merken
PLUS Dresden

Feinarbeit unterm Hofkirchendach

Von Restauratoren und Kunsthandwerkern ist bei der Sanierung viel Können gefragt. Worauf es dabei besonders ankommt.

Das Hauptschiff der Hofkirche ist derzeit eine besondere Großbaustelle. Hier reinigt Diplom-Restaurator Mathias Steude den vergoldeten Rahmen des Gemäldes über dem Hochaltar.
Das Hauptschiff der Hofkirche ist derzeit eine besondere Großbaustelle. Hier reinigt Diplom-Restaurator Mathias Steude den vergoldeten Rahmen des Gemäldes über dem Hochaltar. © Sven Ellger

Dresden. Sachte streicht Diplom-Restaurator Mathias Steude mit dem Tuch über den vergoldeten Rahmen des Altarbildes. Gleich neben ihm schweben Engel auf dem Gemälde des Dresdner Hofmalers Anton Raphael Mengs, das die Himmelfahrt von Jesus darstellt. Schonend muss nicht nur der Rahmen des fast 260 Jahre alten Kunstwerks in der Hofkirche gereinigt werden. Viel Fingerspitzengefühl ist auch bei anderen Arbeiten nötig.

Mit seinem Kollegen Thomas Höhne arbeitet der erfahrene Restaurierungsexperte in schwindelerregender Höhe. Schließlich ragen die Gerüste im Hauptschiff von Sachsens größtem Gotteshaus bis in eine Höhe von 32 Metern zur Decke empor. Dort sind umfassende Instandsetzungsarbeiten nötig. Die ersten Vorbereitungen hatten im April dieses Jahres begonnen. Zwar wurde 1998/99 die Kirchendecke erneuert. Im gesamten oberen Bereich müssen aber die Fugen saniert werden, die offenbar nach den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht richtig geschlossen wurden, erklärt Dompfarrer Norbert Büchner.

Anzeige
Bereit für große Sprünge?
Bereit für große Sprünge?

Seit mehr als 20 Jahren ist PostModern der zuverlässige Postdienstleister der Region. Jetzt wagt er den großen Sprung!

Mathias Steude muss nicht nur bei der Reinigung des Altarbild-Rahmens sehr vorsichtig arbeiten. Während der Sanierung des Hauptschiffs sind insgesamt etwa ein Dutzend erfahrene Restauratoren in der Hofkirche aktiv.
Mathias Steude muss nicht nur bei der Reinigung des Altarbild-Rahmens sehr vorsichtig arbeiten. Während der Sanierung des Hauptschiffs sind insgesamt etwa ein Dutzend erfahrene Restauratoren in der Hofkirche aktiv. © Sven Ellger

In dem Zuge werden auch die Wände und die Decke der 1755 fertiggestellten Kirche gereinigt, ausgebessert, frisch gemalert und viele andere Restaurierungsarbeiten ausgeführt, wie eben am Altar. Dabei sind etwa ein Dutzend so erfahrene Restauratoren wie Höhne und Steude und darüber hinaus Kunsthandwerker und andere Bauleute aktiv, erläutert Büchner. Mit ihrer eigenen Firma im sächsischen Leisnig arbeiten die beiden Diplom-Restauratoren bereits seit 25 Jahren an historischen Bauwerken. „In der Hofkirche zu arbeiten ist aber etwas ganz Besonderes“, sagt Mathias Steude.

Gemeinsam mit Thomas Höhne reinigt er vom Gerüst aus auch den Rahmen des Hochaltars aus künstlich hergestelltem Stuckmarmor. „Er muss trocken gereinigt werden, da er sehr empfindlich ist“, sagt der Restaurator. Entfernt werden Ruß und Schmutz. Um nichts zu beschädigen, hat beispielsweise der Staubsauger, den sie einsetzen, einen Aufsatz mit einem sehr weichen Ziegenhaarpinsel.

