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Wartehäuschen: Dresden drohen Mondlandschaften

800 DVB-Unterständen droht der Abriss. Einige Stadträte finden das richtig und greifen stattdessen den Eigentümer an. Dazu gibt es eine neue Wendung.

Weil die Werbeverträge auslaufen, müssen womöglich 800 DVB-Häuschen in Dresden abgerissen werden.
Weil die Werbeverträge auslaufen, müssen womöglich 800 DVB-Häuschen in Dresden abgerissen werden. © Sven Ellger

Dresden. Die Entscheidung über die Außenwerbung entzweit den Dresdner Stadtrat weiterhin. Während einige die Werbung in städtische Hände holen und die Wartehäuschen an den Haltestellen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) erhalten wollen, kommt anderen der Abriss der 800 Unterstände ganz gelegen.

Kurz vor der Entscheidung wird scharf geschossen. Nun wurden zudem neue Details bekannt.

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Zum Geschäft mit der Werbung in Dresden gibt es viele Meinungen. Am weitesten liegen Grüne und Linke auseinander. Die Linke will, dass die Stadt die Fahrgastunterstände, die die Werbe-Firma Wall laut Vertrag ab Ende 2022 abreißen muss, übernimmt. Dazu solle die Stadt in den Werbemarkt einsteigen - Wartehallen und andere Stadtmöbel von der Werbung trennen.

Die Grünen lehnen einen Einstieg der Stadt in den Markt grundsätzlich ab. "Der Werbemarkt ist nichts, wo sich Dresden engagieren sollte", so Grünen-Stadträtin Susanne Krause. "Das ist keine Pflichtaufgabe."

Leipzig habe diese Erfahrung gemacht, die Unterstände durch die Verkehrsbetriebe übernommen und diese vermarkten auch die Werbung. Damit haben die Leipziger Verkehrsbetriebe ihre Einnahmen erhöht. Auch deshalb setzt Die Linke hier auf ein ähnliches Modell.

"Leipzig hat die Fahrgastunterstände untersuchen lassen", so Grünen-Stadtrat Torsten Schulze. Dabei seien Schäden an den Fundamenten und Rost festgestellt worden. "Sie sehen optisch gut aus, sind aber für weitere 15 Jahre nicht geeignet." So lange sollen die neuen Verträge ab 2023 in Dresden laufen.

Wall hatte Dresden angeboten, die 800 Unterstände in Dresden für zwei Millionen Euro kaufen zu können. Die meisten seien in sehr gutem oder tadellosem Zustand, sagt Wall. Das lehnen die Grünen ab. "Dabei gäbe es nur einen Gewinner: Wall - die sparen sich die Abrisskosten und verdienen dabei noch", so Schulze.

Auch Krause wertet es als "kein akzeptables Angebot". "Wall drückt sich um die Kostenverantwortung und will noch einen Gewinn herausschlagen." Man wolle auch die Dresdner DVB-Kunden nicht im Regen stehen lassen, sondern die Haltestellen "zukunftsfähig machen". Dazu gehöre nach Vertragsklauseln nun einmal der Abriss. "Das ist Kapitalismus, wir sind nicht mehr in der DDR", sagt Krause.

Diese Attacken der Grünen lässt Wall nicht unkommentiert. "Die Stadt hat uns um ein Angebot zur Übernahme der Fahrgastunterstände gebeten", stellt Sprecherin Frauke Bank klar. Deshalb gab es das Angebot. Ein Gespräch habe es nicht gegeben.

Bank rechnet vor: Das Angebot bedeute 2.500 Euro pro Fahrgastunterstand, ein neuer würde rund 15.000 Euro kosten. Dazu seien Abriss und Neuaufbau eine Umweltbelastung.

Die Ende 2022 auslaufenden Verträge verpflichten Wall zum Abriss. Damit könne ab Januar 2023 begonnen werden. Das dauere zwischen drei und sechs Monate. Der Neubau der Unterstände durch die Firma, die den Zuschlag erhält, würde etwa ein halbes bis ein Jahr dauern.

"Der Einschätzung, dass wir uns die Kosten des Rückbaus sparen wollen, können wir nicht folgen", sagt Bank. Der Aufwand sei nicht besonders groß. "Da wir vertraglich ja nur verpflichtet sind, den Abbau der Fahrgastunterstände vorzunehmen. Die Bodenwiederherstellung an den Standorten übernimmt aber gemäß Vertrag dann die Stadt Dresden." Damit stünde Dresden eine lange Zeit ohne Unterstände da, die DVB-Stationen wären Baustellen, mit Kratern wie man sie von Mondlandschaften kennt.

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Am kommenden Donnerstag findet auf Antrag von Die Linke eine Aktuelle Stunde dazu im Stadtrat statt. Dann soll über die Ausschreibung der Werbeverträge und die Zukunft der Wartehäuschen entschieden werden.

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