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Zur richtigen Zeit online gegangen

Weder im eigenen Laden noch auf Märkten kann Familie Zimmermann in Etzdorf ihre Seifen derzeit verkaufen – im Internet schon.

Silke Knuth bietet im Kiebitzmarkt in Etzdorf alle Produkte des Mittelsachsenshops – einem jungen Online-Verkaufsportal – auch zum Sofortkauf an. Daniel Zimmermann hat das Projekt mit regionalen Manufakturen aufgebaut.
Silke Knuth bietet im Kiebitzmarkt in Etzdorf alle Produkte des Mittelsachsenshops – einem jungen Online-Verkaufsportal – auch zum Sofortkauf an. Daniel Zimmermann hat das Projekt mit regionalen Manufakturen aufgebaut. © Dietmar Thomas

Etzdorf/Mittelsachsen. Manch ein Händler musste sich in den vergangenen Monaten damit beschäftigen, wie er seine Waren an die Kunden bringt, wenn sein Laden coronabedingt geschlossen bleibt. Dieser Findungsprozess – möglicherweise sogar mit Existenzangst im Nacken – ist denjenigen erspart geblieben, die sich am Mittelsachsenshop beteiligten.

Im September vergangenen Jahres sind hauptsächlich Manufakturen aus dem Striegistal aber auch darüber hinaus mit eben jenem Shop übers Internet an die Kunden herangetreten. Deren Produkte verkauft Silke Knuth auch im Kiebitzmarkt im Etzdorf, in dem es sonst außerdem Geschenkartikel, Tierbedarf und Artikel für Haus, Hof und Garten gibt. Dort werden auch die Wünsche der Internetkunden zusammengestellt und auf den Postweg gebracht. Eine Stelle konnte damit geschaffen werden.

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Kunden legen auch im Internet Wert auf Regionalität

Obwohl Silke Knuth eher selten die Päckchen packt, weiß sie von ihrer Kollegin, dass Seife und Senf eine Konstellation ist, die im Internet überraschenderweise häufig zusammen gekauft wird. Im Laden ist das anders. Da greifen die Kunden häufig zu dem, was sie kennen, was ihren Geschmack trifft. Das kann gern auch etwas Ausgefallenes sein wie etwa in Rosenform geschnitztes Gemüse, das eine Handwerkerin aus Mittweida in kleinen Gläschen konserviert.

Und: „Wir haben gemerkt, dass die meisten Kunden sehr darauf schauen, dass die Waren wirklich regional sind. Nicht aus Dresden oder noch weiter weg, sondern von hier“, erzählt Silke Kurth. Deshalb denkt sie, dass das Angebot rund ist – beinahe jedenfalls.

Aus der Schubertmühle in Pappendorf kommen Kaffee und scharfe Sachen wie Senf. Weil die Manufakturen nur begrenzt Kapazitäten haben, könnte es mit manchen Produkten jetzt knapp werden. Die Senfmühle zum Beispiel wird 2020 nicht noch einmal angeworfen.
Aus der Schubertmühle in Pappendorf kommen Kaffee und scharfe Sachen wie Senf. Weil die Manufakturen nur begrenzt Kapazitäten haben, könnte es mit manchen Produkten jetzt knapp werden. Die Senfmühle zum Beispiel wird 2020 nicht noch einmal angeworfen. © Dietmar Thomas
Mit frechen Sprüchen kommen die "Ein-Richter" aus Marbach zu ihren Kunden nach Hause. Ansonsten kommen die Tischler eher selbst vorbei, um gefertigte Küchen oder anderes Mobiliar einzubauen.
Mit frechen Sprüchen kommen die "Ein-Richter" aus Marbach zu ihren Kunden nach Hause. Ansonsten kommen die Tischler eher selbst vorbei, um gefertigte Küchen oder anderes Mobiliar einzubauen. © Dietmar Thomas
Die Seifenmanufaktur aus Marbach gehört zu den Geschäften, die auf der Online-Plattform und im Kiebitzmarkt in Etzdorf präsent sind. Dort kann alles, was bestellbar ist, auch sofort gekauft werden - und ein wenig mehr. Fleischwaren gehen zum Beispiel nicht in den Versand.
Die Seifenmanufaktur aus Marbach gehört zu den Geschäften, die auf der Online-Plattform und im Kiebitzmarkt in Etzdorf präsent sind. Dort kann alles, was bestellbar ist, auch sofort gekauft werden - und ein wenig mehr. Fleischwaren gehen zum Beispiel nicht in den Versand. © Dietmar Thomas
Hochprozentiges aus der Feinbrand-Manufaktur von Eric Brabant aus Marbach können sich Genießer genauso nach Hause schicken lassen wie Wellness-Getränke, die zu den neuesten Produkten von Obstland gehören.
Hochprozentiges aus der Feinbrand-Manufaktur von Eric Brabant aus Marbach können sich Genießer genauso nach Hause schicken lassen wie Wellness-Getränke, die zu den neuesten Produkten von Obstland gehören. © Dietmar Thomas

