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Bio-Händler fliegt aus Dresdner VG

Wegen Kontakten zur "Neuen Rechten" verkaufen die Bio-Märkte keine Waren von Bio-Bauer Michael Beleites mehr. Der frühere Bürgerrechtler fühlt sich diffamiert.

Die Verbrauchergemeinschaft Dresden (VG) hat Michael Beleites wegen rechter Verstrickungen ausgelistet.
Die Verbrauchergemeinschaft Dresden (VG) hat Michael Beleites wegen rechter Verstrickungen ausgelistet. © Archiv: Robert Michael

Dresden. Er war Bürgerrechtler, Mitglied des Bürgerkomitees zur Stasi-Auflösung in Gera, Berater am Zentralen Runden Tisch in Ost-Berlin und von 2000 bis 2010 Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Michael Beleites baut seit Jahren mit seiner Frau Luise Ludewig auch Blumen und Kräuter ökologisch an, verkauft Blumen und Tee unter anderem über die Verbrauchergemeinschaft (VG) Dresden. Nun wurde er vom VG-Vorstand wegen rechter Verstrickungen ausgelistet.

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Beleites hat seinen Öko-Hof im Wilsdruffer Ortsteil Blankenstein - deshalb heißt seine Firma auch "Blankensteiner Blumen". Nun wurden die rund 11.000 Mitglieder der VG informiert, dass die "Blankensteiner Blumen" ausgelistet wurde. "Die beiden Gesellschafter des Unternehmens sind langjährige Mitglieder der VG, was diesen Schritt umso bedauerlicher macht, aus der Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat der VG war er dennoch nicht vermeidbar", heißt es darin.

Warum wurde Michael Beleites bei der VG ausgelistet?

Als Gründe dafür, dass bei Beleites und seiner Frau keine Waren mehr bestellt werden, werden angegeben: "Hintergrund der Auslistung sind Veröffentlichungen und Aussagen des Gesellschafters Michael Beleites, deren Inhalte sich mit den Werten der VG nicht vereinbaren lassen. So attestierte Beleites der Pegida-Bewegung 2015 'erstaunlich viele Parallelen' zu den DDR-Bürgerprotesten im Jahr 1989 und verfasste umstrittene Schriften zum Thema 'Rasse'. Hinzu kommen Kontakte zur 'Neuen Rechten', wo Beleites unter anderem mehrfach als Referent bei Veranstaltungen des Aktivisten Götz Kubitschek auftrat." Beleites ist auch Publizist.

Er sei bereits 2018 darauf hingewiesen worden, dass die VG-Vorstände dieses "fortdauernde Engagement im Hinblick auf die Werte der VG" kritisch sehen. Weil Beleites aber weitermachte, "sahen sich Vorstand und Aufsichtsrat nach reiflicher Überlegung gezwungen, die Zusammenarbeit mit der Blankensteiner Blumen zu beenden."

Das geschehe, um die Glaubwürdigkeit der VG zu wahren. Schließlich engagiere sich die VG für die Demokratie - beispielsweise beim Aktionsbündnis "Herz statt Hetze". "Zugleich möchten wir der Gefahr entgegenwirken, dass die Ökologiebewegung dazu benutzt werden könnte, künftig extreme Positionen in der Gesellschaft salonfähig zu machen", so der Vorstand.

Ein Polizeieinsatz vor der Verbrauchergemeinschaft Dresden. In einer Filiale wollten im Januar Maskengegner protestieren. In den Läden war zuvor eine generelle Maskenpflicht eingeführt worden.
Ein Polizeieinsatz vor der Verbrauchergemeinschaft Dresden. In einer Filiale wollten im Januar Maskengegner protestieren. In den Läden war zuvor eine generelle Maskenpflicht eingeführt worden. © Sven Ellger

Was ist dran an den Vorwürfen?

