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Der Platz der Sachsen-Steine

Auf dem Theaterplatz wird eine besondere Tradition gepflegt. Wie sie am Pflaster sichtbar wird.

Pflasterbau-Experte Gerhard Kaßmann (l.) und Gesteinsfachmann Jan-Michael Lange auf dem Theaterplatz. Dort gibt es zahlreiche auffällige Sorten von Pflastersteinen.
Pflasterbau-Experte Gerhard Kaßmann (l.) und Gesteinsfachmann Jan-Michael Lange auf dem Theaterplatz. Dort gibt es zahlreiche auffällige Sorten von Pflastersteinen. © Christian Juppe

Dresden. Gerhard Kaßmann und Jan-Michael Lange knien vor der Semperoper. Die besonders geschützte Fläche zu ihren Füßen, auf der oft demonstriert wird oder Großveranstaltungen stattfinden, ist ihr Metier. 

Kaßmann hat seit knapp 30 Jahren in Pirna einen Steinsetz- und Straßenbaubetrieb, der sich auf Denkmalpflege spezialisiert hat. Lange arbeitet als Sektionsleiter für Gesteinskunde an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden und lehrt als Professor an der Bergakademie Freiberg. „Am Beispiel der unterschiedlichen Gesteine auf dem Theaterplatz kann man die Erdgeschichte Sachsens in ihren Grundzügen erklären“, sagt Lange. 

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Die jüngsten Arbeiten: Flächen vor Semperoper gepflastert

Seit diesem Frühjahr war der Eingangsbereich der Semperoper saniert worden. Zum Schluss kamen im August vier Steinsetzer des Pirnaer Unternehmers unter Führung seines Sohnes Rico Kaßmann zum Einsatz. 

Der 37-jährige Straßenbaumeister und seine Männer mussten das originale Pflaster vor dem Haupteingang wieder passgenau einbauen, sodass es an diesem markanten Platz ein gutes Bild ergibt. 

Das Mosaikpflaster wird durchzogen von dekorativen Streifen aus rötlichen und schwarzen Steinen. Mittlerweile sind schon wieder viele Opernbesucher über Pflaster gegangen. „Ich bin stolz, wenn wir solche markanten Flächen geschafft haben“, sagt der 70-jährige Unternehmer.

Ende August hatten der Pirnaer Straßenbaumeister Rico Kaßmann und seine Mitarbeiter noch den Platz vor der Semperoper gepflastert. Damit die Fläche dem historischen Vorbild entspricht, ist dabei vieles zu beachten.
Ende August hatten der Pirnaer Straßenbaumeister Rico Kaßmann und seine Mitarbeiter noch den Platz vor der Semperoper gepflastert. Damit die Fläche dem historischen Vorbild entspricht, ist dabei vieles zu beachten. © Sven Ellger

Die Feinheiten: Einbau nach historischem Vorbild

In Dresden hatte seine Firma schon Flächen am Lingnerschloss, am Grünen Gewölbe oder am Albertinum wieder gepflastert. Dabei gebe es viel zu beachten, damit sie dem historischen Vorbild entsprechen. 

Das beginnt damit, dass vor dem Ausbau der Steine die Maße genommen und die Flächen genau dokumentiert werden müssen. „Zwar kommt nicht jeder Stein wieder an die gleiche Stelle“, erklärt der Fachmann. „Aber die Form, die Farbe und die Maße müssen genau stimmen.“ 

Bei diesem Mosaikpflaster werden die Steine so eingebaut, dass sie etwa einen halben Zentimeter Abstand haben. Außerdem muss die Fläche eben sein. 

Das wird mit einem Brett geprüft, einem sogenannten Waagscheit, erklärt Kaßmann. Zudem kommt es darauf an, dass die Fläche die vorgeschriebene Neigung hat, sodass das Wasser abfließen kann.

Der Vorplatz: Gestein, das auch Prag golden glänzen lässt

Die größte Fläche des Mosaikpflasters vor der Semperoper besteht aus dem weißlichen Pläner. „Die Mergelsteine sind eine natürliche Mischung aus Kalk und Ton“, sagt Professor Lange. 

Sie stammen aus der Kreidezeit und sind etwa 90 bis 100 Millionen Jahre alt. Der Pläner kommt aus Steinbrüchen im Plauenschen Grund. „Dort wurde er seit dem Mittelalter abgebaut“, erklärt Lange. 

Vorkommen gibt es aber nicht nur im Elbtal, sondern auch im Böhmischen Becken. Von diesem Gestein habe das goldene Prag seinen Namen. Denn dort sind viele Gebäude aus Plänersteinen gebaut worden. „Dieser Goldene Pläner verleiht der Stadt vor allem bei sonnigem Wetter durch seine rötlich-gelbe Färbung einen goldenen Glanz“, erläutert der Experte.

Das ist das Mosaikpflaster vor der Semperoper, das von schwarzen und rötlichen Gesteinsstreifen durchzogen wird. Der rötliche Granit ist rund 330 Millionen Jahre alt.
Das ist das Mosaikpflaster vor der Semperoper, das von schwarzen und rötlichen Gesteinsstreifen durchzogen wird. Der rötliche Granit ist rund 330 Millionen Jahre alt. © Christian Juppe

Durchzogen wird das Mosaikpflaster direkt vor der Oper von schwarzen und rötlichen Streifen. Beim kleinen schwarzen Pflaster handelt es sich um Basaltsteine. „Es gibt viele Steinbrüche bei Dresden, wo Basalt abgebaut wurde. So am Wilisch bei Kreischa, am Cottaer Spitzberg oder am Ascherhübel im Tharandter Wald“, sagt er. 

Große Vorkommen dieses vulkanischen Gesteins gibt es auch im Böhmischen Mittelgebirge. Der Basalt stammt aus dem Tertiär, der sogenannten Braunkohlenzeit, und ist etwa 25 Millionen Jahre alt.

Ebenfalls vulkanischen Ursprungs sind die kleinen rötlichen Steine, die als Streifen das Mosaikpflaster durchziehen. Dabei handelt es sich um Rhyolith, der umgangssprachlich als Porphyr bezeichnet wird, aus der Meißner Gegend. 

Er ist rund 300 Millionen Jahre alt. Mit eingebaut ist dort zudem rötlicher Granit, der vermutlich eine Ergänzung aus jüngerer Zeit ist, erläutert der Professor.

Der Theaterplatz: 330 Millionen Jahre alter Granit

Links und rechts des mit Streifen durchzogenen Mosaikpflasters prägt rötliches Kleinpflaster das Bild auf dem Theaterplatz. Dabei handelt es sich um Mittweidaer Granit, der wie der Granit in den benachbarten Streifen ebenfalls etwa 330 Millionen Jahre alt ist. 

Die großen Flächen mit Kleinpflaster auf dem Theaterplatz bestehen aus Mittweidaer Granit.
Die großen Flächen mit Kleinpflaster auf dem Theaterplatz bestehen aus Mittweidaer Granit. © Christian Juppe

Eng mit dem Granit verwandt ist auch der Granodiorit, aus dem die Bordsteine an den Straßenrändern bestehen. Dieser sogenannte Lausitzer "Granit" ist rund 540 Millionen Jahre alt. „Es ist eines der ältesten Gesteine Sachsens“, erklärt der Professor.

Das sind die typischen Bordsteine aus Lausitzer Granit.
Das sind die typischen Bordsteine aus Lausitzer Granit. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Die Nachbarstraßen: Schlackepflaster ab 1889 eingebaut

Die benachbarten Straßen sind mit Mansfelder Kupferschlackesteinen gepflastert, die seit dem 19. Jahrhundert hergestellt wurden. „Seit 1889 wurden sie in Dresden eingebaut“, sagt Lange. Allein bis 1910 bauten Straßenbauer in Dresden über 6,8 Millionen dieser Pflastersteine ein. 

Ihr Nachteil war, dass sie am Anfang sehr glatt waren, wodurch erhebliche Rutschgefahr entstanden sei. „Schließlich besteht Schlacke hauptsächlich aus Glas.“ Ab den 1930er-Jahren wurde beim Vergießen der Schlacke Splitt zugegeben, damit die Oberfläche rauer wird. Im Mansfelder Land wurden diese Steine bis 1976 hergestellt.

Aus Schlackepflaster sind die Straßen am Theaterplatz. Das wurde ab 1889 in Dresden eingebaut.
Aus Schlackepflaster sind die Straßen am Theaterplatz. Das wurde ab 1889 in Dresden eingebaut. © Christian Juppe

Sachsens Erdgeschichte wird aber nicht nur an den Pflastersteinen am Theaterplatz deutlich, sondern auch an den Bauten ringsum. So bestehen die Hofkirche und das Schloss vorrangig aus 90 Millionen Jahre altem Kreidesandstein aus der Region. 

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Der Sockel des markanten Reiterdenkmals König Johanns ist aus Mikrogabbro. „Dieses Gestein hat sich vor rund 400 Millionen Jahren gebildet und war kurz unter der Erdoberfläche in schmalen Gängen erstarrt", nennt Experte Lange ein weiteres Beispiel der vielfältigen Gesteine am Theaterplatz. 

Der Sockel des Reiterdenkmals von König Johann besteht aus dem Vulkangestein Mikrogabbro, das aus dem Steinbruch am Taubenberg bei Bautzen stammt.
Der Sockel des Reiterdenkmals von König Johann besteht aus dem Vulkangestein Mikrogabbro, das aus dem Steinbruch am Taubenberg bei Bautzen stammt. © Foto: SZ/Peter Hilbert

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