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Pro Bahn: „Gutachten kommt zu spät“

Der Fahrgastverband sieht bei der Studie zur Reaktivierung von Strecken Nachbesserungsbedarf. Er fordert konkrete Schritte.

Die Strecke Döbeln - Meißen soll möglicherweise reaktiviert werden. Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelt das kürzlich vorgestellte Gutachten.
Die Strecke Döbeln - Meißen soll möglicherweise reaktiviert werden. Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelt das kürzlich vorgestellte Gutachten. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert das Gutachten des Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Aktivierung stillgelegter Bahnstrecken.

„Das Gutachten kommt viel zu spät und hätte bereits in der letzten Legislaturperiode erstellt werden müssen. Während hier noch analysiert wird, schöpfen andere Bundesländer bereits die Fördermittel des Bundes aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz ab“, ärgert sich die Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn Mitteldeutschland, Anja Schmotz.

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„Dafür, dass das Gutachten in Sachsen so spät vorgelegt wurde, würde man ja nun erwarten, dass eine besonders ausführliche und detaillierte Studie vorliegt. Doch das Gutachten ‚besticht‘ durch Unvollständigkeit und Intransparenz im Vorgehen“, äußert Lukas Iffländer, Infrastrukturexperte des Fahrgastverbandes sein Unverständnis. Zahlreiche Strecken seien gar nicht berücksichtigt worden, so Iffländer und nennt als Beispiel die komplette Strecke Glauchau – Großbothen, welche nur zwischen Narsdorf und Großbothen untersucht worden sei.

Kritik an Äußerung des Verkehrsministers

Ebenso fragwürdig seien laut Iffländer die bei der Erstellung des Gutachtens verwendeten Methoden. Auf Vor-Ort-Termine zur Begutachtung der Strecken sei verzichtet worden, sagte Iffländer.

Kritik rufe auch die Äußerung von Verkehrsministers Martin Dulig (SPD) hervor, dass es wirtschaftliche Entscheidungen der Zweckverbände gewesen seien, die Strecken einzustellen. „Das ist nur die halbe Wahrheit. Der Minister verschweigt, dass die damaligen Kürzungen der Mittel für die Zweckverbände durch den Freistaat zu diesen Entscheidungen führten“, sagte Anja Schmotz.

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordere nun konkrete Schritte. „Die sechs für eine mögliche Reaktivierung ausgewählten Strecken sollten sofort ohne Warten auf weitere Potenzialanalysen umgesetzt werden, zumal für einige von ihnen bereits weitere Studien vorliegen“, so Schmotz.

Alle restlichen Strecken, auch jene, welche bisher im Gutachten noch komplett fehlen, sollen zudem mit einer detaillierten Studie und Vor-Ort-Analysen untersucht werden. „Zudem fordern wir einen sofortigen Stopp aller Aktivitäten zu Streckenstilllegungen, -rückbauten und -freistellungen wie für den derzeit in Arbeit befindlichen Planfeststellungsbeschluss zum Streckenrückbau Niedercunnersdorf-Oberoderwitz. So schafft man Fakten für die Verhinderung der Verkehrswende in Sachsen“, so Schmotz.

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