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„Durch Fusion Verluste kompensieren“

Drewag- und Enso-Chef Frank Brinkmann über die Vorteile des neuen Großversorgers, die Coronakrise und die Wasserversorgung in trockenen Zeiten.

Drewag- und Enso-Chef Frank Brinkmann versichert, dass auch die Verbraucher von der Fusion zum großen Kommunalversorger profitieren werden.
Drewag- und Enso-Chef Frank Brinkmann versichert, dass auch die Verbraucher von der Fusion zum großen Kommunalversorger profitieren werden. © Sven Ellger

Dresden. Dr. Frank Brinkmann leitet seit knapp drei Jahren die Stadtwerke Drewag und auch den Regionalversorger Enso Energie Sachsen Ost. Jetzt sollen beide Unternehmen zur SachsenEnergie fusionieren. Am Dienstag soll der Dresdner Stadtrat darüber entscheiden. Die SZ sprach mit ihm unter anderem darüber, welche Vorteile die Fusion bringt und wie die Versorgung in Coronazeiten, aber auch künftig gesichert werden soll.

Herr Brinkmann, nach dem ersten Lockdown im Frühjahr gelten jetzt wieder verschärfte Bestimmungen. Haben Sie Mitarbeiter, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben?

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Ja, anders als bei der ersten Welle haben wir dieses Mal nach jetzigem Stand 15 Mitarbeiter, die seit Oktober positiv getestet wurden und in Quarantäne gegangen sind. Keiner von denen ist aber in einem kritischen Zustand. Insgesamt haben wir rund 3.400 Mitarbeiter.

Wie sichern Sie beim derzeitigen Lockdown bei der Drewag, dass die Versorgung mit Trinkwasser, Fernwärme oder Strom in Dresden jederzeit gewährleistet bleibt?

Auf unsere Erfahrungen aus der ersten Welle bauen wir auf. Wir haben den Krisenstab reaktiviert. Er tagt jetzt wieder im wöchentlichen Rhythmus. In den zentralen Bereichen, wie in den Leitwarten von Kraftwerken und Netzen, haben wir getrennte Schichten, die sich auch nicht überlappen. So sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Seit Jahren treiben Sie die Fusion von Drewag und Enso voran. Warum sollen die Unternehmen erst jetzt zur SachsenEnergie fusionieren, die künftig der größte Kommunalversorger Ostdeutschlands wird? Wäre das nicht schon früher möglich gewesen?

Die Fusion von Drewag und Enso ist für uns der Schlusspunkt einer immer weitergehenden Kooperation. In früherer Zeit hatte man schon einmal gedacht, man ist weiter als man wirklich war. Die gemeinsamen Ziele sind erst jetzt erarbeitet worden. Wir merkten, die Zeit ist reif, aber es war ein wirklich großes Stück Vertrauens-Arbeit, 168 Kommunen und die Landeshauptstadt so weit zusammenzubringen. Dafür waren grundsätzliche Verhandlungen zum steuerlichen Querverbund notwendig, aber auch zur Gewerbesteueraufteilung. Hier mussten auch Entfremdungen durch den Rechtsstreit überwunden werden, die gegenseitig Narben hinterlassen hatten. Wir freuen uns, dass nun Gemeinsamkeiten und das gemeinsame Ziel im Vordergrund stehen.

Werden durch die Fusion die Gewinne wachsen?

Wir werden mit der Fusion die durch die Netzregulation verursachten Verluste weitestgehend kompensieren und so der sinkenden Eigenkapitalverzinsung entgegenwirken können. Wir haben in Dresden und Ostsachsen etwa 1,5 Milliarden Euro Werte im Boden – in Form von Kabeln und Rohren. Üblicherweise beziehen wir dafür eine Rendite über die Netzentgelte. An dieser Stelle gibt der Regulator genau vor, wie viel man verdienen darf und hat nun festgelegt, dass wir demnächst zwei Prozent weniger auf unser Eigenkapital verdienen dürfen, da auch die Fremdkapitalzinsen sich verringert haben. Das kostet uns etwa 37 Millionen Euro, die wir durch Fusionseffekte kompensieren müssen.

Wie profitieren die Verbraucher in Dresden und Umgebung von einer Fusion?

Die Verbraucher profitieren davon, indem wir die 37 Millionen Verlust ausgleichen können, die wir sonst wahrscheinlich auf unsere Kunden umlegen müssten. In Dresden profitieren die Verbraucher durch die Stärkung der Querfinanzierung für den öffentlichen Nahverkehr und die Bäder. Die Verbraucher in Ostsachsen profitieren, indem wir weiter die Kraft für stabile Investitionen in die Infrastruktur haben.

Die Grünen-Fraktion im Dresdner Stadtrat findet, dass die Verträge zur SachsenEnergie zu wenig konkrete Aussagen zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes enthalten. Ist Ihnen die sogenannte Klimaneutralität nicht wichtig?

Doch, sie ist uns sehr wichtig. Darum haben wir uns in unserer Satzung und dem Konsortialvertrag auch dazu verpflichtet. Unsere Geschäftsentwicklung ist nicht nur der Wirtschaftlichkeit sondern auch der Nachhaltigkeit sowie dem Klima- und Umweltschutz verpflichtet. Wir werden hier genau auf die Einhaltung nationaler Klimaschutzziele und Umweltstandards achten und viel in Netzinnovationen und Technologien investieren, die dazu beitragen. Wir werden zudem den Ausbau der Erneuerbaren Energien deutlich beschleunigen und hier kräftig investieren. Wir haben dafür neu ein Strategiegremium vorgesehen, in dem wir die beschleunigte Klimaneutralität auch diskutieren und gemeinsam vorantreiben können.

