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110 Jobs gehen in Roßwein verloren

Das ehemalige Schmiedewerk schließt zum Ende des Jahres. Der Schock bei der Belegschaft sitzt tief. „Ein schwarzer Tag für Roßwein“, so Roßweins Bürgermeister.

Ende vergangenen Jahres hat der Betriebsleiter des Roßweiner Standortes der Frauenthal Powertrain GmbH Lokalpolitiker wie Landrat und Bürgermeister noch durch die Produktion geführt. Jetzt steht fest: Ende des Jahres schließt das frühere Schmiedewe
Ende vergangenen Jahres hat der Betriebsleiter des Roßweiner Standortes der Frauenthal Powertrain GmbH Lokalpolitiker wie Landrat und Bürgermeister noch durch die Produktion geführt. Jetzt steht fest: Ende des Jahres schließt das frühere Schmiedewe © Dietmar Thomas

Roßwein. Bei einer Belegschaftsversammlung haben die rund 110 Beschäftigen des früheren Schmiedewerkes am Freitag erfahren, dass Frauenthal den Standort in Roßwein zum Jahresende schließen wird.

Weshalb, erklärt Pauline Marlier von der Unternehmensgruppe folgendermaßen: „Das Geschäft der Frauenthal Powertrain GmbH hat sich leider sehr rückläufig entwickelt. Das Geschäftsjahr 2020 wird mit einem hohem Verlust abschließen. Große Auftragsverluste aus der Vergangenheit konnten durch neu gewonnene Aufträge bei weitem nicht kompensiert werden. Die aktuelle Corona-Krise hat diese Entwicklung beschleunigt.“ 

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Prognostisch sei für die nächsten Jahre nicht mit einer wesentlichen Änderung der Nachfragesituation und damit auskömmlichen Umsätzen zu rechnen. „Um die langfristige Zukunftsfähigkeit sicherzustellen, sind die Konzentration auf das Werk Plettenberg und die Schließung des Werkes Roßwein zum 31. Dezember 2020 unumgänglich“, so Pauline Marlier.

Mitarbeiter sind enttäuscht

Das ist bitter für die hiesigen Beschäftigten. „In manchen Fällen arbeiten mehrere aus einer Familie in dem Unternehmen. Einige wissen bestimmt nicht, wie es 2021 weitergehen soll“, so Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) zu Sächsische.de. 

Er hatte kurzfristig die Möglichkeit bekommen, an der Belegschaftsversammlung teilzunehmen. Dabei sah er in fassungslose Gesichter, nachdem die Geschäftsleitung die Schließung zum Ende des Jahres verkündet hatte. Viele seien auch enttäuscht darüber gewesen, dass die Frauenthal-Gruppe ihre Versprechen bei der Übernahme, in Roßwein zu investieren, nicht wie erhofft erfüllt hat, so der Eindruck des Rathauschefs.Lindner sprach später von einem schwarzen Tag für die Stadt. 

Sie verliere mit dem früheren Schmiedewerk nun auch noch das Gros der letzten verbliebenen Industriearbeitsplätze. Davon hatte es 1990 noch 1.800 in verschiedenen Zweigen der Industrie geben. Elf Jahre später waren es noch 163 derartige Arbeitsplätze. Nun fallen noch einmal über 100 weg. „Eine Tragödie“, brachte es der Bürgermeister auf den Punkt.Wie kann es weitergehen?

Geringe Aussicht auf einen neuen Eigentümer

Betriebsratschef Hans-Joachim Porst soll bei der Versammlung in Aussicht gestellt haben, dass es in den nächsten Tagen Gespräche mit Vertretern von Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft geben soll. Dabei gehe es um mögliche Abfindungen, um Sozialpläne und eventuell auch eine Transfergesellschaft, um Härtefälle abzumildern und neue Perspektiven zu eröffnen. Porst selbst war für Sächsische.de am Freitag nicht zu erreichen. 

Wenn die Schmiedehämmer ab dem Jahreswechsel tatsächlich stillstehen, soll nach einem Unternehmen gesucht werden, das an der Immobilie, eventuell auch an den Maschinen interessiert ist. Das habe die Geschäftsleitung bei der Mitarbeiterversammlung in Aussicht gestellt. Die Chance, einen neuen Eigentümer zu finden, sei allerdings gering.

Die Frauenthal Powertrain GmbH entwickelt und produziert Schmiedepleuel, Ausgleichswellen und Verteilerleisten für die europäische Pkw- und Lkw-Industrie. Mit rund 600 Mitarbeitern erwirtschafteten die beiden deutschen Werke in Plettenberg (Nordrhein-Westfalen) und Roßwein (Sachsen) im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 117 Millionen Euro. Frauenthal hatte das einstige Schmiede- und spätere Mahle-Werk in Roßwein 2017 übernommen.

Dieser Beitrag ist am 4. September um 19.50 Uhr aktualisiert worden.

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