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Ins Handwerk, auf den Bau oder ins Büro?

Bei „Schule macht Betrieb“ haben 77 Aussteller mehr als 85 Berufe vorgestellt. 734 Schüler haben sich auf der Messe umgesehen. Die ist noch nicht zu Ende.

Auf der Ausbildungsmesse Schule-Macht-Betrieb im Döbelner Sport- und Freizeitzentrum WelWel zeigt Henrike Naumann, Kauffrau für Büromanagement bei der Schneider Nutzfahrzeug GmbH Nossen, Katrin und Vincent Glauer (von links) die Nockenwelle eines MAN.
Auf der Ausbildungsmesse Schule-Macht-Betrieb im Döbelner Sport- und Freizeitzentrum WelWel zeigt Henrike Naumann, Kauffrau für Büromanagement bei der Schneider Nutzfahrzeug GmbH Nossen, Katrin und Vincent Glauer (von links) die Nockenwelle eines MAN. © Dietmar Thomas

Döbeln. Vincent Glauer ist 13 Jahre alt und er besucht zum ersten Mal die Messe „Schule macht Betrieb“ im Sport- und Freizeitzentrum WelWel. Aber der Siebtklässler weiß schon ganz genau, was er will.

Einen Beruf, der mit Mechanik und Fahrzeugen zu tun hat, möchte der Döbelner später einmal lernen. Bereits seit drei Jahren gehört er zur Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks (THW). Auch dort interessiert er sich sehr für die Fahrzeuge. Am heimischen Computer konstruiert er selbst Autos mit Anhänger.

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Gerade hat er sich am Stand der Schneider Nutzfahrzeuge Service GmbH aus Nossen über die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker informiert und über die Möglichkeit, dort in der achten oder neunten Klasse ein Praktikum zu absolvieren. Serviceberater Uwe Meyer freut sich über solches Interesse. „Es ist schwieriger geworden, Lehrlinge zu finden. Viele Jugendliche wollen sich die Hände nicht schmutzig machen“, sagt er. Natürlich schaue das Unternehmen bei der Bewerbung auch auf die Schulnoten. Aber die seien nicht das Wichtigste, sondern das Interesse. Und das sei am besten beim Probearbeiten zu erkennen.

Firma bekannter machen

Auch für das Dental-Studio-Hartha sind Praktika und Ausbildungsmessen wichtig, um potenzielle Lehrlinge kennenzulernen, aber auch die Ausbildung zum Zahntechniker bekannter zu machen. Nach einer solchen Messe habe sich im vergangenen Jahr ein Jugendlicher bei der Firma beworben und sei nach einem Praktikum eingestellt worden, sagt Bianka Bierig, im Dentalstudio verantwortlich für die Auszubildenden.

Die 14-jährige Charlotte Schilder ist an dem Stand stehengeblieben. Die Gymnasiastin weiß noch nicht genau, wohin sie ihr beruflicher Weg einmal führen soll. Nur eins steht schon fest: „Ins Büro möchte ich nicht.“ Ein Zahntechniker sollte eine kreative Ader haben, gern zeichnen und basteln und auch Interesse für die Arbeit am Computer haben, erklärt Laborleiter Dirk Melchior. Denn in dem Beruf wird mit Gips, Kunststoff, Wachs, Metall und einer Konstruktions-Software gearbeitet. Für Charlotte scheint dieser Beruf aber nicht der Richtige zu sein. Sie sieht sich weiter um.

Handwerkliches weniger gefragt

Dirk Langer, Ausbilder beim Albert Polenz Formenbau in Döbeln, hat dieselben Erfahrungen gemacht, wie die Mitarbeiter von Dental. „Bis vor ein paar Jahren gab es keine Probleme und wir haben regelmäßig zwei Lehrlinge eingestellt. Dann gab es einen Knick“, sagt er. Der sei inzwischen so stark, dass aus der betrieblichen eine überbetriebliche Ausbildung geworden ist. Und in der Berufsschule gebe es keine reinen Werkzeugmechaniker-Klassen mehr. Sie würden anfangs mit den Industriemechanikern gemeinsam unterrichtet.

Deshalb nutze die Firma gern solche Messen und die Woche der offenen Unternehmen, um sich vorzustellen. „Im Schnitt kommen dabei 30 junge Leute zu uns“, erzählt er. Etwa fünf davon sehe er bei einem Praktikum wieder und ab und zu einen als Azubi.

