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Döbelns geflüchtete Flüchtlinge tauchen wieder auf

© DA-Archiv/Dietmar Thomas

Mit unbekanntem Ziel waren schon kurz nach ihrer Ankunft 230 Personen aus der Erstaufnahme verschwunden.

Döbeln. Das war selbst für die in der Flüchtlingsarbeit erfahrenen Helfer des DRK ein Phänomen. Kaum waren 321 Flüchtlinge in die eiligst in einer früheren Produktionshalle eingerichtete Erstaufnahme im mittelsächsischen Döbeln eingezogen, fehlten zwei Drittel von ihnen. Beinahe unbemerkt hatten sie die noch nicht ganz fertiggestellte Einrichtung wieder verlassen. Ohne Registrierung, mit unbekanntem Ziel.

Vermutet wurde zunächst, dass die Menschen weiterzogen, weil die Erstaufnahme noch nicht fertig war. So fehlten Trennwände, die ein wenig Privatsphäre gewährleisten hätten können.

Nun brachte Jens Löschner von der Landesdirektion Sachsen Licht ins Dunkel: „Viele betrachten Deutschland offenbar nur als Transitland. Andere suchen ihre Familien oder Freunde in den großen Städten und Ballungsräumen auf.“ Döbelns Polizeichef André Wagner wusste es noch ein bisschen genauer. „Wir hatten eine Anfrage aus Kassel, wo sich Asylbewerber mit DRK-Ausweisen aus Döbeln gemeldet haben. Auch aus dem Norden Deutschlands sind Anfragen gekommen. Dort gibt es derzeit einen Stau, weil die skandinavischen Länder die Aufnahme von Asylbewerbern eingeschränkt haben.“ Das DRK hat ein eigenes internes Registrierungssystem, das unter anderem eine personengenaue Prüfung der Belegung im Objekt zulässt.

Wagner hält es nicht für wahrscheinlich, dass die Leute in Deutschland untertauchen, dafür sei das Sicherheitsnetz zu eng gestrickt. Aber: Wer nach Deutschland illegal einreist und sich hier ohne Papiere bewegt, ist nach deutschem Recht ein Straftäter. „Das Gesetz ist nicht außer Kraft gesetzt. Es gibt einen Verfolgungszwang“, sagte Katja Stolzenberg von der Polizeidirektion Chemnitz. „Aber das heißt nicht, dann man die Leute festhalten kann.“ Wer aus der Erstaufnahmeeinrichtung verschwindet, verletzt seine Mitwirkungs- und Aufenthaltspflichten, so Löschner. „Aber wir können und wollen sie nicht festhalten. Das sind freie Menschen.“ (DA/jh/eg)