merken
PLUS Döbeln

Wie der Motocross nach Reinsdorf kam

Dietmar Raudies blickt auf ein rasantes Leben zurück. Zum 70. Geburtstag empfindet er vor allem große Dankbarkeit.

Dietmar Raudies (2. von links) hat die Begeisterung für den Motorsport an seine Söhne Veit (von links), Maik und Kai weitergegeben.
Dietmar Raudies (2. von links) hat die Begeisterung für den Motorsport an seine Söhne Veit (von links), Maik und Kai weitergegeben. © Dietmar Thomas

Waldheim. Wenn Dietmar Raudies, der kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, einmal ins Erzählen kommt, dann muss man als Zuhörer Zeit haben. Schier unerschöpflich sind die Geschichten des Mannes, ohne den es wohl keinen Motocross in Reinsdorf gegeben hätte.

Der Motorrad-Rennsport hat in der Familie Raudies Tradition. „1960 ist mein Opa beim Straßenrennen mitgefahren. Von 1962 bis 1968 startete der Onkel bei Cross-Bahnrennen sowohl solo als auch mit dem Seitenwagen“, so Raudies. Berühmtestes Familienmitglied ist Dietmars Cousin Dirk Raudies, der 1993 Weltmeister im Straßenrennen geworden ist und heute die Super-Bike-Weltmeisterschaft kommentiert.

Familien aufgepasst
Familien aufgepasst

Hier finden Sie alle Ergebnisse des Familienkompass 2020.

Turnen, Radfahren, Eishockey, Ski fahren waren die Sportarten, die Dietmar Raudies in seiner Jugend betrieben hat. Bis dann das Cross-Motorrad seine Verlockung ausströmte. Das Talent war offenbar von Anfang an vorhanden. 1967 sei er als Maurerlehrling mit dem SR 1, einem Mofa, nach Döbeln zur Berufsschule gefahren. 

„Auf dem Schulhof bin ich auf dem Hinterrad gefahren. Das hat die Mitschüler beeindruckt“, erinnert sich Dietmar Raudies mit einem Schmunzeln.

Seit 1972 mit Motorrad in Reinsdorf unterwegs

1970 sei er von seinem Wehrdienst zurückgekommen und von da an bis 1984 selbst Motocross gefahren. 1970 bestritt er in Rochlitz sein erstes Rennen und wurde Kreismeister. „Später kam noch der Bezirksmeistertitel dazu.“ Das Talent von Dietmar Raudies, der aus Tanneberg, heute ein Ortsteil von Mittweida, stammt, sprach sich herum.

Durch Werksfahrer der MZ-Sportabteilung bekam er Verbindung zum Diplom-Ingenieur für Zweiradsport Bernd Köhler. „Er hat geholfen, unsere Suzuki in Schuss zu halten. Während die westdeutschen Fahrer stets zwei Motorräder zur Verfügung hatten, hatten wir nur eins“, sagt Raudies. 

Auch wenn nicht mehr die ganz großen Rennen in Reinsdorf stattfinden, lebt die Tradition weiter. Veit Raudies (3. von links) ist einer der drei Söhne, die die Leidenschaft des Vaters übernommen haben.
Auch wenn nicht mehr die ganz großen Rennen in Reinsdorf stattfinden, lebt die Tradition weiter. Veit Raudies (3. von links) ist einer der drei Söhne, die die Leidenschaft des Vaters übernommen haben. © Archiv/Dietmar Thomas

Er habe immer Geld auftreiben müssen, um den Sport zu finanzieren. „Ich muss mich bei Rainer Weißflog und vielen Sponsoren und Helfern bedanken, die unseren Sport unterstützt haben“, so der 70-Jährige.

