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Großer Missbrauchsprozess in Dresden gestartet

Ein 38-jähriger Angeklagter aus Niederau soll sich an Kindern vergangen haben und Betreiber von Plattformen für Pädophile gewesen sein.

Alexander B., hier mit seinem Verteidiger Carl-Christian Roß (r.) zum Prozessauftakt am Landgericht Dresden, will sich zu den schweren Vorwürfen äußern.
Alexander B., hier mit seinem Verteidiger Carl-Christian Roß (r.) zum Prozessauftakt am Landgericht Dresden, will sich zu den schweren Vorwürfen äußern. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Einer der größten Prozesse um organisierten Missbrauch von Kindern der vergangenen Jahre hat nun vor dem Landgericht Dresden begonnen. Erstmals steht ein Angeklagter vor der Jugendschutzkammer, der nicht nur Babys, Kinder und Jugendliche selbst sexuell schwer missbraucht haben soll, sondern auch zu Hintermännern gehören soll, die über Jahre illegale Internetforen für Pädophile betrieben haben. Das Gericht hat für die Hauptverhandlung vorerst sieben Verhandlungstage bis zum 9. März terminiert.

Die Staatsanwaltschaft wirft Alexander B. neben schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in 18 Fällen unter anderem auch vor, seit 2010 als Mitglied einer Bande kinderpornografisches Material verbreitet zu haben. Er habe ein einschlägiges Forum im sogenannten Darknet, einem anonymen Bereich des Internet, an verantwortlicher Stelle mit aufgebaut.

Dazu habe etwa gehört, dass B. die Regeln in dem Forum aufstellte, nach denen Nutzer der Tauschbörse je nach Menge und Qualität des von ihnen eingestellten Materials in immer exklusivere Bereiche aufsteigen konnten, heißt es in der Anklageschrift. Darüber hinaus habe B. auch von ihm selbst begangene schwere Missbrauchshandlungen gefilmt und anderen auf der Plattform zur Verfügung gestellt.

Auch zwei Säuglinge

Laut Anklage soll sich B. wiederholt an Kindern vergangen haben. Bei einem zur Tatzeit sieben Jahre alten Mädchen handelte es sich um die Tochter einer Freundin, bei zwei Säuglingen um die Babys seiner Cousinen. Tatorte waren die Wohnungen des Angeklagten auf Usedom und zuletzt in Niederau. So habe er etwa eine Mutter mit seinem Hund Gassigehen geschickt und sich in der Zwischenzeit gefilmt, wie er das Baby missbraucht habe.

Ein Rechtsmediziner soll in dem Prozess nun unter anderem die Frage beantworten, ob die Säuglinge Atemnot erlitten hatten und der Angeklagte sie in Lebensgefahr gebracht habe, als er ihnen seinen Penis in den Mund gesteckt habe. Aus den Taten habe B. Videos zusammengeschnitten, die er ebenfalls in einschlägigen Foren veröffentlicht habe.

Zuletzt soll sich B. wiederholt an einer Achtjährigen vergangen haben, die bei ihm regelmäßig zum Gitarrenunterricht gewesen sei. Auch das Kind war die Tochter von Freunden des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-jährigen weiter vor, 2019 eine 91 Jahre alte Frau in Weinböhla in ihrer Wohnung überfallen und rund 100 Euro Bargeld von ihr geraubt zu haben.

B. hat angekündigt, sich zu den Vorwürfen einzulassen. Da der psychiatrische Sachverständige zum Prozessauftakt am vergangenen Freitag verhindert war, soll die Einlassung des Angeklagten am Dienstag stattfinden.

Das Gericht plant, einige Zeugen von der Ostsee, Ermittler und die Geschädigten von Usedom, per Video-Schalte mit dem Landgericht Stralsund zu vernehmen, um ihnen eine Anreise zu ersparen. Das teilte der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel am Ende des ersten Sitzungstages mit.

Anwalt Rolf Franek, er vertritt als Nebenklage-Vertreter Geschädigte, sagte, die Beweislage sei aufgrund der Foto- und Videodateien vergleichsweise komfortabel.

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