Über 30 Meter ragen derzeit die Gerüste in der Hofkirche empor.
Über 30 Meter ragen derzeit die Gerüste in der Hofkirche empor. © Sven Ellger

Zwar war das Gerüst mit seinen 14 Etagen erst im September komplett aufgebaut. Doch bereits ab Mai konnten Fachleuten von bereits montierten Ebenen aus mit den ersten Arbeiten beginnen, erklärt der Dompfarrer. Im oberen Bereich des Hauptschiffs wurden dann die Sandsteinfugen kontrolliert, geöffnet und ordentlich mit Spezialmörtel verpresst. Zudem haben Handwerker Stuckteile und Wände an dem historischen Bauwerk mit Radierschwämmen schonend gereinigt, erläutert Büchner. Später bringen Maler frische Farbe in verschiedenen Weiß- und Grautönen so wie beim letzten Anstrich 1999 auf. Der sei genau mit dem Denkmalschutz abgestimmt worden.

Ganz filigran muss auch an den Stuck-Blättern gearbeitet werden, die die oberen Bögen des Kirchenschiffs zieren. „Das Blattwerk wurde kontrolliert und beschädigte oder fehlende Stellen wurden ausgebessert oder ersetzt“, sagt der Dompfarrer.

Andrea Weise und Matthias Böhme arbeiten bereits seit Juni in der Hofkirche. Hier sind sie dabei, Risse an der Unterseite eines Bogens zu sichern.
Andrea Weise und Matthias Böhme arbeiten bereits seit Juni in der Hofkirche. Hier sind sie dabei, Risse an der Unterseite eines Bogens zu sichern. © Sven Ellger

Bereits seit Juni stehen Andrea Weise und Matthias Böhme von einer Spezialfirma aus Trebsen bei Grimma bei solchen Arbeiten auf den Gerüsten der Hofkirche. Die 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Stuckateurin, ihr 62-jähriger Kollege ist Maurer. „Hier war es sehr schwierig, die Fugen im Mauerwerk zu öffnen“, berichtet Böhme. „Sie waren so schmal, dass wir mit einem Meißel nicht reingekommen sind.“ Also wurde der Mörtel mit einem dünnen Sägeblatt entfernt. „Teilweise war aber nur noch Sand drin.“

Um die Fugen wieder dauerhaft zu verschließen, wurde sogenannter Heißkalk eingesetzt. Wird er mit Wasser vermischt in die bis zu 60 Zentimeter tiefen Fugen eingebracht, erhitzt er sich auf 43 Grad, dehnt sich dadurch aus und verpresst die Spalten langfristig sicher. „Dabei mussten wir aber sehr vorsichtig arbeiten, da Heißkalk ätzend ist“, sagt Böhme. Also waren die Handwerker mit Handschuhen und Schutzbrille ausgerüstet. Dieses Verfahren werde speziell bei solchen Baudenkmälern wie der Hofkirche eingesetzt.

Die angehende Stuckateurin Andrea Weise ist begeistert bei der Sache. „Mir macht es hier besonderen Spaß, da ich hier vielfältige Aufgaben habe“, sagt sie. Die reichen von Arbeiten an Stuckteilen oder Sandsteinen bis hin zum Verpressen der Fugen. So kann sie auch Erfahrungen sammeln, die sie noch aus einem anderen Grund benötigt. Die junge Frau will Diplom-Restauratorin werden und deshalb an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste studieren. Dafür benötigt sie als eine Voraussetzung aber mindestens ein zwölfmonatiges Praktikum. „Da habe ich gleich eine Lehre gemacht“, sagt Andrea Weise. So habe sie einen Abschluss und zudem die nötige Praxiserfahrung.

Bis Februar kommenden Jahres sollen die Sanierungsarbeiten in der Hofkirche abgeschlossen sein.
Bis Februar kommenden Jahres sollen die Sanierungsarbeiten in der Hofkirche abgeschlossen sein. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Dompfarrer Büchner freut sich, dass auch solche jungen Leute an der Sanierung der altehrwürdigen Hofkirche mitarbeiten. „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt er. Bis Februar 2021 sollen alle Arbeiten abgeschlossen werden. Dann feiert das katholische Bistum Dresden-Meißen das 100. Jubiläum seiner Wiedereinrichtung nach der Reformation. Außerdem wird Ende Februar die Konferenz der katholischen deutschen Bischöfe in Dresden tagen. In der Hofkirche soll der Eröffnungsgottesdienst sein.

Rund 4,9 Millionen Euro werden für die Sanierung investiert. Den Großteil zahlt der Freistaat. Schließlich ist Sachsen Eigentümer der Kathedrale. Das Bistum hat allerdings die Nutzungsrechte.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden