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Dresdens verrückter Winter 2020/21

Vom drittwärmsten Heiligabend bis Blutschnee im Februar: Der vergangene Winter war in Dresden ungewöhnlich abwechslungsreich. Ein Rückblick.

Wie im Wintermärchen zeigte sich der Theaterplatz am 7. und 8. Februar.
Wie im Wintermärchen zeigte sich der Theaterplatz am 7. und 8. Februar. © Robert Michael/dpa

Dresden. Wie das so ist mit dem Durchschnitt. Lassen wir nur die reinen Daten sprechen, hatten wir es 2020/21 mit einem absolut durchschnittlichen Winter zu tun. Doch Meteorologin Franziska Reinfried aus dem Umweltamt weiß es besser.

"Wie so oft, lohnt sich ein Blick auf die Details. Und so viel sei gesagt: einen meteorologisch so abwechslungsreichen Winter gab es bisher selten."

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Im Garten ein Zuhause für Wildbienen

Mauerbienen stechen nicht, leisten aber einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Obstbäumen, Wildblumen und Kulturpflanzen.

Denn der vergangene Winter zeigte alle Witterungspotenziale, die atmosphärisch möglich sind. "Von dauerhaft zu mild, über klassisches Schmuddelwetter bis winterlich und knackig kalt mit einem ersten warmen Frühlingshauch", schätzt die Wetterexpertin ein.

Gegenüber der Referenzperiode 1991 bis 2020 sei die Durchschnittstemperatur des Winters 2020/2021 nur um 0,3 Grad erhöht. Die Sonne schien mit 212 Stunden lediglich fünf Prozent mehr im Vergleich zum Mittelwert der vergangenen 30 Jahre.

Und auch beim Niederschlag entsprach die Niederschlagssumme des vergangenen Winters nahezu dem Vergleichswert von 1991 bis 2020. Dies ergab die Auswertung der Daten der Messstation des Deutschen Wetterdienstes in Dresden Klotzsche.

Drittwärmster Heiligabend

Pünktlich zum meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember 2020 brachte Tiefdruckgebiet Undine den ersten Schnee nach Dresden. Allerdings hielt die kalte Witterung nicht lange an.

Der Hochdruckeinfluss sorgte für überdurchschnittlich viel Sonnenschein, sie schien 50 Prozent mehr als im Mittel der vergangenen 30 Jahre. Dementsprechend mild waren die Temperaturen. So war der Dezember mit einer Monatsmitteltemperatur von plus 3,6 Grad Celsius deutlich zu warm.

Mit einer Maximaltemperatur von zwölf Grad Celsius wurde der drittwärmste Heiligabend seit 1961 verzeichnet.

Wie für das gesamte Jahr 2020 bestimmend, blieb der Dezember 2020 mit nur 21 Millimetern Niederschlag viel zu trocken. Dabei regnete es an nur sieben statt an durchschnittlich 14 Tagen.

Wintergewitter im Januar

Der Januar begann mit Schmuddelwetter. Weder wurde es richtig kalt, noch freundlich und mild. Um den 9. Januar herum folgte ein Wetterumschwung mit einer ausgedehnten Tiefdruckzone, die am 14. Januar zu einem abendlichen Wintergewitter in Dresden führte.

Fast eine Woche hielten die frostigen Temperaturen und die weiße Pracht. Doch ab dem 19. Januar kletterte das Thermometer in Dresden-Klotzsche auf frühlingshafte Temperaturen bis zehn Grad Celsius.

Pünktlich zum nächsten Wochenende versorgte Tief Goran das Stadtgebiet wieder mit kühleren Temperaturen und Schnee. Der Frost hielt bis Ende des Monats an.
Insgesamt schneite es an 14 Tagen im Januar, 60 Prozent mehr als im Durchschnitt.

Mit 23 Frosttagen zählte der Monat fünf Frosttage mehr im Vergleich zum Mittelwert 1991 bis 2020. So war der Januar im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre 0,3 Grad zu kalt.

Rosa Schnee durch Saharastaub

Für die Jahreszeit zu milde Temperaturen bis über zehn Grad Celsius sorgten in den ersten Februartagen dafür, dass der Schnee nicht nur in Dresden schmolz, sondern auch im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe.

Auch regnete es immer wieder. In der Folge stieg der Elbpegel deutlich an. Am 5. Februar wurde in Dresden die Hochwasseralarmstufe 1 ausgerufen. Am Folgetag erreichte der Pegel Dresden den höchsten Wasserstand des Winters von 461 Zentimetern.

