Metern kämen schon eine reichliche Handvoll Flächen in Betracht. Allerdings nur auf den ersten Blick. Bei einer Prüfung, in welchen Gebieten ein zu geringer Waldabstand oder Schutzgebiete der Windkraft entgegenstehen, fallen Bereiche wie der Hasenberg in Leisnig oder auch eine Randfläche von Börtewitz heraus. Letztere befindet sich wahrscheinlich zu nahe an dem Gebiet, in dem rund um Kemmlitz Kaolin abgebaut wird.

Es dürften wenige Standorte übrig bleiben

Letztlich dürften außer den bekannten Standorten in Sitten und Bockelwitz vielleicht noch ein oder zwei in Naunhof und Nicollschwitz übrig bleiben, auf denen sich Windenergiegewinnung auch in Zukunft realisieren lässt. Davon geht Jan Greschner aus.

Er ist Geschäftsführer der Firma New Energy GmbH, die für Anlagenbetreiber sogenannte Repowerings planen. Das sind Modernisierungen, bei denen Altanlagen zurückgebaut und durch eine kleinere Anzahl höherer und leistungsfähigerer Anlagen ersetzt werden. Dies ist sowohl für die Standorte Sitten und Bockelwitz als auch für Ablaß in der Nachbargemeinde geplant.

Moderne Anlagen besser für Mensch und Tier

Wie Jan Greschner auf Anfrage eines Anwohners aus Clennen erläuterte, seien Anwohner sowie die Tierwelt mittlerweile besser geschützt. Zum einen durch überarbeitete Richtlinien und zum anderen durch sensiblere Technik. So dürfte beispielsweise der Schattenwurf auf dem nächstgelegenen Grundstück 30 Minuten am Tag nicht überschreiten.

Wird die Anlage bei Vollleistung zu laut, sei es mittlerweile möglich, diese zu drosseln beziehungsweise abzuschalten. Ebenso gebe es Anlagen, die die Flugbewegung von Greifvögeln erfassen und sich gegebenenfalls abschalten. „Dadurch wird die Kollisionsgefahr mit den Rotorblättern bei größeren Anlagen minimiert“, erklärte Greschner.

Finanzielle Beteiligung für Leisnig nicht das Wichtigste

Der Gesetzgeber hat mittlerweile die Möglichkeit geschaffen, dass die Betreiber von Windenergieanlagen die Standortkommunen an den Erträgen beteiligen und ihnen 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom zahlen. Für vier moderne Anlagen, die in Sitten einmal stehen sollen, bekäme Leisnig nach dieser Rechnung 62.000 Euro im Jahr, rechnete der New-Energy-Chef vor.

Ebenso beteiligt würden Grimma und Mügeln als Umlandgemeinden. Im Gegenzug bekäme Leisnig dann auch Geld für die Ablaßer Anlagen. An den Vertretern vor Ort sei es dann dafür einzutreten, dass das Geld auch in denjenigen Ortschaften zum Einsatz komme, in denen die Windkraftanlagen stehen.

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Thomas Schröder stellte zu dieser Beteiligung klar, dass es der Kommune im Interesse der vielen Einrichtungen, die sie zu unterhalten hat, schon um Einnahmen geht. Trotzdem seien diese im Zusammenhang mit der Windenergie nicht das Wichtigste für Leisnig.

In diesem Punkt gehe es zuerst um die Möglichkeit, umweltfreundlich Strom zu erzeugen. Das sei den Menschen zunehmend wichtig, bestätigte Philipp Wille, Projektentwickler bei den Stadtwerken Leipzig.

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