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Dresden bekommt Snowden-Platz

© André Wirsig

Der Ex-Geheimdienstler wird an einer Ladenpassage geehrt. Mit Snowdens Anwalt ist die Aktion bereits abgestimmt worden.

Von Sandro Rahrisch

Dresden. Eigentlich werden nur verstorbenen Persönlichkeiten Straßen und Plätze gewidmet, doch ab Sonntag hat Dresden auch einen Edward-Snowden-Platz. Eine Eigentümergemeinschaft in der Neustadt benennt einen Teil ihres Grundstücks nach dem amerikanischen Ex-Geheimdienstler, blaues Straßenschild inklusive.

Die Organisatoren der Aktion haben eigens eine Webseite zum geplanten Edward-Snowden-Platz eingerichtet. © Screenshot: edward-snowden-platz.de/szonline
Edward Snowden habe ohne Rücksicht auf seine eigene Person folgenschwere Wahrheiten ans Licht gebracht, hieß es zur Begründung der Würdigung. © dpa

„Snowden ist für mich ein absolutes Vorbild, er hat sein ganzes Leben riskiert, um das Ausmaß der weltweiten Überwachung durch US-Geheimdienste ans Licht zu bringen“, sagt Miteigentümer Markwart Faussner. Zahlreiche Geheimnisverräter vor ihm hätten ähnlichen Mut gezeigt und Müll-, Lebensmittel- und Abhörskandale aufgedeckt. Auch ihnen werde damit ein Denkmal gesetzt. Dass solche sogenannten Whistleblower in Deutschland nicht unter gesetzlichem Schutz stünden, sei unbegreiflich. Snowden, der derzeit im russischen Exil lebt, wird am Sonntag 32 Jahre alt. In Amerika müsste er mit der Todesstrafe rechnen, so Faussner. Laut Eigentümergemeinschaft ist es die deutschlandweit erste Würdigung dieser Art. Von dem großen Medieninteresse an der Aktion seien die drei Eigentümer überrascht worden. Bisher existiere nur ein Modell des Schildes. Das fertige Exemplar soll pünktlich zur Widmung da sein. Zusammen mit einem Dresdner Stadtrat soll der kleine Platz an der Geschäftspassage Bautzner Straße 6 am Sonntag ab 14.15 Uhr getauft werden. Anschließend werden die Teilnehmer Luftballons in die Höhe steigen lassen, beklebt mit Geburtstagswünschen für Snowden. Am Schild selbst planen die Organisatoren, eine Kartusche mit Wünschen im Boden zu versenken.

Das Rathaus betonte gestern, dass sich die Namensgebung nur auf das Privatgrundstück bezieht. Dort könnten die Besitzer den Platz selbst benennen, so wie im eigenen Garten auch Wege einen Namen bekommen könnten, sagte ein Sprecher. Allerdings sei das dann kein Platz im öffentlichen Verkehrsraum, also mit Verzeichnung im Stadtplan. Dies dürfte allein der Stadtrat. „Einen Vorschlag einzureichen wäre zwecklos, da Plätze eben nur Verstorbenen gewidmet werden können, das wissen wir“, so Faussner. Er hofft, dass sein Vorbild noch sehr lange leben wird. Die Aktion in Dresden sei mit dem deutschen Anwalt von Edward Snowden, den Berliner Strafrechtler Wolfgang Kaleck, abgesprochen worden. (mit dpa)

Einweihung des Platzes: 21. Juni 2015, 14 Uhr, edward-snowden-platz.de