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Dresden: Parkhotel-Glasfenster wieder wie neu

Bei Umbauarbeiten wurden sie hinter Mauern entdeckt, jetzt gab es eine Frischekur für die Bleiglasfenster im Parkhotel. Bald sollen sie zu sehen sein.

Glasermeister Thomas Körner restauriert die Bleiglasfenster, die das Motiv Weißer Hirsch ziert.
Glasermeister Thomas Körner restauriert die Bleiglasfenster, die das Motiv Weißer Hirsch ziert. © Christian Juppe

Dresden. Sie sind etwas ganz Besonderes: Die elf Flügelfenster mit insgesamt 44 Bleiverglasungen, die im Herbst des vorigen Jahres im Blauen Salon des Parkhotels entdeckt wurden. 1988 waren sie dort zum letzten Mal zu sehen, bevor sie von beiden Seiten eingehaust wurden.

Bei Umbauarbeiten, die Parhotel-Besitzer Jens Hewald während der Schließung beauftragt hatte, wurden sie entdeckt. Für Hewald war gleich klar, dass sie künftig dem Raum ein neues Ambiente verleihen werden und er so auch anderweitig nutzbar wird als nur für Partys.

Seit Anfang Januar kümmern sich Glasermeister Thomas Körner und seine Mitarbeiter in seiner Werkstatt um die Unikate, die rund 100 Jahre alt sind. Es sind Glasbilder mit Silberlotmalerei aus der Zeit des Art Déco und Belle Époque. "Wir restaurieren die Bleiverglasungen und reinigen die Gläser, die beidseitig stark verschmutzt sind", sagt Körner.

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Stellenweise habe sich auch Bleioxid gebildet, weil es zwischen den Trockenbauwänden wohl auch feucht war. Dieses wird mit einer Absaugeinrichtung entfernt. Eines der Motivfenster, die unter anderen den Dresdner Zwinger, Schloss Pillnitz, Moritzburg oder auch den Weißen Hirsch zeigen, ist gesprungen. Es wird jetzt behutsam geklebt und retuschiert. "Bei der Denkmalpflege kommt es darauf an, so viel wie möglich original zu erhalten", sagt der Glasexperte.

Außerdem werden kaputte Gläser ersetzt, Wölbungen gerichtet und Risse verklebt. Zur Stabilisierung werden teilweise auch Windeisen an die Fenster angebracht.

Bekannter Glaskünstler Josef Goller

Als Thomas Körner die Motive zum ersten Mal sah, war er sich gleich relativ sicher, dass sie vom bekannten Dresdner Glasmaler Josef Goller stammen. Der arbeitete von 1906 bis 1928 als Lehrer für Glasmalerei an der Kunstgewerbeschule Dresden und lebte zehn Jahre in Loschwitz.

Zu ihm hat Körner eine besondere Beziehung, hängt doch eines von Gollers Werken in seinem Schauraum. Es zeigt die Allegorie der Architektur. Darauf zu sehen ist eine hübsche Dame, die den Plan eines Schlosses in der einen Hand hält, in der anderen einen Zirkel. Daneben steht eine Putte mit einem Zeichendreieck.

"Ich bekam das Bild als Scherbenhaufen in einem Schuhkarton. Ein älterer Herr brachte mir den Karton und fragte, ob ich ihn haben wollte. Das Bild stammt aus einer Dresdner Jugendstilvilla und ging 1945 kaputt. Seitdem lagen die Scherben im Karton auf dem Dachboden", erzählt der Glaser. Immer wenn etwas Zeit war, hat er es wieder zusammengesetzt.

Körner hat auch recherchiert, dass die Fenster der bekannten Firma Urban aus Dresden zuzuordnen sind, die die Motive von Goller eingearbeitet hat. "Schätzungsweise entstanden die Bilder zwischen 1915 und 1920. Es ist beeindruckend, in welch gutem Zustand die Gläser für ihr Alter sind", sagt Körner.

Auch der Verschönerungsverein Weißer Hirsch vermutete, dass die Fenster im Parkhotel von Goller stammen.

Lars Janse ist ein Mitarbeiter der Glaswerkstatt von Thomas Körner. Sorgfältig reinigt er die Fenster.
Lars Janse ist ein Mitarbeiter der Glaswerkstatt von Thomas Körner. Sorgfältig reinigt er die Fenster. © Christian Juppe

Ende Januar ist der Glasermeister mit seiner Arbeit fertig, die Fenster gehen zurück ins Parkhotel. "Früher habe ich als Jugendlicher im Parkhotel getanzt und gefeiert. Jahre später hat mich meine Arbeit wieder in das Parkhotel zurückgebracht. Mit solchen historischen Objekten arbeitet man als Kunstglaser immer gern."

Künftig sollen die Motivfenster im Blauen Salon von hinten beleuchtet werden. "Sie wirken dann, als würde Tageslicht in den Raum fallen. Wir können auch Sonnenuntergänge simulieren. So soll im Blauen Salon nicht mehr nur Club sein, in dem getanzt wird, sondern es sollen auch ganz individuelle Feiern und Veranstaltungen stattfinden", hatte Besitzer Hewald im Oktober gesagt.

Er möchte sein Haus so bald wie möglich wieder öffnen. Momentan ist aber nicht absehbar, wann das im Zusammenhang mit den Coronabestimmungen wieder möglich sein wird. Die verbleibende Zeit hat der Unternehmer genutzt, um den Fußboden und die Toiletten im Blauen Salon erneuern zu lassen, jetzt folgt auch die Decke.

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Vor vier Jahren hat Jens Hewald das Dresdner Parkhotel gekauft. Inzwischen ist es zur Hälfte saniert. Ein Vorhaben scheitert bisher aber.

Die Arbeiten an der neuen Tiefgarage müssen wetterbedingt aber gerade ruhen. Sie wird 80 Plätze haben, mit einigen Außenflächen stehen dann rund 100 Parkplätze bereit. Eine riesige Grube ist dafür bereits ausgehoben, im Herbst 2021 soll alles fertig sein. Anderthalb Millionen Euro kostet das Projekt. "Wir stellen die Parkplätze nicht nur unseren Gewerbemietern und abends unseren Gästen zur Verfügung, sie können auch öffentlich genutzt werden. Natürlich gibt es eine Parkraumbewirtschaftung", sagt Hewald.

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