Am ersten Februarwochenende standen sich Tief Tristan über Südfrankreich und Hoch Gisela mit Zentrum über Nordosteuropa gegenüber. In der quer über Mitteldeutschland verlaufenden Luftmassengrenze traf die milde, feuchte Luft auf die kalte Polarluft.

In Dresden schneite es heftig und es war glatt. Spannend war hierbei der sogenannte Blutschnee. Durch den Eintrag von Saharastaub zeigte sich auch in Dresden eine rosa gefärbte Schneedecke.

Der kälteste Tag war der 9. Februar mit einer Tageshöchsttemperatur von Minus 9,5 Grad Celsius. In der Nacht zum 10. Februar fiel das Thermometer auf -16,2 Grad Celsius. Letztmalig war es im Februar 2012 so kalt mit einer Tageshöchsttemperatur von nur -11,7 Grad.

Neun Tage ununterbrochener Schneefall sorgten für Ski- und Rodelspaß im ganzen Stadtgebiet. Die erfasste Schneemenge an der Wetterstation Dresden-Klotzsche bemisst sich im Februar auf 224 Zentimeter. Seit 1987 ist dies die größte Schneemenge.

Nach der eisigen Kälte folgte auf einmal der Frühling. Am 25. Februar wurden in Klotzsche 20 Grad Celsius gemessen, ein neuer Temperaturrekord. Das ist die höchste Temperatur, die je in einem Februar seit 1961 registriert wurde.

Wer an diesem Tag den Himmel beobachtete, dem wird außerdem die dunstige Luft aufgefallen sein. Durch das Hochdruckgebiet Ilonka wurden nach einem gewaltigen Saharastaubausbruch die feinen Staubpartikel bis nach Nordeuropa geführt.

Schneeschmelze ein Segen für die Gewässer

Für die Bäche und Flüsse in Dresden war der Winter ein Segen, sagt die Meteorologin. Bäche, die fast ausgetrocknet waren, fließen wieder. Ebenso positiv wirkte sich die Schneedecke mit dem langsamen Einsickern des Schmelzwassers in den Boden auf die Grundwassersituation aus.

Der Elbpegel ging nur allmählich zurück. So kam es noch einmal zu einem Anstieg des Pegelstandes auf 352 Zentimeter am 20. Februar, da in der Moldaukaskade und in der Talsperre Nechranice in Tschechien Wasser abgelassen wurde, um Platz für die Schneeschmelze in den hohen Lagen von Böhmerwald und Erzgebirge zu schaffen.

Neue Klimareferenzperiode beginnt

Der Rückblick auf den vergangenen Winter ist allein schon aus dem Grund interessant, da mit dem Ende des Jahres 2020 die neue Klimareferenzperiode 1991 bis 2020 zur Verfügung steht.

Werte für Temperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer oder Anzahl meteorologischer Kenntage können nun mit diesem neuen Klimamittelwert 1991 bis 2020 in Bezug gesetzt werden und nicht wie bisher nur zum Zeitraum 1961 bis 1990, sagt Franziska Reinfried.

Diese Parameter hätten sich durch die globale Klimaveränderung gegenüber dem bisherigen Klimareferenzzeitraum 1961 bis 1990 zum Teil deutlich verändert. So hat sich der durchschnittliche Winter (Mittelwert 1991 bis 2020) bereits um ein Grad gegenüber dem bisherigen Klimareferenzzeitraum 1961 bis 1990 erwärmt.

Die Sonnenscheindauer hat sich von durchschnittlich 173 Stunden um 17 Prozent auf 203 Sonnenstunden erhöht. Der Winter ist im zurückliegenden 30-Jahres-Zeitraum um etwa 18 Prozent trockener geworden gegenüber der Periode 1961 bis 1990.

Vom Niederschlagsrückgang besonders betroffen ist dabei vor allem der Dezember (minus 24 Prozent) und der Februar (minus 17 Prozent). Die gemessenen Schneehöhen haben sich von mittleren 386 Zentimetern auf 210 Zentimeter fast halbiert.

Dagegen hat sich die Zahl an Eistagen (Tage, an denen die Maximaltemperatur unter dem Gefrierpunkt bleibt) und Frosttagen (Tage, an denen die Minimumtemperatur Null Grad unterschreitet) um durchschnittlich drei beziehungsweise vier Tage recht wenig verändert.

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Fazit: Während insgesamt die Winter immer milder werden, sind vereinzelt dennoch eisige Temperaturen und Schneefälle möglich.

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