Einen Schokolatier aus der Region würden sich die übrigen Beteiligten schon noch in ihrer Runde wünschen. „Etwas Süßes, das fehlt noch“, sagt die Geschäftsfrau aus Etzdorf. Bisher gibt es in dieser Richtung zum Beispiel Honig von verschiedenen Imkern. Der steht im Regal neben Kaffee und Senf, Produkten der Straußenfarm oder Hochprozentigem aus der Feinbrand-Manufaktur.

„Neu hinzugekommen sind seit der Eröffnung Tees der Biogärtnerei Rockmann aus Altenhof sowie erst vor kurzem Produkte von Sachsenobst“, sagt Daniel Zimmermann. Er hat vor beinahe zwei Jahren das Thema Online-Shop mehrerer regionaler Produzenten aufgegriffen. Dass die zusammengeschlossenen Selbstständigen damit größere Chancen haben, durch die Corona-Zeiten zu kommen, hat damals noch niemand gewusst.

Zusammenarbeit hat sich bewährt

„Selbst einen Online-Shop zu etablieren, das übersteigt die Möglichkeiten der meisten kleinen Manufakturen“, erklärt Daniel Zimmermann. Deshalb sei der Aufbau eines gemeinsamen Internetportals für den Raum Mittelsachsen Inhalt des über die Leaderregion „Klosterbezirk Altzella“ geförderten Projektes gewesen. Obwohl die bewilligten Zuschüsse noch immer nicht bei den Beteiligten eingegangen sind, habe sich die Zusammenarbeit schon mehrfach bewährt.

„Unser Anliegen ist ja auch, dass sich einer für alle um Forderungen kümmert, die umzusetzen sind“, so Zimmermann. Dieser Herausforderung musste er sich schon stellen, und zwar ging es um Nährwerttabellen, die inzwischen auf beinahe jedem Lebensmittel aufgedruckt sein müssen. „Unternehmen, die für den Handel produzieren, wissen das. Aber kleineren Produzenten verlangt es einiges ab, wenn sie sich da allein in die Bestimmungen einlesen und die umsetzen müssen.“

Präsente statt Feiern

„Die Manufakturen sollen sich da lieber auf die Produktion konzentrieren“, findet Silke Knuth, deren Part die Vermarktung ist. Auch auf Märkten. Dazu ließen ihr die Einschränkungen durch Corona gerade im vergangenen Jahr kaum Gelegenheit.

Doch da hat das kleine Team aus der Not eine Tugend gemacht und wiederum regionale Partner angeschrieben und ihnen ein Angebot unterbreitet: „Die meisten konnten und können keine Feiern für Mitarbeiter anbieten. Als Alternative haben wir Präsente mit Produkten aus der Region gepackt. Das ist prima angekommen“, freut sich Silke Knuth.

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