In der SachsenEnergie-Satzung haben wir darüber hinaus einen Passus, der uns verpflichtet, die Infrastruktur in allen unseren Gebieten gleichberechtigt voran zu treiben. Insbesondere hinsichtlich Versorgungsstandards und Investitionen in die Infrastruktur der Versorgungsmedien. Dieser Passus ist eine Art Novum und wirklich fortschrittlich, wenn man sich unseren Wettbewerb anschaut.

Der Jahresanfang ist immer der typische Zeitpunkt für eine Gebührenerhöhung. Wird es die 2021 geben?

Wir werden wahrscheinlich weitgehend darum herumkommen. Aktuell sind wir dafür in den letzten Berechnungen. Wir haben zwar deutliche Erhöhungen der vorgelagerten Netzkosten, werden dort aber sehen, dass wir sie weitgehend kompensieren.

Frank Brinkmann hält neue Lösungen für eine stabile Trinkwasserversorgung für nötig.
Frank Brinkmann hält neue Lösungen für eine stabile Trinkwasserversorgung für nötig. © Sven Ellger

Der Wasserverbrauch in der wachsenden Großstadt Dresden steigt seit Jahren. Waren es 2011 im Durchschnitt noch 102.000 Kubikmeter täglich, so sind es jetzt fast 20.000 Kubikmeter mehr. Wie wollen Sie in trockenen Zeiten mit sinkendem Grundwasserspiegel den Bedarf auch künftig sichern?

In Ostsachsen haben wir eine Infrastruktur bei der Wasserversorgung, die eine zunehmende Herausforderung ist. Das Angebot hängt vom Regen ab. Wir brauchen eine Versorgung mit Tiefbrunnen, die auch bei einer Dürreperiode noch funktioniert. Nicht für den Normalbetrieb, sondern als Plan B für Dürreperioden. Wir halten es für eine schlechte Idee, in trockeneren Zeiten die Wasserversorgung einzuschränken. Da gäbe es viel Unmut in der Bevölkerung.

Neben Tiefen- und Grundwasserbrunnen brauchen wir ein Fernwasserversorgungsystem für Ostsachsen. Wir haben über 40 kleine Wasserzweckverbände, die zwar ihre eigenen Brunnen haben. Problematisch wird es aber, wenn diese trocken sind. Hier braucht es auch einen Plan B bei dem wir gern Teil der Lösung sind. In der derzeitigen Struktur ist die Versorgungssicherheit langfristig nicht gewährleistet.

Die Drewag treibt seit Jahren den Fernwärmeausbau voran. Wann soll die erste Fernwärme durch den neuen Tunnel an der Marienbrücke nach Pieschen strömen?

Das soll im Februar nächsten Jahres sein.

Im April haben Sie mit den Grundstein für das neue Reicker Kraftwerk gelegt. Was wird das bringen?

Das Kraftwerk Reick ist in mehreren Hinsichten für uns wichtig. Erstens gibt es uns die Schwarzstartfähigkeit. Das heißt, wenn der Strom ausfällt, können wir Ostsachsen selbständig wieder hochfahren. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung wird es zudem CO2-Einsparungen geben. Bei Schwankungen der Preise haben wir auch einen ökonomischen Vorteil. Das Kraftwerk ist eine Ergänzung und Erweiterung unseres Systems der Kraft-Wärme-Kopplung.

Die Drewag setzt damit eine Tradition fort. An welcher Stelle steht Dresden im deutschlandweiten Vergleich beim Anschluss an die Fernwärmeversorgung?

Wir haben einen hohen Anschlussgrad. In Ostdeutschland sind wir nach Berlin die Nummer Zwei. Im deutschen Vergleich sind wir bei den reinen Versorgern die Nummer Fünf.

Sie wollen den Ausbau eines Glasfasernetzes in Dresden vorantreiben. Wie sieht es derzeit damit aus?

Wir wollen ihn vor allem in Ostsachsen aber auch in Dresden durch unsere Tochter Sachsen Gigabit voranbringen. Hier passiert aktuell sehr viel. Bei ausgeschriebenen Vorhaben sind wir bereits zusammen mit der Telekom der größte Investor. Langfristig streben wir ein Drittel der Glasfaser-Infrastruktur an.

Der 53-Jährige gebürtige Braunschweiger fühlt sich bereits als Dresdner. Der Geschäftsführer ist Diplom-Physiker und promovierter Betriebswirt.
Der 53-Jährige gebürtige Braunschweiger fühlt sich bereits als Dresdner. Der Geschäftsführer ist Diplom-Physiker und promovierter Betriebswirt. © Sven Ellger

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Ja. Wenn ich zum Beispiel in Verbänden und Wirtschaftsgremien die Unternehmen und die Region vertrete, vertrete ich die ostdeutsche Perspektive mit viel Herzblut. Das ist auch bei der Fusion von Drewag und Enso so, die wir gemeinsam schaffen wollen.

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