Beleites sagt unumwunden, dass er bei der Burschenschaft "Normannia zu Jena" auf Einladung gesprochen hat. Der Thüringer Verfassungsschutz bezeichnet die Burschenschaft als "Sammelbecken für rechtsextreme Studenten und Neonazis". Auch im "Institut für Staatspolitik" auf dem Rittergut von Götz Kubitschek in Schnellroda war Beleites mehrfach Gastredner, bestätigt dieser. Dieses gilt als "neurechte Denkfabrik". Kubitschek gilt als Initiator des rechten Kampagnenprojekts "Ein Prozent" und ist federführend an der rechtsextremistischen "Identitären Bewegung" in Deutschland beteiligt. Zudem pflegt Kubitschek enge Kontakte zu Vertretern des ehemaligen "Flügels" der AfD wie Björn Höcke.

In der von Kubitschek herausgegebenen Zeitschrift "Sezession" erschienen ebenso mehrfach Texte des Publizisten Beleites wie in den als rechtsextrem eingestuften Umweltzeitschriften "Die Kehre" und dem Vorgänger "Umwelt & Aktiv". Der Chefredakteur Jonas Schick ist Mitglied der "Identitären Bewegung".

Was sagt Beleites dazu?

"Ich bedauere, dass mir vorab keine Gelegenheit gegeben wurde, mögliche Missverständnisse auszuräumen", sagt Beleites. Seine Auftritte bei Neurechten begründet er so: "Ich bin der Auffassung, dass die Spaltungen in unserer Gesellschaft nur überwunden werden können, wenn man dazu bereit ist, auch mit den anderen zu reden."

Beleites nennt ein Beispiel: "Das Thema, wozu mich Neue Rechte eingeladen hatten, war meine Kritik an sozialdarwinistischen Denkmustern, welche für die klassische Rechte kennzeichnend waren. Wenn nun Neue Rechte dazu bereit schienen, diesen historisch folgenschweren Ideologiebestandteil zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren, sah ich die Einladung an mich und meine dortige Rolle als Gastredner beziehungsweise Gastautor als eine Chance und nicht als eine Gefahr."

Er habe sich bei seinen Beiträgen auch an "keinerlei inhaltlichen Vorgaben des Herausgebers auszurichten" gehabt. "Ich gehe davon aus, dass meine Haltung aus den Inhalten meiner Texte ablesbar ist und nicht aus der politischen Verortung des jeweiligen Blattes oder seines Herausgebers."

Auf die Frage, wie Beleites sich selbst politisch einordnet, antwortet er: "Ich sehe mich weder links noch rechts. Vielleicht lässt sich meine politische Orientierung als die eines konservativen Ökologen beschreiben."

Welche Konsequenzen hat das?

Beleites fürchtet erhebliche Umsatzeinbußen - als Bio-Bauer und als Publizist. Andere Bio-Märkte würden die Diskussion nicht wollen, nachdem die VG Dresden ihn ausgelistet hat. Deshalb überlege er auch noch, gegebenenfalls rechtlich gegen diese Entscheidung vorzugehen. "Das ist eine Rufmordkampagne, ich fühle mich diffamiert."

Dennoch bleibe er aber Mitglied der VG und rufe auch ausdrücklich nicht dazu auf, diese zu meiden. "Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der VG-Mitglieder diese eigenmächtige Entscheidung des Vorstandes nicht teilt und auch nicht das ausgrenzende Demokratieverständnis dieses Vorstandes." Er wolle diese "Ausgrenzung" nicht allen 11.000 Mitgliedern "anlasten".

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Der VG-Vorstand stellt klar, dass es eben keine Ausgrenzung oder gar ein Boykott sei. "Im Gegenteil: Das Angebot der VG, die Winterware des Jahres 2020 noch in unseren Läden anzubieten, schlug die Blankensteiner Blumen aus. Dazu sagt Beleites, er hätte nur einen Teil seiner Waren liefern dürfen, das hätte ihm auch nicht geholfen.

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