Seine Frau Viola hat Dietmar Raudies 1972 beim Tanzen in Kriebethal kennengelernt. 1975 wurde geheiratet. Sie ließ sich von der Motorsportbegeisterung ihres Mannes anstecken. 1972 ging es schon in Reinsdorf los. Die Strecke befand sich damals auf dem heutigen BMX-Areal. Sie verlief auch über die Straße. 

Wolfsschlucht: Zuschauerzahlen über 20.000

„Das war damals kein Problem. Der ‚Sheriff‘ hat mit mir damals alles abgesperrt. Heute ginge das gar nicht mehr“, so Raudies. Auch im Dorf sei die Unterstützung groß gewesen. „Alle haben geholfen. Sei es bei der Übernachtung der Fahrer, beim Aufbau der Strecke oder anderen Gelegenheiten“, so Raudies.

1974 organisierte das Team um Dietmar und Viola Raudies in Reinsdorf das erste Moto-Cross-Rennen. „150 Zuschauer waren damals in die Wolfsschlucht gekommen. Ein Jahr später waren es schon über Tausend“, erinnert sich Dietmar Raudies. Am 12. Mai 1977 wurde der MC Reinsdorf gegründet, der bis heute 150 Rennveranstaltungen organisiert hat.

Zuvor liefen die Rennen unter der Organisation des Dorfclubs, dessen Chefin Viola Raudies war. Der MC Reinsdorf organisierte nun jedes Jahr ein großes Rennen, auch wenn das nicht immer einfach war. 1981 gab es den ersten DDR-Meisterschaftslauf, in den Jahren von 1989 bis 1991 sogar internationale Rennen. 

Die Zuschauerzahlen in der Wolfsschlucht stiegen immer mehr, und erreichten schließlich Marken jenseits der 20.000. Unterstützung bekamen die Reinsdorfer Organisatoren auch vom sogenannten Waffenbruder. 

„Ein Oberstleutnant der Sowjetarmee, der in Leisnig stationiert war, hat Streckenposten abkommandiert und auch Technik bereitgestellt“, so Raudies.

Söhne von Dietmar Raudies treten in Fußstapfen

Nach einem Jahr Pause orientierte sich der Verein ab 1993 neu. Heiko Köhler, der 1999 tödlich verunglückte, trieb den Ausbau der neuen Strecke auf dem elterlichen Land von Viola Raudies voran. Zudem wurde in den folgenden Jahren die BMX-Bahn zu einem Schmuckstück ausgebaut, außerdem die Naturtribüne eingeweiht.

Maik Raudies (mitte rechts) und Anne Raudies haben im August 2020 ihr Ja-Wort in Waldheim gegeben.
Maik Raudies (mitte rechts) und Anne Raudies haben im August 2020 ihr Ja-Wort in Waldheim gegeben. © Archiv/Lutz Weidler

Dietmar Raudies selbst hat 1984 als Aktiver aufgehört. Die Familie baute auf dem elterlichen Grundstück von Viola ein Haus. 1977, 1980 und 1984 kamen die Söhne Maik, Veit und Kai zur Welt. Sie traten in die Fußstapfen des Vaters, fuhren zunächst BMX, später auch Motocross. Mit Stolz berichtet der Vater von ihren Erfolgen. Doch das ist schon wieder eine Geschichte für sich. Im August 2020 gab es die Hochzeit zwischen Maik und seiner Anne

Weiterführende Artikel

Reinsdorfer triumphieren mit Sachsen

Reinsdorfer triumphieren mit Sachsen

Drei Piloten von Raudies Racing starteten bei den Cross-Finals. Dort gab es für die Auswahl des Freistaates Grund zum Feiern.

Als Rennkommissar hatte Dietmar Raudies auch nach seiner aktiven Zeit Verbindungen in die große Motosportwelt. Gern denkt er an Sylvain Geboers, einen ehemaligen Moto-Cross-Rennfahrer aus Belgien. „Er hat mich immer unterstützt und auch einmal in Reinsdorf besucht“, so Raudies.

Mehr aktuelle Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln