merken
PLUS Dresden

DVB-Streik in Dresden: Das müssen Sie wissen

Am Donnerstag wird bei den Verkehrsbetrieben erneut gestreikt, Busse und Bahnen werden ausfallen. Das stößt auch auf Kritik.

So ähnlich werden die Anzeigen der DVB am Donnerstagmorgen wieder aussehen.
So ähnlich werden die Anzeigen der DVB am Donnerstagmorgen wieder aussehen. © Archiv/Robert Michael/dpa

Warum wird schon wieder gestreikt?

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände sind sich nicht einig bei ihren Verhandlungen zu einem bundesweiten Rahmentarifvertrag für die rund 87.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr. Deshalb wurde bereits am 29. September gestreikt. Nachdem am Montag eine weitere Verhandlungsrunde erfolglos verlief, ruft Verdi nun zum zweiten Streik innerhalb von reichlich zwei Wochen auf.

Ist das in Zeiten von Corona richtig?

Streik sei das letzte Mittel, sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Daniel Herold schon beim Ausstand Ende September. Dieses "letzte Mittel" wenden die Gewerkschaft und die Arbeitnehmer jetzt zum zweiten Mal in der aktuellen Tarifrunde an. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) benötige bis 2030 etwa 100.000 neue Beschäftigte heißt es auf der Internetseite von Verdi. Wenn die Arbeitsbedingungen nicht verbessert würden, werde das Interesse, sich zu bewerben, gering und das dringend benötigte Personal nicht zu finden sein. "Für Klimaschutz und eine echte Verkehrswende wird ein starker ÖPNV benötigt, dazu gehören auch gute Arbeitsbedingungen."

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Verdi weist auch darauf hin, die "Tarifbewegung #tvn2020 für über 87.000 Beschäftigte in 130 ÖPNV-Unternehmen" sei nach drei Monaten neu gestartet worden, nachdem sie wegen der Coronakrise unterbrochen wurde.

Was sagen die Arbeitgeber?

Die Arbeitgeber finden den Streik "völlig unangemessen und auch nicht nachvollziehbar. Das sagte Jens Meiwald, Vorstand der Chemnitzer Verkehrs-AG. Er ist Chef des Verkehrsbetriebe-Ausschusses im Kommunalen Arbeitgeberverband Sachsen. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sei das Angebot vom Montag "an der Grenze des wirtschaftlich Vorstellbaren.“ Meiwald weiter: „Die Zurückweisung des Angebots durch ver.di ist der Bevölkerung nicht zu vermitteln." Das gelte insbesondere für diejenigen, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssten oder ihn bereits verloren hätten.

Die DVB erklärten außerdem bereits beim Streik im September, es gebe keine Schwierigkeiten, freie Stellen zu besetzen. Für jede Stelle gebe es mehrere Bewerber, sagte damals Personalvorstand Lars Seiffert.

Was erwartet die Dresdner beim Streik am Donnerstag?

Der Ausstand beginnt am Donnerstagmorgen zu Betriebsbeginn um 3 Uhr und dauert bis 19 Uhr. "Damit wird es zu großen Angebotslücken oder Streckenstilllegungen ... kommen", teilen die Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) mit. Betroffen sind alle Linien, die ausschließlich von Fahrern bedient werden, die direkt bei dem Unternehmen angestellt sind. 

Die Straßenbahnen fahren nicht, aber etwa ein Drittel der Busse, die täglich auf DVB-Strecken unterwegs sind. Der Grund: Sie werden von Tochter- und Subunternehmen der Verkehrsbetriebe betrieben und diese Firmen werden am Donnerstag nicht bestreikt. Dazu gehören Taeter Tours und die Dresdner Verkehrsservicegesellschaft (DVS). Sie fahren am Donnerstag voraussichtlich. Das gilt laut den DVB für den Ersatzverkehr EV11 sowie die Linien 61, 65, 66, 70, 72, 74, 75, 76, 79, 80, 81, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89 und 90. Es ist aber nicht sicher, wann, wie oft und wie pünktlich sie fahren. Auskunft dazu gibt es am Streiktag an den Haltestellenanzeigen und in der DVB-App fürs Smartphone bei der Haltestellenauskunft.

Die Internetseite der Verkehrsbetriebe zeigt dagegen nur planmäßige Fahrten an. Deshalb sind dort am Donnerstag keine verlässlichen Angaben zu finden. 

Was fährt planmäßig?

Auch die Fähren werden von der DVS betrieben, sie sind nicht vom Streik betroffen. Als Alternative zu Bus und Bahn in Dresden kommen darüber hinaus der Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) und die S-Bahnen infrage. Sie sind planmäßig unterwegs.

Haben die DVB-Läden geöffnet?

Nein, sie bleiben geschlossen. Bestreikt werden am Donnerstag auch das Kundenzentrum der Verkehrsbetriebe am Postplatz sowie alle Servicepunkte des Unternehmens, unter anderem die am Hauptbahnhof (Wiener Platz) und am Albertplatz. Das heißt, Auskünfte gibt es am Streiktag nur unter der DVB-Telefonnummer 0351 8571011 und beim Verkehrsverbund Oberelbe (Telefon 0351 852 6555). Fahrscheine kann man in den großen Bahnhöfen kaufen, ansonsten nur an Automaten.

Gibt es Geld zurück für Abokunden und Taxifahrten?

Nein, "die Mobilitätsgarantie der Dresdner Verkehrsbetriebe greift nicht bei Streiks", erklären die DVB auf ihrer Internetseite. Dass bei Tarifverhandlungen Streiks stattfinden können, gehöre zu den verfassungsmäßig gesicherten Grundrechten. Deshalb entfalle die Beförderungspflicht des Unternehmens. Das gelte auch für Ersatzansprüche, so die DVB, also zum Beispiel für anteilige Abo-Rückzahlungen.

Falls nötig, bekommt man am Freitag in den Servicepunkten eine "Streikbestätigung", die belegt, dass der Arbeits- oder Schulweg wegen des Ausstands nicht mit Bus und Straßenbahn zurückgelegt werden konnte.

Kann es weitere Streiks geben?

Weiterführende Artikel

Dresdner Bäder wegen Streik geschlossen

Dresdner Bäder wegen Streik geschlossen

Verdi hat die Mitarbeiter der Dresdner Bäder zum ganztägigen Streik aufgerufen. Nur ein Bad hat deshalb am Mittwoch geöffnet.

Dresdner Bahnen werden umgeleitet

Dresdner Bahnen werden umgeleitet

Auf der Carolabrücke fahren am Sonntag keine Straßenbahnen. Das müssen ÖPNV-Nutzer jetzt wissen.

Dieser Streik schadet den DVB

Dieser Streik schadet den DVB

Gerade jetzt zu streiken, ist instinktlos, findet SZ-Redakteur Christoph Springer. Ein Kommentar zum Ausstand bei den Dresdner Verkehrsbetrieben.

DVB-Streik zum "unpassenden Zeitpunkt"?

DVB-Streik zum "unpassenden Zeitpunkt"?

In Dresden fuhren am Dienstag keine Straßenbahnen und nur wenige Busse. Am Zeitpunkt des Ausstands gibt es Kritik. Und es könnte teuer werden.

Ja, das ist möglich. Am Donnerstag handelt es sich um einen Warnstreik, also einen befristeten Ausstand, der in diesem Fall in Dresden etwa 16 Stunden lang dauert. In anderen Städten wird den gesamten Tag lang gestreikt. Scheitern die Tarifverhandlungen, ist auch ein unbefristeter Streik möglich.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden