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Dresden soll an Messerattentat erinnern

Vor sechs Wochen starb ein Dresden-Tourist nach einer Messerattacke. Sein Begleiter wurde schwer verletzt. Für die Opfer soll ein Gedenkort entstehen.

Blumen und Kränze liegen hinter dem Kulturpalast in Erinnerung an den Angriff gegen zwei Männer am 4. Oktober. Dort könnte ein Gedenkort entstehen.
Blumen und Kränze liegen hinter dem Kulturpalast in Erinnerung an den Angriff gegen zwei Männer am 4. Oktober. Dort könnte ein Gedenkort entstehen. © Sven Ellger

Dresden. Der Syrer sitzt im Gefängnis. Untersuchungshaft, hat ein Richter entschieden, wegen dringendem Tatverdacht. Abdullah A.H.H. soll vor sechs Wochen in Dresden zwei Menschen mit einem Küchenmesser angegriffen haben. 

Einer davon war Thomas L. aus Krefeld, 53 Jahre alt. Dresden hat er gemeinsam mit seinem 55-jährigen Lebenspartner besucht. L. wurde bei der Attacke so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus kurz darauf verstarb. Sein Lebenspartner überlebte schwer verletzt.

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Sechs Wochen sind seitdem vergangen. Knapp sieben Wochen danach hat Roland Zenker vom Vorstand des Dresdner Christopher-Street-Day-Vereins einen Termin bei Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). 

Der Verein mit dem Kürzel CSD gehört zu denen, die die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Messerattacke Anfang November auf dem Altmarkt organisiert haben. CSD steht für Christopher Street Day. Beim CSD wird alljährlich an den ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street (1969) erinnert.

Zenker sagt: "Die Leute sollen wach werden." Nicht nur ihm hat es viel zu lange gedauert, bis von offizieller Stelle Beileidsbekundungen kamen und offen anerkannt wurde, dass es wohl kein Zufall war, dass ausgerechnet das Männerpaar aus Nordrhein-Westfalen Opfer der Messerattacke wurde. 

Hilberts Kollege in Krefeld, Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) war am Freitagabend selbst dabei, als im Zentrum der Stadt an Thomas L. erinnert wurde. Er sprach auch auf der Gedenkveranstaltung. "Wir sind in Krefeld gemeinsam unter der Regenbogenfahne für eine bunte und offene Stadt eingetreten", zitiert ihn die Tageszeitung Rheinische Post (RP). Man habe gedacht, Ausgrenzung gehöre nicht mehr in die Zeit. 

"Die Realität ist eine andere", so Meyer. Aggression und Gewalt gegen "queere Menschen", gegen Menschen anderen Glaubens gehörten zur Wirklichkeit. "Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen."

Der Krefelder Oberbürgermeister betonte der RP zufolge, auch wenn homophobe und islamistische Hintergründe der Tat im Raum stünden, sei "Gewalt ist nicht Merkmal einer Religion, sondern Merkmal eines schrecklichen Menschen".

An die Gewalttat an der Ecke Schloßstraße/Rosmaringasse soll künftig dauerhaft erinnert werden, wünscht sich der CSD e.V. Der Verein wünscht sich dafür eine Gedenktafel, entweder auf dem Fußweg oder an der Fassade des Neubaus, der dort gerade entsteht. 

Einen Text dafür soll sich die Stadtverwaltung einfallen lassen, meint Zenker, spätestens wenn sich die Attacke zum ersten Mal jährt, soll die Tafel eingeweiht werden.

Zenker hatte auch Kontakt mit den Verantwortlichen in Krefeld. OB Frank Meyer habe seine Unterstützung für das Dresdner Vorhaben angekündigt, berichtet Roland Zenker. Vorerst wollen die Mitglieder des CSD e.V., Freunde und Bekannte immer wieder am Tatort vorbeigehen um zu kontrollieren, ob die Kerzen, Kränze, Blumen und die Regenbogenfahne noch dort sind, die inzwischen an der Ecke im Zentrum abgelegt und aufgehängt worden sind. 

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"Da gibt es sogar Leute, die gehen abends immer wieder hin und zünden die Kerzen wieder an", weiß der Vorstandssprecher des CSD-Vereins. Eine schöne Geste nach vielen Tagen und Wochen, in denen es so schien, als werde die Gewalttat von Abdullah A.H.H. in Dresden, die ein homosexuelles Paar im Urlaub traf, viel weniger ernst genommen, als islamistische Anschläge in anderen Städten und Ländern.

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