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Hilfsangebote für St.-Benno-Buchhandlung

Die Dresdner Traditionsbuchhandlung steht vor dem Aus. Kunden und eine Pfarrei wollen sie retten.

Christiane Königsmann bekam in den vergangenen Tagen viele Anrufe mit Hilfsangeboten für ihre Buchhandlung.
Christiane Königsmann bekam in den vergangenen Tagen viele Anrufe mit Hilfsangeboten für ihre Buchhandlung. © Marion Doering

Dresden. Die Kirchenleute waren sprachlos, monatelang, jahrelang. Auch, wenn Christiane Königsmann Fragen hatte, kam oft nur Schweigen von den Menschen, zu deren Beruf das Reden gehört. Erst Anfang der Woche kam eine Reaktion. 

Da hatte die Buchhändlerin den Mietvertrag für ihr Geschäft bereits rund drei Wochen lang gekündigt. Fast zwei Wochen lang lagen da bereits SZ-Fragen zur Situation der St.-Benno-Buchhandlung unbeantwortet auf einem Schreibtisch im „Haus der Kathedrale“. Dann schickte das Bistum Dresden-Meißen eine offizielle Stellungnahme. 

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Kein Segenswunsch für die Zukunft

„Da geht eine Ära zu Ende“, kommentierte Generalvikar Andreas Kutschke darin das Aus der Buchhandlung, die es seit 65 Jahren gibt. Kein Segenswunsch für die Zukunft, kein „alles Gute“. Aus Sicht des Bistums gab es keinen anderen Weg als die Trennung. 

Die Verantwortlichen teilten mit, „aufgrund der vielfältigen Funktionen, die das Haus der Kathedrale im Herzen der Stadt erfüllt und nach dem Umbau erfüllen soll, konnten wir dem Geschäft leider nicht weiter als jetzt entgegenkommen“. 

Christiane Königsmann findet, dass ihr gar nicht entgegengekommen wurde. Zuletzt standen immer wieder Baufahrzeuge vor ihrem Eingang, ohne Ankündigung und Kunden-Hinweis, wie ihr Buchgeschäft trotzdem zu erreichen ist. 

Die Toilette konnte nicht genutzt werden, den Pausenraum musste sie schon 2017 abgeben, dort sollte eine Cateringküche entstehen. Passiert ist dort bisher aber nichts. 

"Das kann man auch alles im Internet bestellen"

Schon vor drei Jahren wies sie den Bischof darauf hin, dass sie ihr Geschäft unter solchen Umständen nicht weiter betreiben kann. Nun ist es so weit - am 14. Dezember beginnt Christiane Königsmann mit dem Ausverkauf, am 9. Januar schließt sie endgültig. 

Unter Bischof Joachim Reinelt, der bis 2012 an der Spitze des Bistums Dresden-Meißen stand, wurde der Laden einst im „Haus der Kathedrale“ eingerichtet. Er war „von Anfang an eingeplant“, sagt Christiane Königsmann. Fünf Jahre später beschied ihr der amtierende Bischof Heinrich Timmerevers, das sei jetzt nicht mehr zeitgemäß. 

„Die Entscheidung mag vielleicht vor 20 Jahren richtig gewesen sein. Heutzutage kann man das auch alles im Internet bestellen.“, hat ihr der Bischof bereits im Oktober 2017 das Aus ihres Ladens angekündigt. Diese zwei Sätze hat sich Christiane Königsmann damals aufgeschrieben. 

Es war ihr letztes direktes Gespräch mit Timmerevers. Auch von ihm gab es keine guten Wünsche für die Zukunft, als klar war, dass es nicht weitergeht mit der St.-Benno-Buchhandlung.

60 bis 80 Euro pro Quadratmeter Miete

Ein reichliches Jahr vor diesem Gespräch mit Bischof Timmerevers waren die Miet-Verantwortlichen im „Haus der Kathedrale“ noch ganz anderer Meinung. Im Februar 2016 kündigten sie eine „Mietanpassung“ an. Pro Quadratmeter sollte Christiane Königsmann fortan 60 bis 80 Euro zahlen. 

Viel zu viel für ihr Buchgeschäft, auch heute noch, sagt die Ladeninhaberin. Laut der Medien-Dienstleistung Gesellschaft (MDG) aus München, die gemeinsam mit dem Katholischen Medienverband bundesweit katholische Buchläden unter die Lupe nimmt, sind bei solchen Geschäften derzeit Durchschnittsmietpreise von 13 Euro pro Quadratmeter üblich, sagt Königsmann. Sie zahlt knapp das Doppelte.

Das ist zu wenig, sind die Verantwortlichen im „Haus der Kathedrale“ überzeugt. „Im Umfeld liegt nach unserer Kenntnis die übliche Gewerbemiete zwischen zirka 50 und 90 Euro pro Quadratmeter“, rechnet die Pressestelle vor. 

Das Sortiment der St.-Benno-Buchhandlung gehe weit über das übliche Sortiment einer durchschnittlichen christlichen Buchhandlung hinaus und die Schloßstraße sei eine erstklassige Lage. Die Gegenüberstellung mit den Vergleichswerten sei deshalb „nicht zielführend“. 

Die Medien-Dienstleister aus München erklären dagegen, bei ihren Studien und Umfragen „im Bereich Katholischer Buchhandel“ hätten sie festgestellt, dass „Non-Book-Artikel“ eine „nicht zu unterschätzende Stellschraube“ für die Geschäfte seien. Im Klartext: Sie haben sehr wohl im Blick, dass in Läden wie der St.-Benno-Buchhandlung nicht nur Bücher verkauft werden.

Weitermachen? Das kann sich Königsmann nicht vorstellen

Seit sich das Bistum zum Aus des Geschäfts zu Wort gemeldet hat und darüber berichtet wurde, „steht das Telefon überhaupt nicht mehr still“, sagt Christiane Königsmann. „Die Kunden sind sehr traurig und können es überhaupt nicht verstehen.“ 

Einer dieser Kunden ist der Dresdner Frank Müller-Eberstein. „Christlichkeit, Toleranz und Menschlichkeit predigen ist das eine, das tatsächliche Verhalten das andere“, stellt er fest. „Mögen die Verantwortlichen des Bistums noch einmal darüber nachdenken, was sie mit der Kündigung den dort beschäftigten Menschen und der Urbanität der Stadt antun.“ 

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Darüber haben auch Kunden nachgedacht und Hilfe angeboten. Christiane Königsmann berichtet, ihre eigene katholische Pfarrei St. Petrus in Strehlen habe sogar Hilfe bei der Suche nach neuen Räumen angeboten. Doch nach dem Ende auf der Schloßstraße weiterzumachen - das kann sie sich im Moment wirklich nicht vorstellen.

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