Bianka Bierig (links) vom Dentalstudio Hartha erklärt Charlotte Schilder auf der Messe „Schule macht Betrieb“ im Döbelner WelWel den Beruf des Zahntechnikers.
Bianka Bierig (links) vom Dentalstudio Hartha erklärt Charlotte Schilder auf der Messe „Schule macht Betrieb“ im Döbelner WelWel den Beruf des Zahntechnikers. © Dietmar Thomas

Kennenlernen beim Probearbeiten

Auch bei Omega Sorg aus Waldheim ist die Zeit vorbei, als die Bewerbungen für eine Lehrstelle Wäschekörbe füllten. Normalerweise stellt die Firma pro Jahr je zwei Azubis zur Kauffrau/-mann im Groß- und Außenhandelsmanagement sowie zur Fachkraft für Lagerlogistik ein. In diesem Jahr gab es für den Bürojob keine Bewerber. Dafür haben drei künftige Lagerlogistiker mit der Lehre begonnen. 

Die Eignungstests, die früher zum Auswahlverfahren gehörten, wurden wieder abgeschafft. Aber, so sagen die Ausbildungsverantwortliche Sandra Schneider und Jenny Enzmann von der Stammdatenpflege, das Probearbeiten sei wichtig. „Dabei gewinnt man einen Eindruck von den jungen Leuten als Person und, wie sie mit der Arbeit zurechtkommen.“

Messe positiv bewertet

In der Obstland Dürrweitzschen AG erfolgt die Ausbildung in acht Berufen in vier Bereichen. „Die Zahl der Bewerbungen ist gleich geblieben, aber die Qualität lässt zu wünschen übrig“, meint Personalleiterin Christiane Bley. Deshalb setzt auch Obstland auf mindestens zwei Tage Probearbeiten, um die Bewerber etwas kennenzulernen. Den meisten sei bewusst, dass sie zum Beispiel als Gärtner bei jedem Wetter im Freien arbeiten werden.

 „Aber auch dieser Beruf hat einen hohen Anspruch“ sagt Torsten Kühne, Mitarbeiter im Vorstand. Zudem sei später auch eine Spezialisierung oder Weiterbildung zum Meister oder Ingenieur möglich. Wie bei allen anderen Unternehmen, haben auch bei Obstland die Azubis gute Chancen, nach der Lehre übernommen zu werden.

Insgesamt haben sich bei Schule-macht-Betrieb 70 Unternehmen mit 85 Ausbildungsberufen und 20 Studienmöglichkeiten vorgestellt. Außerdem waren sieben Schulen aus dem Altkreis Döbeln vertreten. 718 junge Leute hatten sich angemeldet, 734 haben sich auf der Messe umgesehen und sie am Ausgang auch bewertet. Denn diesmal war alles etwas anders. Jeder Besucher musste einen Mund-Nase-Schutz tragen, in der Halle gab es ein Einbahnstraßensystem, die Stände standen weiter auseinander und im Vorfeld war eine Online-Anmeldung nötig.

Mit virtueller Messe geht’s weiter

All das fand überwiegend die Zustimmung der Messegäste. Für die Online-Anmeldung wünschte sich mancher noch einen Beleg zum Ausdrucken. Ansonsten sei sie unkompliziert gewesen. Es sei nicht so eng wie auf der Freiberger Messe gewesen und dadurch übersichtlicher, so die allgemeine Meinung. Die meisten empfanden die Mischung der Berufsgruppen als vielfältig, einigen waren es zu viele Pflege-, anderen zu wenige Handwerksberufe.

Das Döbelner WelWel war die letzte Station von „Schule macht Betrieb“ in diesem Jahr. Erstmals geht die Ausbildungsmesse aber weiter und virtuelle Wege. Jugendliche können sich ab dem 28. September um 8 Uhr im Internet unter www.schule-macht-betrieb.de über Ausbildungsmöglichkeiten in der Region informieren. Am 10. Oktober wird es einen Chat-Tag geben, an dem noch einmal Fragen gestellt werden können.

Im kommenden Jahr sind die Ausbildungsmessen für den 18. September in Döbeln, 25. September in Freiberg und 2. Oktober in Mittweida geplant.

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